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Bund Naturschutz bittet um Hilfe
Wildkatzen in Kronach – Suchaktion startet
Eine Wildkatze reibt sich an einem  Lockstock und hinterlässt  Haare. Diese sind wertvolle Hinweise, um die Tiere nachzuweisen.
Eine Wildkatze reibt sich an einem Lockstock und hinterlässt Haare. Diese sind wertvolle Hinweise, um die Tiere nachzuweisen. // Helmut Weller
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Kronach – Die Paarungszeit lockt Wildkatzen in Kronach hervor. Nun werden Helfer gesucht, um Schutz und Monitoring zu unterstützen. Das sind die Gründe für den Einsatz.
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Der Winter ist  für Wildkatzen die spannendste Zeit des Jahres – und für den Bund  Naturschutz (BN) beginnt die  Spurensuche. Kurz nach der Jahreswende ist Paarungszeit der Europäischen Wildkatze. Zwischen Ende Januar und März sind die scheuen Tiere deswegen besonders aktiv – das ist also die beste Zeit, um ihnen auf die Schliche zu kommen. 

Bund Naturschutz sucht in Kronach nach Wildkatzen

Jetzt  sucht der BN erstmals nach zehn Jahren wieder im Landkreis Kronach mit der sogenannten Lockstockmonitoring-Methode nach der Wildkatze. Der BN sucht deshalb noch freiwillige Helfer dafür. Dabei werden in ausgewählten Waldgebieten mit Baldrian präparierte Holzlatten, die Lockstöcke, aufgestellt. Reiben sich die liebestollen Wildkatzen daran, bleiben Haare an dem rauen Holz hängen, die anschließend genetisch untersucht werden. So lässt sich feststellen, wo die Tiere leben und welche Wanderungen sie unternehmen. 

Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für den Schutz und die Vernetzung ihrer Lebensräume. „Das Lockstockmonitoring ist ein Beispiel für erfolgreiche Citizen-Science“, erklärt Anke Camphausen, Projektkoordinatorin beim BN. „Viele helfende Hände leisten einen wertvollen Beitrag dazu, die Rückkehr der Wildkatze wissenschaftlich zu begleiten und unserer heimlichen Waldbewohnerin eine Stimme zu geben.“

Vorkommen von Wildkatzen im Kreis Kronach ist nachgewiesen

Das Vorkommen der Wildkatze wurde im Raum Kronach durch vergangene Lockstock-Untersuchungen bereits erfolgreich nachgewiesen. In der Zwischenzeit hat sich der Wald stellenweise stark verändert und es ist bislang nicht bekannt, ob die Wildkatze die durch Borkenkäferbefall entstandenen Offenflächen nutzt. Um diese und weitere aktuelle Fragen rund um die Wildkatze zu beantworten, werden wieder outdoor- und naturschutzbegeisterte Helfer gesucht.

Für das Monitoring sind Ausdauer und Naturverbundenheit gefragt: Einmal pro Woche von Ende Januar bis Anfang April kontrollieren die Freiwilligen die Lockstöcke. Das findet oft bei frostigen Temperaturen und manchmal im Schnee statt.

Die gesammelten Daten fließen in naturschutzfachliche Planungen ein, zum Beispiel in das vom BN durchgeführte Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“, das bundesweit im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministerium und in Bayern auch vom Bayerischen Naturschutz-Fonds gefördert wird. Ziel des Projekts ist es, Wälder ökologisch aufzuwerten und so die Lebensräume der Wildkatze wiederherzustellen und besser zu vernetzen.

Bund Naturschutz lädt zu Infoveranstaltung in Fröschbrunna ein

Wer Interesse hat am  Lockstockmonitoring hat, ist  eingeladen am Samstag,  10. Januar, um 14 Uhr zur Einführungsveranstaltung in der  Gaststätte Fröschbrunna (Fröschbrunn 3, Kronach). Dort gibt es nicht nur Informationen zum fachlichen Hintergrund rund um den Wildkatzenschutz und das Lockstockmonitoring, sondern neben praktischen Tipps zum Aufstellen und Kontrollieren der Lockstöcke auch alle benötigten Materialien für die Aktion.  Um vorherige Anmeldung wird gebeten unter wildkatze@bund-naturschutz.de.

Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. 

Europäische Wildkatze lebt zurückgezogen

Den bayerischen Projektteil unterstützt zudem der Bayerische Naturschutz-Fonds.  Das Projekt setzen der BN-Bundesverband, die BN-Jugend und die BN-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in großen, zusammenhängenden strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern. 
Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute nur noch etwa 6000 bis 8000 Tiere überwiegend in Mittel- und Süddeutschland. 

In Bayern schätzt man den Bestand auf 700 bis 800 Tiere. Die Wildkatze steht stellvertretend für viele andere Waldtierarten. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen auch für viele andere Arten wie Luchs, Bechsteinfledermaus oder Mittelspecht optimal.

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