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Bandklasse in Kronach
Schon zehn Jahre „Musizierendes Klassenzimmer“
Seit Schuljahresbeginn hat sich an der Kronacher Mittelschule die neue Bandklasse der Ganztagesklasse 5aG zusammengefunden.
Seit Schuljahresbeginn hat sich an der Kronacher Mittelschule die neue Bandklasse der Ganztagesklasse 5aG zusammengefunden. // Heike Schülein
Signet des Fränkischen Tags von Heike Schülein
Kronach – Seit zehn Jahren können Musiktalente an der Gottfried-Neukam-Schule in zwei aufeinanderfolgenden Bandklassen ein Instrument erlernen. Auch im Jubiläumsjahr ist der Zuspruch ungebrochen groß.

Kronach„Das Schlagzeug beginnt: 1, 2, 3, 4!“, gibt Julia Bauer das Kommando. Sogleich setzt im Musiksaal der Gottfried-Neukam-Schule die Musik ein: Die Instrumente erklingen und die fünf Sängerinnen der Bandklasse schmettern „Hier kommt die Klasse, die ihr alle liebt!“ in die Mikrophone. Der die Klassengemeinschaft heraufbeschwörende Rap könnte symbolisch stehen für Bandklasse der 5aG.

„Durch die Unterstützung des Förderprogramms „klasse.im.puls“ der Universität Erlangen-Nürnberg und die großzügige Spende über 4.000 Euro der Sparkasse für die Anschaffung von Band-Instrumenten konnten wir im Schuljahr 2013/2014 die erste Bandklasse an unserer Schule einrichten“, zeigt sich die Leiterin Julia Bauer dankbar. Seitdem bietet die Schule den Kindern die Möglichkeit, in einer Musikklasse ein Instrument zu erlernen und im Klassenensemble gemeinsam zu musizieren.

„Unsere Bandklassen laufen sehr gut“, freut sich die Musiklehrerin über das jeweils auf zwei Jahre angelegte Projekt. Aktuell sind dies die „Crazy Kids“ der sechsten Jahrgangsstufe, während die 25 Teilnehmer der neuen Bandklasse noch auf Namenssuche sind. In der fünften Klasse haben die Schüler wöchentlich zwei Stunden Musik. In dieser Zeit erlernen sie die Grundlagen an ihrem selbst gewählten Instrument und das Zusammenspiel in der Band; die Sänger erhalten Stimmbildung. In der sechsten Klasse wird die Anzahl der Musikstunden pro Woche auf vier erhöht. Dadurch wird das Zusammenspiel intensiviert und die wichtigsten Grundlagen aus der Musiktheorie erarbeitet.

Auftritte auch außerhalb der Schule

In der fünften Jahrgangsstufe ist die Anzahl der erlernten Lieder eher begrenzt, bevor man sich dann ab der sechsten Klasse insbesondere auch deutschen Hits aus den Charts zuwendet. Bei Auftritten in und außerhalb der Schule – wie beim Schulfest, Fasching oder bei der Abschlussfeier – sammeln die Bandmitglieder erste Bühnenerfahrungen und dürfen ihr Können unter Beweis stellen, so die Bandklasse 5aG bei den Weihnachtsabenden der Schule oder die Bandklasse der sechsten Klasse beim kürzlich abgehaltenen Baustellenfest. Ab der siebten Jahrgangsstufe können die Musiktalente, die weitermachen möchten, in die Schulband „No Names“ eintreten. „Wir werden gut ausgestattet“, zeigt sich die Fachlehrerin Musik dem Förderverein und dem Schulverband gegenüber sehr dankbar. Der Förderverein finanziert beispielsweise alljährlich neue T-Shirts für die Bandklasse.

Zwangspause wegen Corona

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Bandklassen-Projekt ein Jahr pausieren; bevor im vergangenen Schuljahr wieder mit einer fünften Klasse durchgestartet werden konnte. Diese – im wahrsten Sinne des Wortes – „ausgezeichnete“ Musikförderung wurde im Schuljahr 2014/15 mit der Zertifizierung durch das Projekt „klasse.im.puls“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bei einem Festakts in der Mittelschule Taufkirchen belohnt. Das Projekt des Kultusministeriums unterstützt bayernweit Musikklassen an Mittel- und Realschulen. Die Schüler können – unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern – ein Instrument lernen und in der Klasse musizieren.

Musik steigert Konzentrationsvermögen

„Natürlich ist das viel Arbeit. Aber es macht auch riesigen Spaß!“, erklärt Julia Bauer. Auch die Musiktalente seien voller Begeisterung dabei und sehr wissbegierig. Wenn sie vor Publikum aufträten und Applaus bekämen, seien das für sie richtige Erfolgserlebnisse. Diese wiederum stärkten das Gemeinschaftsgefühl und Selbstbewusstsein – gerade auch von Schülern, die in anderen Fächern nicht unbedingt zu den Besten zählten. Zudem erwürben diesen in den Bandklassen auch Schlüsselqualifikationen wie Ausdauer, Konzentrations- und Einfühlungsvermögen. Dies kann Rektor Roland Härtel nur unterstreichen, der die Bandklassen als große Bereicherung des Schullebens erachtet – echte Aushängeschilder, die viele Veranstaltungen im Schuljahr umrahmten. Gemeinsames Musizieren trainiere die soziale Kompetenz, erleichtere die Integration und stärke das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Die musikalischen Erfolge wirkten sich wiederum positiv auf die schulischen Leistungen aus. Daher werde das so erfolgreiche Projekt natürlich auch in Zukunft weitergeführt.

Das nächste Ziel ist schon gesteckt. Wie im vergangenen Jahr möchte die Schule wieder beim großen bayerischen Bandklassen-Festival dabei sein; dieses Mal dann aber mit beiden Bandklassen.

Förderprogramm „klasse.im.puls“

Das musikpädagogische Förderprogramm unterstützt die Einrichtung von Musikklassen an bayerischen Mittel- und Realschulen. Es wurde 2009 auf Initiative der Professur Musikpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gegründet. Unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus und mit finanzieller Unterstützung  durch den Bayerischen Sparkassenverband stellt „klasse.im.puls“ das aktive Musikmachen in den Mittelpunkt des Musikunterrichts der Sekundarstufe I. Im aktuellen Schuljahr blasen, singen, rocken und swingen in über 600 Musikklassen an 264 Mittel- und Realschulen mehr als 12.000 Schüler. Rund 750.000 Euro Fördergelder sind zur Einrichtung von Musikklassen geflossen, 60.000 Euro Spendengelder wurden für das Großprojekte akquiriert. 

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