Es ist vielen gar nicht mehr bekannt: Von 1935 bis 1945 gab es in Mitwitz ein richtiges Schwimmbad - das „Steinachtalbad“. Einzig übrig geblieben sind davon ein zwei Meter mal 50 Zentimeter großes Schild - und die Erinnerungen der Älteren.
Edith Memmel dachte kürzlich wegen der Aktion „Main FlussFilmFest“ an diese Zeit. Sie holte daraufhin die entscheidenden Wegbegleiter an Bord. Altlandrat Heinz Köhler, Altbürgermeister Hans-Peter Laschka und Walter Schmidtbauer erzählten von dieser Zeit. Aber auch einige des Seniorentreffs der Mitwitzer Diakonie wussten einiges beizutragen.
Der Weg der Steinach führt über die Rodach in den Main
„Es gibt so viel zu diesem Main-Fluss zu sagen“, stellte Edith Memmel fest. In Mitwitz fließt die Steinach über die Rodach auch in den Main. In diesem Zusammenhang hat sie alte Bücher studiert und voller Begeisterung erkannt, dass es dort auch einmal ein Schwimmbad gegeben hat. Darüber musste nun gesprochen werden. „Die alten Erinnerungen dürfen nicht verloren gehen“, betonte Memmel.
„Das Bad wurde am 20. Juli 1935 eingeweiht“, erinnerte sich Heinz Köhler. Seit 1928 gab es an gleicher Stelle ein Badehaus. Das Bad wurde ab 1934 gebaut, wohl im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. „Es war ein sehr schönes Bad“, bestätigten ihm etliche Bilder, die er einst weitergegeben habe und die dann abhandengekommen seien. Er selbst ist 1942 geboren worden und erlebte das Bad nicht mehr bewusst. Eine seiner ersten Erinnerungen ist die an einen Sprungturm.
Ein Buch zeigt dem Sprungturm in Mitwitz
Im Buch von Karl Heinz Schindhelm ist ein Bild dieses Sprungturms zu sehen, den dessen Onkel Christian Schindhelm mit erbaut hat. Das Foto zeigt diesen bei einem Sprung von Turm. Später hat Karl Heinz Schindhelm selbst erlebt, wie das Holz aus diesem Bereich von amerikanischen Soldaten als Brennmaterial verwendet worden ist.
Später ist noch in der Steinach gebadet worden. „Da habe ich das Schwimmen gelernt“, blickte er zurück. Daneben sind noch die Ruinen der Umkleidekabinen zu sehen gewesen, die bis 1950 gestanden haben. In den 50er Jahren wurde noch einmal der Versuch gemacht, das Bad wiederzubeleben. Max Weiß und Siegfried Kramer haben mit anderen die Büsche herausgerissen, aber es wurde nichts mehr daraus.
Ein Schild als letzte Erinnerung an das frühere Schwimmbad
Hans-Peter Laschka bekam irgendwann bei einem Geburtstagsbesuch ein Schild angeboten: die letzte Erinnerung an das ehemalige Bad. Es war das Schild, das heute im Rathaus hängt. Es stand früher vor dem Wasserschloss Mitwitz, dort wo heute das Osterhaus und die Weihnachtskrippe stehen. Auch er hat davon gehört, dass sich die Amerikaner und Einheimische mit dem Holz der Umkleidekabinen Feuer gemacht hatten. Später berichteten beide, wie die Badezeit in der Steinach und auch in der Föritz zu Ende gegangen ist.
Heinz Köhler hatte ihr Schwimmen in dem Flusswasser beendet, als sie ein totes Schwein neben sich auftauchen gesehen haben. In den 60er Jahren seien sogar tote Ferkel und anderer Müll im Wasser über die Zonengrenze herübergetrieben, meinte Hans-Peter Laschka. Hinter Sonneberg war nämlich eine Müllhalde angelegt worden.
Für Pfennigbeträge in die Nachbarbäder nach Sonnefeld und Neustadt gefahren
Die Mitwitzer seien in der Folgezeit für 20 Pfennig in das näher gelegene Sonnefelder Schwimmbad gefahren, erinnerte sich Walter Schmidtbauer. Wer etwas mehr Geld gehabt habe, sei etwas weiter nach Neustadt gefahren, wo man für 40 Pfennige ins Wasser gekommen sei. Zum Vergleich: Damals hat man für ein Kilo Heidelbeeren neun Pfennig gezahlt.
Heinz Köhler griff dann noch auf ein altes Buch zurück. Demnach ist das Bad nach dem Krieg in kürzester Zeit in den Öfen frierender Familien regelrecht verheizt worden, bis nur noch ein großes Erdloch neben der Steinach übrig geblieben war. Dieses Loch wuchs auch schnell zu, und kein Fremder wäre auf die Idee gekommen, dass dort einmal ein schönes Bad existiert hat, mit Sprungturm und zwei Schwimmbecken, mit großzügigen Umkleidekabinen und idyllischer Liegewiese. Eine schöne Erinnerung.















