Funktioniert es eigentlich, den ganz alltäglichen Frust einfach wegzutanzen? Zwei Achtjährige antworten mit einem "Ja", nicken bekräftigend. Hannah und Leni tanzen beide schon seit rund vier Jahren in der Ballett- und Gymnastikschule von Karin Neubauer, sind deshalb schon kleine Profis. Für sie ist Tanzen kein leidiges Hobby, in das sie hineingezwängt wurden, sondern etwas, das sie mit Liebe und Leidenschaft machen.
Das Kartoffelgesicht für eine perfekte Mimik
Die zwei Mädchen proben gerade mit vielen anderen für das Ballettmusical "Something New Is Coming". Karin Neubauer gibt den Ton an. "Macht doch bitte alle mal ein Gesicht wie eine Kartoffel", meint sie plötzlich und erntet Gelächter. Dabei ist die Mimik wichtig. Immer wieder erinnert sie die Tänzerinnen daran, zu lächeln, nicht zu verkrampfen. Tapfer konzentrieren sich die Mädchen die nächsten fünf Minuten auf Mimik und Ausdruck, auf die Haltung, ihre Schrittfolge und vermutlich noch einhundert andere Dinge.
So laufen die Proben für das Ballettmusical "Something New Is Coming"
Das Ballettmusical enthält in diesem Jahr die aktuellsten Filmmusiken der Disney-Produktionen und der Hollywood-Blockbuster. Hannah und Leni sind begeistert. "Für die Schöne und das Biest hab ich die Schritte schon im Kopf", sagt Leni. Hannah wirft ein, sie brauche klare Ansagen. Aufgeregt sind beide - trotz ihrer Erfahrung. "Wenn ich mal stecken bleibe, halte ich mich an jemanden, der es kann", verrät uns Hannah. Sie hat übrigens auch den Text für das Musical mit eingesprochen und ist stolz darauf.
Tanzen als ein Ventil, um mit Druck umzugehen
Hannah liebt es, auch mal eigene Ideen in die Choreografie einzubringen. Aber es ist mehr als das. Auf die Frage, was das Tanzen mit ihr macht, hat sie eine entwaffnend ehrliche Antwort. "Ballett macht locker." Sie grinst. "Vor allem dann, wenn meine Mathelehrerin es mal wieder mit den Hausaufgaben übertrieben hat." Das Tanzen, sagt sie, beruhige sie.
Leni nickt. Sie kennt das. Ihr fehle das Tanzen manchmal richtig, wenn sie nicht zur Probe kann. Für sie ist es ein Weg, um mit Druck umzugehen. "Schlechte Noten kann ich durchs Tanzen besser wegstecken." Manchmal tanze sie auch einfach allein in ihrem Zimmer, ohne die Eltern oder die Schwester. Einfach nur für sich. Besonders, wenn sie einen schlechten Tag hatte.
Es ist also ein Ventil. Aber es ist auch eine Schule fürs Leben. Das bestätigen die Mütter, die am Rand der Probe zusehen. "Disziplin gehört einfach zum Tanzen dazu", findet Lenis Mutter Anne. "Kinder können das hier wunderbar lernen." Hannahs Mutter Christina kann das nur bestätigen – sie tanzt selbst seit über 30 Jahren.
“Tanzen erfordert Disziplin, aber es macht so viel Spaß und Freude.
”

Doch der Weg zum perfekten Auftritt ist nicht immer leicht. Leni gibt zu, dass sie sich manchmal furchtbar ärgert. "Wenn mir eine Schrittfolge nicht einfallen will, dann denke ich schon mal: 'Ich mag nicht mehr'." Ein kurzes Innehalten, dann zuckt sie die Schultern. "Aber es geht immer wieder weiter."
Wo tanzen auf einer Punkteskala rangiert
Beide haben schon früh gelernt, was Frustrationstoleranz bedeutet. Hannah hat eine klare Botschaft an alle, die zweifeln: "Man sollte dem Tanzen eine Chance geben, auch wenn es nicht beim ersten Mal klappt." Sie wird für einen Moment ziemlich ernst. "Dann soll man nicht gleich denken, man habe es vergeigt, sondern sich zusammenreißen und es einfach noch einmal versuchen."
Frust wegtanzen? Ja. Disziplin lernen? Auf jeden Fall. Sich durchbeißen? Unbedingt. Und wie viel Spaß macht das Ganze? Hannah überlegt kurz. Dann legt sie den Kopf schief und bewertet ihre Leidenschaft ganz pragmatisch: "Ich gebe dem Tanzen 8 von 10 Punkten."
Info: Wer sich das Ballettmusical im Kronacher Kreiskulturraum anschauen möchte, der kann sich für den 31. Oktober noch Karten im Vorverkauf besorgen.















