Die Vorfreude war groß und der Abend überwältigend: Das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr befindet sich derzeit auf Konzerttournee. Insgesamt neun Wohltätigkeitskonzerte und Workshops führen das Orchester durch mehrere Bundesländer von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, darunter bereits zum dritten Mal nach Kronach. Zu verdanken hatten die erneut weit über 500 Besucher den Augen- und Ohrenschmaus dem Musikverein Neukenroth, der die musikalischen Botschafter der Bundeswehr für ein Benefizkonzert zugunsten seiner Jugendarbeit gewinnen konnte.
Innerhalb von vier Jahren werden die jungen Musikerinnen und Musiker in der zentralen militärmusikalischen Ausbildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte in Hilden in enger Kooperation mit der Robert-Schumann-Hochschule für Musik Düsseldorf zu professionellen Orchestermusikern ausgebildet. Das Konzertprogramm spiegelt die Ausbildungsinhalte wider und bietet ein breites Spektrum eines symphonischen Blasorchesters.
Solisten stehen im Fokus
Fast 80 Studierende in ihren schmucken Uniformen erfüllten auch in diesem Jahr mit ihren glänzenden Holz- und Blechblasinstrumenten sowie Schlagwerk und Kontrabass den Kreiskulturraum mit hochwertiger Musik, ließen Bilder und Geschichten im Kopf entstehen, dargestellt ohne Worte, nur durch Melodien und Töne.
Das diesjährige Konzertprogramm bot den Akteuren, allesamt brillante Könner auf ihren Instrumenten, ein ums andere Mal die Möglichkeit, sich solistisch auszuzeichnen. Dementsprechend viel Dynamik war auf der Bühne, weswegen der Chefdirigent, Oberstleutnant Michael Euler sein Orchester mit einer Eishockey-Mannschaft verglich, „die fliegend durchwechselt“.
Saxophonquartette führen in der Musiklandschaft ein Nischendasein, obwohl sie so viel mehr Beachtung verdienten. Mit feuriger Energie und leidenschaftlicher Spielfreude schufen Katja Fechtner, Kiara-Joy Molitor, Pascal Alleman und Theresa Oing beim dritten Satz des leider nur sehr selten dargebotenen „Concerto for Saxophone Quartet and Wind Ensemble“ eine beeindruckende und mitreißende Klangvielfalt, die von samtig weichen Klängen bis hin zu einer imposanten orchestralen Fülle reichte.
„Carmen Fantasie“ von François Borne ist ein effektvolles Potpourri der bekanntesten Themen aus der gleichnamigen Bizet-Oper. Bei dem virtuosen Juwel für Flöte konnte das Publikum die herausragende Atemtechnik von Maxi Richter bewundern. Die exzellente Musikerin entlockte ihrem Instrument ein nuancenreiches, melodisches und rhythmisches Leben mit Läufen von atemberaubender Geschwindigkeit. Dennoch entfalteten sich die Töne vollendet leicht, nie atemlos oder hektisch, sondern wohltönend und fein moduliert.
Wortwörtlich ganz großes Kino war der Auftritt von Nick Birkner, Christoph Paxian und Ruwen Wesener. Zur Musik „Il Triello“ aus dem Film „Zwei glorreiche Halunken“ verkleideten sich die Solisten als Mexikaner. Mit Trompete, Poncho und Hut stellten sich die drei Oberfeldwebel dem Triell und ersetzten locker die Pistolenschützen im Italowestern zur Musik von Ennio Morricone.
Rhythmisch präzise schuf das Orchester unter schwungvoll-nuancierter Leitung des Chefdirigenten den klanglichen Grund, auf dem sich das Spiel der großartigen Solisten vollends entfalten konnte.
Das Zentrum in Hilden bildet aber nicht nur Musiker, sondern auch Nachwuchsdirigenten aus. Zu ihnen gehört David Waldeyer im Range eines Oberfähnrichs, der beim zauberhaften musikalischen Bild einer jungen Liebe im Frühling („The Hounds of Spring“) gekonnt den Taktstock übernahm.
Natürlich war an dem Abend auch traditionelle Marschmusik zu hören – so eingangs mit Pauken und Fanfaren der Givenchy-Marsch als auch „Viribus unitis“, der Schönfeld-Marsch, „Hoch Heidecksburg“ sowie der „Blaue Enzian“, zu denen das Publikum gerne auch im Takt mitklatschte.
Abgerundet wurde die sehr gelungene und abwechslungsreiche Mischung symphonischer Blasmusik durch die Akademische Fest-Ouvertüre von Johannes Brahms und die Zusammenstellung „Sounds von Ireland“ von Guido Rennert - ein hochanspruchsvolles Stück des Profiklarinettisten und Komponisten des Musikkorps der Bundeswehr mit traumhaften Solopassagen vieler Register.
Insbesondere das „stepp-tanzende“ Schlagzeug sorgte dafür, dass es am Ende niemanden mehr auf den Plätzen hielt und sich das Publikum zu Standing Ovations erhob. Das rasante Meisterwerk widmete Professor Euler dem Cheforganisator des Ausbildungsmusikkorps, Oberstabsfeldwebel Andreas Hänell, der demnächst in den Ruhestand treten wird.
Belohnt für den langanhaltenden Beifall wurden die Besucher mit dem Radetzky-Marsch, bevor der Abend mit der Deutschen Nationalhymne seinen Abschluss fand.
Roman Steiger, Dirigent des Musikvereins Neukenroth, dankte für den hochkarätigen Musikgenuss und allen Helfern und Unterstützern, die diesen erst ermöglichten. Am Ende waren sich alle einig: Dieses Konzert muss im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder stattfinden.













