„Wir alle kennen in unserem Leben Marken. Und diese Marken haben alle ein Markenzeichen“, erklärte Stadtpfarrer Albert Müller bei der Kronacher Fronleichnamsprozession. Er deutete in seiner eindrücklichen Predigt am ersten Altar die geweihte Hostie als ein zentrales Markenzeichen des katholischen Glaubens. Mit jeder Marke sei ein bestimmtes Image verbunden. Auch Religionen hätten Zeichen, an denen man sie sofort erkenne - Markenzeichen sozusagen; einen Halbmond oder den Davidstern zum Beispiel sowie das Kreuz als Markenzeichen für das Christentum. Auch die Feier der Eucharistie sei in gewisser Weise ein Markenzeichen. Die Hostie, das verwandelte Brot, repräsentiere dabei nicht nur im theologischen Sinn Jesus Christus und seine Lebenseinstellung, sondern werbe für seinen Lebensstil.
Prozession in Kronach: Hostie in der Monstranz weist den Weg
Am Fronleichnamstag gingen die Katholiken mit ihrem Allerheiligsten auf die Straße, um Jesus und seine Lebensweise öffentlich zu zeigen. Sein Markenzeichen, das gewandelte Brot, stehe für seine Hingabe an die Menschen. Das gesegnete Brot - die Hostie in der Monstranz - demonstriere, was wir in das Miteinander der Menschheit einbringen wollen. „Nicht Waffen und Kriege werden den Menschen dauerhaften Frieden bringen, nicht die Konkurrenz der besten Produkte auf dem Weltmarkt wird ihnen Zufriedenheit bescheren, nicht Wohlstand ein erfülltes Leben bereiten, nicht Wissen ihre Probleme lösen, sondern nur, was die Seele speist“, ist Müller überzeugt.
Zahlreiche Gläubige wollten dann auch dabei sein, als der Domkapitular bei angenehmen Temperaturen die prachtvolle Sonnenmonstranz durch die Straßen trug. Der Weg führte alle Teilnehmer, darunter abermals viele Vereine mit Fahnen-Abordnungen, Kommunionkinder, Firmlinge, Feuerwehr und Polizei, Bürgermeisterin Angela Hofmann mit ihrem Stadtrat sowie evangelische Mitchristen beginnend am Melchior-Otto-Platz zunächst über die Amtsgerichtsstraße zum Rathausplatz, wo die Eucharistie-Feier stattfand.
Die Prozession erstreckte sich über die Lucas-Cranach-Straße, den Strauer Torweg und die Strauer Straße über die Johann-Nikolaus-Zitter-Straße, den Marienplatz und die Schwedenstraße bis zum Bamberger Tor und zurück zum Melchior-Otto-Platz, bevor die Zeremonie in der Stadtpfarrkirche mit dem Zurückbringen der Monstranz ihren innigen Abschluss fand. An vier liebevoll geschmückten Altären erteilte der Stadtpfarrer den Segen mit der Monstranz und dem Allerheiligsten. Der Prozessionsweg war zuvor von den Anwohnern beziehungsweise der Stadtverwaltung mit Fahnen und Blumenschmuck ausgestaltet worden. An den Fenstern oder auch vor den Häusern sah man zudem viele Kerzen und weitere sakrale Motive.
Ökumene setzt in Kronach ein Zeichen
Im Zeichen der Ökumene stand der zweite, neben der Christuskirche aufgebaute Altar. Unter der Überschrift „Unterwegs mit einer Verheißung“ wurde dabei für die Stadt Kronach und alle ihre Bewohner gebetet. Die Jungen und Mädchen des katholischen integrativen Kreuzberg-Kindergartens Kronach gestalteten den dritten Altar auf dem Marienplatz. Das Motto „Gottes Liebe ist so wunderbar“ griffen sie in innigen Gedanken und Fürbitten sowie fröhlichen Liedern auf, in die alle Anwesenden, darunter auch die auf dem Weg zum zweiten Altar dazugestoßenen Kinder vom katholischen Rosenberg-Kindergarten, gerne einstimmten. Schöne Bilder ergaben sich, als die Kinder verrieten, was ihnen das Herz aufgehen lässt, und sie dazu symbolisch rote Herz-Luftballons in den Himmel steigen ließen.
Der Sachausschuss „Mittendrin“ des Pfarrgemeinderates Kronach befasste sich am vierten Altar mit dem Thema Glauben, der leider immer mehr in den Hintergrund gerate. Der Altar - überschrieben mit „Unser Glaube - absurd!!!“ - lud dazu ein, auf sich selbst zu schauen und sich mit dem eigenen Ich zu befassen: Wonach richte ich mein Leben aus? Welche Bedeutung hat dabei der Glaube?
Die Prozession wurde vom Jugendorchester Kronach musikalisch begleitet. Die Musikerinnen und Musiker hatten auch für den „Weckruf“ am Donnerstagmorgen gesorgt sowie am Mittwochabend in Fronleichnam „hineingespielt“.














































