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Energie
Die ganze Bandbreite ausschöpfen
Die Debatte um erneuerbare Energien wird im Landkreis noch anhalten.
Die Debatte um erneuerbare Energien wird im Landkreis noch anhalten. // Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Kronach – In der jüngsten Sitzung des Kronacher Gremiums ist eine umfangreiche Energiedebatte geführt worden. Dabei im Fokus: Erneuerbare Energien.

Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern hat es in die richtigen Worte gefasst: „Die Tagesordnung des Kreistages kreist um die gesamte Bandbreite des Themas Energie.“ Auf der Agenda der Versammlung standen unter anderem das integrierte Klimaschutzkonzept des Landkreises und die Berufung eines Arbeitskreises „Klimaschutz“ mit Mitgliedern aus Kreispolitik und Verwaltung.

Das Klimaschutzkonzept sei ein umfangreicher Katalog an Maßnahmen, die es nun umzusetzen gelte, meinte Ruckdeschel. Zuerst ernüchterte er allerdings die Kreisräte mit der Aussage: „Der Energieverbrauch im Landkreis liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.“ Das liege natürlich vor allem auch an den energieintensiven Unternehmen in der Region. Herausforderungen stellten sich allerdings nicht nur für die Betriebe, sondern auch im Bereich des Verkehrs und der Privathaushalte. Auf der einen Seite gebe es zwar noch Einsparpotenziale, auf der anderen Seite müsse man aber auf jeden Fall erneuerbare Energien nach vorne bringen.

Potenziale am Rennsteig

Viel passieren müsse zum Beispiel bei der Nah- und Fernwärme, und Heizöl müsse ganz vom Markt verschwinden. Ruckdeschel: „Es ist die drängendste Aufgabe der nächsten Jahrzehnte, erneuerbare Energien auszubauen.“ Ganze 82 Prozent der Energie kämen derzeit noch aus konventionellen Quellen; genau hier müsse man an den geeigneten Stellschrauben drehen.

Und er zog auch gleich ein paar geeignete Maßnahmen aus der Tasche, wie zum Beispiel: „Photovoltaikanlagen auf Dächern und auf Freiflächen.“ Doch Ruckdeschel gestand auch ein, dass das „ungenutzte Potenzial“ von 97,5 Prozent nur eine Milchmädchenrechnung sei, da diese Zahl nur die Theorie, aber nicht die Praxis widerspiegele. Den Höhenlagen des Frankenwalds bescheinigte er in puncto Windkraftanlagen sehr gute und ertragreiche Standorte und selbst in niedrigeren Lagen sei die Ausbeute an Windkraft noch beachtlich. „Schon mit 50 Anlagen neuerer Bauart könnten etwa 50 Prozent des künftigen Bedarfs gedeckt werden.“ Dem Windparkprojekt am Rennsteig bescheinigte er in diesem Zusammenhang zusätzliches Potenzial.

Regionale Wertschöpfung

Seine Empfehlung Richtung Klimaschutz und erneuerbare Energien im Landkreis: „Wir müssen gucken, welches Paar Schuhe aus dem Klimakonzept passt? Außerdem muss das Thema strukturiert angegangen werden, weil es in der kommunalen Gestaltungshoheit liegt.“ Sein Rat an alle Anwesenden: „Denken sie an dieser Stelle groß und regional.“ Außerdem müsse man sich um die regionale Wertschöpfung kümmern, was zum Beispiel beim Brennstoff Holz der Fall sei.

Die anschließende Diskussion fasste Jonas Geissler (CSU) so zusammen: „Wir sollten im Landkreis Kronach das machen, was uns vernünftig erscheint. Das ist gesunder Menschenverstand. Wir sollten uns richtig und falsch nicht von anderen aufdrücken lassen.“

Die Beschlussfassung zu beiden Tagesordnungspunkten verlief einstimmig. Die Mitglieder des Arbeitskreises setzen sich unter anderem aus jeweils einem Mitglied einer jeden Fraktion zusammen.

Hohes Beratungsaufkommen

Die Energie zog sich auch bis hin zum nächsten Punkt auf der Agenda. Hierbei ging es um die Klimaschutzberatung für Privathaushalte und die damit einhergehende Neustrukturierung des Beratungsangebotes. Als Redner stand Wolfgang Böhm, der Geschäftsführer der Energieagentur Oberfranken am Pult. Seine Zusammenfassung: „Wir werden erschlagen von Anrufen.“

Die Energieagentur, die als Klimaschutzberater für Bürger des Landkreises fungiere, platze aus allen Nähten. Deshalb könne man das Beratungsgeschäft momentan nur telefonisch abwickeln und die Einschätzungen nicht mehr vor Ort abgeben. Böhm, der ein „maßgeschneidertes Projekte“ versprach, gab zu, dass man sowohl an finanzielle als auch an personelle Grenzen gestoßen sei („Wir als Verein sind ein Stück weit auf öffentliche Mittel angewiesen“). Das hohe Beratungsaufkommen (zehn bis 20 Anrufe pro Tag) sei kaum noch zu stemmen. Dennoch versuche man, den Bürger abzuholen, versicherte er. In der entsprechenden Sitzungsvorlage heißt es: „Vor diesem Hintergrund möchte die Energieagentur das Beratungsangebot umstrukturieren und der aktuellen Nachfrage anpassen. Außerdem soll das Angebot auf ganz Oberfranken ausgedehnt werden.“ Dies kostet zusätzliche Mittel, und die bewilligte das Gremium einstimmig. Jährlich 20.000 Euro fließen künftig aus der Kasse des Landkreises in die Kasse der Energieagentur.

Bürger unterstützen

Der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen auf Erstellung eines „Solarpotenzialkatasters“ rief die unterschiedlichsten Reaktionen der Kreisräte hervor. Die Diskussion um Sinn und Sinnhaftigkeit eines solchen Katasters spaltete die Räte. Der Antrag wurde auf Bitten von Landrat Klaus Löffler (CSU) an den neuen Arbeitskreis „Klimaschutz“ weitergereicht und soll dort zeitnah bearbeitet werden. In diesem Antrag geht es um die Unterstützung der Bürger bei der Entscheidungsfindung für den Ausbau des Photovoltaikpotenzials. Deshalb solle man über die Homepage des Landkreises ein „Solarpotenzialkataster“ zur Verfügung stellen. Es handelt sich dabei um interaktive Kartenwerke, auf denen jedes Gebäude einer Kommune verzeichnet ist. Bürger könnten daraus ersehen, ob das Dach ihres Hauses für eine PV-Anlage geeignet ist. Grund für den Antrag seien steigende Energiepreise und ein fortschreitender Klimawandel, weshalb die dezentrale Energieversorgung an Bedeutung gewinne.

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