Der Kreiskulturraum war sehr gut gefüllt, als die oberpfälzische Kabarettistin Eva Karl Faltermeier ihr Programm nach Kronach brachte. Nach gut zwei Stunden war klar, warum: Mit trockenem Witz, viel Selbstironie und einer gehörigen Portion Absurdität nahm sie ihr Publikum mit in den ganz normalen Wahnsinn des Alltags.
Eva Karl Faltermeier: Ohne Gnade mit sich selbst
Faltermeier steht dabei zunächst unspektakulär auf der Bühne: Jeans, praktische Gesundheitsschuhe. Markant sind ihre schwarzen Haare mit dem „Pony“, eine Frisur, über die sie selbst jeden Tag wieder enttäuscht sei. Sie vergleicht sich mit einer Playmobil-Frau, die zu lange in der Sonne stand, oder mit Prinz Eisenherz aus einem alten DDR-Film. Schon hier zeigt sich, aus welchem Stoff ihr Humor gestrickt ist: Sie zieht über die Welt her – indem sie vordergründig ohne Gnade mit sich selbst ist.
Gleich zu Beginn schlägt sie die Brücke zu den „tapferen Weibern“ von Kronach. Hier sei sie also genau richtig, meint sie, schließlich richte sich ihr Programm vor allem an Frauen ab der Mitte des Lebens, denen der ewige Altweibersommer bevorsteht. Sie selbst sei 42, habe zwei Kinder, eine Scheidung hinter sich und eine Totaloperation, die sie unvermittelt mitten in die Wechseljahre katapultiert habe. Was sie nicht verwundert, denn: „Überall, wo meine Kinder mehr als zwei Wochen waren, herrscht Chaos.“
Faltermeiers Erzfeinde: Odel und Odelin
Männer sind an diesem Abend ebenfalls willkommen – sie erhalten nämlich wertvolle Aufklärung. Nicht wenige hätten nach der Vorstellung schon festgestellt: „Hätte ich das vor acht Jahren gewusst, hätte ich mein Haus noch.“
Bevölkert wird ihr Programm von einer ganzen Galerie schräger Figuren aus der Oberpfalz: ihrem Erzfeind Odel, einem machohaften Grobian, und dessen Frau Odelin, eine prototypische „Tradwife“, deren Lebensaufgabe darin besteht, Mann und Kindern ein perfektes Zuhause zu bereiten. Oder die Cousine Rosacea mit ihren politisch unkorrekten Temperamentsausbrüchen. Und da ist die Mutter, so traditionell und konservativ, dass sie sich dem gesamten Gender-Diskurs schlicht entzieht: Für sie sei sie nicht „die Mama“, sondern „der Mammer“, den sie konsequent den ganzen Abend maskulin gendert – Zeitgeist auf oberpfälzische Art.
Eva Karl Faltermeier legt kleine erzählerische Köder
Der rote Faden des Abends ist die legendäre Viertagesfahrt der Kinder. Schon Wochen vorher stehen Eltern Schlange vor dem Rathaus, um einen der begehrten Plätze zu ergattern – das gesellschaftliche Highlight im Dorf. Hier werden Pachtverträge geschlossen, Verlobungen angebahnt und Scheidungen eingeleitet.
Und warum der Aufwand? Weil „es einfach schön ist, wenn sie nicht da sind“, sagt Faltermeier trocken. Von dort aus spinnt sie ihre Geschichten immer weiter, legt kleine erzählerische Köder aus – und wenn die Wendungen ihrer scheinbar wild assoziierenden Gedankenströme zu steil werden, heißt es schlicht: „Zurück in die Warteschlange.“
Tinder auf oberpfälzisch
Der größte Wahnsinn ihrer Geschichten offenbart sich meist in Nebensätzen oder in einem zusätzlichen Twist zur eigentlichen Pointe: das von der Oma geerbte Canapée, das immer in der Küche stand – ein sehr kleines Brot mit einer Scheibe Bierwurst. Oder ihre größte Lebensangst: nachts in einem dunklen Wald ohne Handyempfang mit einer monströsen Wildsau zu kollidieren – um dann auch noch einem Axtmörder zu begegnen.
Gesellschaftliche Trends beobachtet sie genau. Tradwives in heilen Instagram-Welten in gedeckten Beige-Tönen, Lifestyle-Ökos auf Lasten-E-Bikes. Tindern auf oberpfälzisch? Wegen des fehlenden Handyempfangs natürlich analog – mithilfe von rosa Flirt-Einkaufskörben im Edeka. Ein Blick in den Korb gibt Aufschluss über den Lebensstil.
Faltermeiers Blick auf gesellschaftliche Absurditäten
Doch zurück zur Warteschlange: Dort schließt sich am Ende auch der Kreis der Geschichte. Nachdem sie die letzten beiden Plätze für ihre Kinder ergattert hat, gibt sie sie ausgerechnet an ihren Erzfeind Odel weiter. Denn am Ende sei es eigentlich egal, ob Erwachsene sich mögen, so Faltermeier. Wichtig sei nur eines: dass es den Kindern gut geht.
Mit dieser Mischung aus Selbstironie, scharfem Blick auf gesellschaftliche Absurditäten und überraschend viel Herz erntete Eva Karl Faltermeier am Ende begeisterten Applaus im Kreiskulturraum.
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