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Kronacher Publikum begeistert
Die „Little Women“ überzeugen im Kreiskulturraum
Die Literaturklasse liest und spielt, was Jo aus ihrem Skript vorliest.
Die Literaturklasse liest und spielt, was Jo aus ihrem Skript vorliest. // Nicole Julien-Mann
Signet des Fränkischen Tags von Nicole Julien-Mann
Kronach – Die Berufsfachschule für Musik Oberfranken hat in Kooperation mit den Hofer Symphonikern das auf dem berühmten Roman von Louisa May Alcott basierende Musical im Kreiskulturraum präsentiert.

Noch bevor die letzte Darstellerin die Bühne zum Schlussapplaus betritt, stehen die Zuschauer schon auf den Rängen – es gab Standing Ovations. Das ist nicht nur die Würdigung einer großartigen Leistung, sondern Ausdruck echter Ergriffenheit. Was die Schüler der Berufsfachschule für Musik Oberfranken mit ihrer Inszenierung des Musicals „Little Women“ im Kronacher Kreiskulturraum auf die Bühne gebracht haben, war mitreißend, professionell und voller Herzblut – und leider ein einmaliges Ereignis. Gerade deshalb wird es umso eindrücklicher im Gedächtnis bleiben.

Nachrichten vom Vater sind gekommen.
Nachrichten vom Vater sind gekommen. // Nicole Julien-Mann

In fast drei Stunden entfaltet sich die Geschichte nach Louisa May Alcotts gleichnamigem Roman, musikalisch interpretiert in der Version von Jason Howland. Vier Schwestern stehen im Zentrum – sie wachsen zusammen auf, teilen Träume, Sorgen und den festen Willen, sich nie zu verlieren. Doch das Leben fordert jede Einzelne auf ihre Weise heraus. Trotz aller Gemeinsamkeit geht jede ihren eigenen Weg – und darf es auch. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über Selbstbehauptung, Liebe, Abschied und Stärke – und vor allem über Frauen, die ihren Platz finden, ohne ihre Individualität aufzugeben.

Hervorragendes Ensemble begeistert

Dass diese Erzählung unter die Haut ging, ist dem gesamten Ensemble zu verdanken. Vorneweg Clara Stehle in der Rolle der Jo, die zugleich auch die eigentliche Erzählerin des Abends ist. Sie verleiht der Figur eine Mischung aus Wildheit, Entschlossenheit und Sensibilität, die berührt und trägt – stimmlich wie schauspielerisch durchweg überzeugend. An ihrer Seite: die drei Schwestern, brillant besetzt mit Rabea Buddrus (Amy), die mit ehrgeiziger Energie und einem Hauch von Eitelkeit ihre große Schwester herausfordert, Elisa Kloos (Meg), die als bodenständige, lebensbejahende Älteste ihre Rolle mit Wärme erfüllt, und Anastasia Andriiashyk, die ihre Beth fein und zurückhaltend zeichnet, mit ihrer bezaubernden Stimme berührt und deren Schicksal einen Wendepunkt in der Geschichte markiert.

Die Schwestern und Marmee machen Bekanntschaft mit Laurie.
Die Schwestern und Marmee machen Bekanntschaft mit Laurie. // Nicole Julien-Mann

Die Mutterfigur Marmee, gespielt von Lotte Koenen, beeindruckt – mit Haltung, Ruhe und Stärke verkörpert sie mütterliche Autorität glaubhaft. Gianna Froböse als resolute Tante March gelingt es mit Ton und Präsenz, die zweite reife Frauenfigur souverän zu verkörpern.

Marmee sehnt sich ihren Mann zurück aus dem Bürgerkrieg .
Marmee sehnt sich ihren Mann zurück aus dem Bürgerkrieg . // Nicole Julien-Mann

Die männlichen Rollen sind mit genauso viel Spielfreude gezeichnet. Der anfangs verschlossene Nachbar Mr. Laurence (Benjamin Timmler), dessen harte Schale durch Beths Klavierspiel Risse bekommt und spätestens im entzückenden Duett mit ihr vollends bricht, entwickelt sich glaubhaft zum Unterstützer der Familie. Der charmante Laurie (Jakob Kammerer) bringt Leichtigkeit in die Geschichte, bevor auch er gezwungen ist, Verantwortung zu übernehmen.

Der charmante Laurie und die vier Schwestern.
Der charmante Laurie (m., Jakob Kammerer) und die vier Schwestern (Anastasia Andriiashyk, Clara Stehle, Rabea Buddrus, Elisa Kloos). // Nicole Julien-Mann

Der ruhige, zurückhaltende Hauslehrer John Brooke (Juan Manel Orellano), später Ehemann der ältesten Schwester, wirkt als Gegenpol zu Laurie, während der deutsche Professor (Simon Schüppen) – steif, verkopft, aber mit Herz – am Ende doch derjenige ist, der zu Jo passt. Diese modernen Männerfiguren – aufmerksam, entwicklungsfähig, partnerschaftlich – geben dem Stück Tiefe und Aktualität.

Kooperation mit den Hofer Symphonikern

Dass jede Figur so präzise gezeichnet ist, ist der Verdienst von Daniela Pfaff-Lapins, die das Stück inszeniert und musikalisch einstudiert hat – und im übrigen auch für die tollen Kostüme und die Ausstattung verantwortlich ist. Ein gelungener Regiestreich ist die zweite Ebene, die Pfaff-Lapins eingezogen hat: Schüler der ersten Musicalklasse übernehmen nicht nur den Kulissenumbau, sondern sind zugleich Teil des Stücks, als Literaturklasse, die Alcotts Roman liest und gleichzeitig erlebt. Durch diese Metaebene fließen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Spiel ineinander.

Wenn Jo im Schreibfluss ist, muss das Eislaufen warten.
Wenn Jo im Schreibfluss ist, muss das Eislaufen warten. // Nicole Julien-Mann

Im Orchestergraben die Hofer Symphoniker, unterstützt von Instrumentalisten der Berufsfachschule. Manuel Grund, Leiter der Schule, dirigiert mit klarer Linie, starker Präsenz und einem feinen Gespür für musikalische Dynamik. Die Musik ist dabei nicht nur Untermalung, sondern struktureller Motor – sie führt durch die Geschichte, pointiert Szenen, unterstreicht Emotionen.

Ernste Themen bewegen Tochter und Mutter (Clara Stehle und Lotte Koenen).
Ernste Themen bewegen Tochter und Mutter (Clara Stehle und Lotte Koenen). // Nicole Julien-Mann

Nicht zuletzt mit dieser Produktion hat Manuel Grund ein Netzwerk gesponnen, das von der Berufsfachschule in Kronach bis zum Landestheater in Coburg und den Hofer Symphonikern reicht. Mit Weitblick verbindet er Ausbildung, Bühne und professionelle Praxis – ein Modell, das regional verankert ist und zugleich weit ausstrahlt.

Die Schwestern tanzen sich warm für den großen Ball.
Die Schwestern tanzen sich warm für den großen Ball. // Nicole Julien-Mann

Am Ende bleiben überwältigte Darsteller und der Applaus – vehement, laut und vor allem: ehrlich.

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