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Poesie in Kronach
Schule wird zum Theaterhaus
Das Landestheater Coburg gastierte mit seinem mobilen Musiktheater „BABbel“ an der Lucas-Cranach-Grundschule Kronach.
Das Landestheater Coburg gastierte mit seinem mobilen Musiktheater „BABbel“ an der Lucas-Cranach-Grundschule Kronach. // Heike Schülein
Signet des Fränkischen Tags von Heike Schülein
Kronach – Das Landestheater Coburg gastierte mit seinem mobilen Musiktheater für Kinder an der Lucas-Cranach-Grundschule − mit einem brisanten Stoff im Gepäck.

Der König von Babel ist völlig verrückt geworden! Er möchte den höchsten Turm der Welt bauen, um nach den geheimnisvoll glänzenden Sternen greifen zu können. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf die armen Tiere seines Landes: die Frösche, das Teichhuhn und natürlich die große Euphrat-Schildkröte.

Durch das riesige Bauwerk gehen ihre Nistplätze verloren und sie müssen ihren geliebten matschigen Sumpf verlassen. Es sei denn, Gott selbst sorgt für einen rettenden Blitz …

In eine unbekannte Welt eintauchen − das konnten an zwei Tagen alle Jungen und Mädchen der Lucas-Cranach-Grundschule Kronach. Machte hier doch das mobile Musiktheater des Landestheaters Coburg mit der bunten, klingenden Fabel „BABbel“ für Sopran, Posaune und Schlagzeug aus der Feder von Paula Fünfeck Station.

Das ebenso humorvolle wie ernste Stück über den Verlust des Paradieses und seine Wiederentdeckung in der Musik lehnt sich an die heutzutage aktueller denn je erscheinende bekannte alttestamentarische Geschichte vom Turmbau zu Babel und der babylonischen Sprachverwirrung an.

Großes Erlebnis für junges Publikum

Mit ihrer lyrischen, sehr schön gefärbten und sauber geführten Stimme wie auch ihrer offenen, begeisternden Art fand die wunderbare Mezzosopranistin Emily Lorini gleich einen Zugang zu ihrem aufmerksamen jungen Publikum.

Mehr und mehr ließ sie − feinfühlig und präzise begleitet von Carsten Fuss an der Posaune und Antonio Secchia am Schlagzeug − die Schulturnhalle in den Hintergrund rücken. Versteckte sich doch auf der kleinen Bühne ein ganzes Stück mit Requisiten, Bühnenbild- und Kostümteilen.

Immer wieder wurden die Kinder in die lustig-poetische Geschichte mit einbezogen, indem sie mitsangen, mitmatschten, mitbabbelten, Tier- und Pflanzengeräusche erfanden oder auch geräuschvoll Lehmziegel formten, um so gemeinsam an dem immer größer werdenden Turm zu bauen.

Das mobile Musiktheater „BABbel“.
Das mobile Musiktheater „BABbel“. // Heike Schülein

Doch nicht nur die Tiere hatten etwas gegen den riesigen Bau, sondern Gott höchstpersönlich.

Als er eines Tages merkt, dass ihn ein Menschenturm in den Allerwertesten piekst, wird er wütend und straft die Menschheit mit Mehrsprachigkeit. Der Sprachensalat hindert die einander nicht mehr verstehenden Menschen daran, den Turmbau zu vollenden.

Regenbogenbrücke der Verständigung

Am Ende gab es riesigen Applaus für die insgesamt vier zauberhaften Aufführungen dieses ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Plädoyers, die Natur zu achten, und − gerade in Zeiten wachsender Fremdenangst − alle Menschen mit einzubeziehen und Grundverschiedenes nebeneinander zu akzeptieren.

Mit herrlicher Musik, Sprachwitz und hervorragenden Solisten wurden die Jungen und Mädchen glänzend unterhalten und gleichzeitig in die einzigartige Welt des Musiktheaters eingeführt.

Etwas, das auch Marius Popp sehr am Herzen liegt. Dem Theaterpädagogen und Leiter des Kinderchors am Landestheater Coburg war auch das mehrtägige Gastspiel zu verdanken, pflegte er doch während seiner 20-jährigen Tätigkeit als Dekanatskantor an der Christuskirche Kronach mit der Schule über Jahre hinweg eine sehr enge Verbindung.

Dabei waren viele Jungen und Mädchen Gast in seinen Kinderkonzerten. Umso schöner war nun auch das Wiedersehen.

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