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Nach Tierrettung in Kronach
Geretteter Hund hilft schon bald Menschen in Not
Winnie
Marina Pompe mit ihren drei Lieblingen (v. l.) Lola, Winnie und Maiga beim Kuscheln. // Foto: Marco Meißner
Kronach – Vom Animal Hoarding zur tiergestützten Therapie: Winnies Geschichte ist eine bemerkenswerte Wandlung. Was in einem Jahr aus dem Kronacher Hündchen geworden ist.

Der kleine "Winnie" kommt noch etwas schüchtern auf mich zu, als ich durch die Wohnungstür gehe. Während seine beiden Hundekameraden mich schon begeistert beschnüffeln und als gerne geduldeten Hundemenschen begrüßen, dauert es bei dem kleinen Teacup-Pudel noch einen Moment. Dann pirscht er sich zwischen den beiden größeren Vierbeinern hindurch, bis er seine feuchte Stupsnase an meine Finger drückt. Das ist ein riesiger Fortschritt.

Winnie war im Frühjahr nämlich aus einem Animal-Hoarding-Haushalt (Tiersammelsucht; Anm. d. Red.) gerettet und zunächst ins Kronacher Tierheim gebracht worden. Über 200 Hunde, Katzen und Hamster waren damals in einem Haus im Landkreis Kronach vorgefunden und vom Tierschutz übernommen worden. Den Tieren fehlte es an Pflege, an Versorgung und an echter Zuneigung.

Kronacherin Marina Pompe hat Winnie gleich ins Herz geschlossen

Im Tierheim hat ihn Marina Pompe entdeckt. Im Juni 2025 durfte ich Winnie erstmals bei ihr zu Hause besuchen. Damals war der Kleine noch richtig schüchtern gegenüber dem fremden Besucher. Jetzt taut er immer mehr auf. Sogar ein kleines, freches Bellen ist drin, als ich auch noch ein Foto von ihm auf Frauchens Schoß machen will. Schließlich ist er ja jetzt der kleine Herr im Haus.


Die hier verlinkten Artikel geben Einblick in Winnies Vorgeschichte:

Abgesehen von dieser Momentaufnahme, wie hat sich der Teacup-Pudel in seinem ersten halben Jahr in der neuen Umgebung entwickelt. "Am Anfang war er wie ein Welpe", erinnert sich die Kronacherin Marina Pompe. Sie schränkt aber umgehend ein: "Wie ein braver Welpe!" Winnie habe schnell gelernt, an der Leine Gassi zu gehen und habe längst einen Riesenspaß an den Spaziergängen. Er sei auch stubenrein.

Seine beiden deutlich älteren Mitbewohner-Hunde "Maiga" und "Lola" haben da ihre Pfoten mit im Spiel gehabt. "Die beiden haben ihn schon mit erzogen", sagt Jörg Pompe, der Ehemann der dreifachen Hundehalterin, mit einem Lächeln. Inzwischen seien sie zu einem richtigen Rudel zusammengewachsen, ergänzt seine Frau. 

Winnie
Winnie (M.) mit Lola (l.) und Maiga. // Foto: Marco Meißner

Gesundheitlich habe der Kleine allerdings am Anfang einiges mitmachen müssen. Zahnstein und Probleme beim Zahnwechsel haben dem heute etwa eineinhalbjährigen Pudel einige Tierarztbesuche beschert. "Viele Zähne mussten gezogen werden", erklärt Marina Pompe. Aber erfreulicherweise war das "Winnies" einziges Gesundheitsproblem.

Das ist nicht selbstverständlich gewesen, weil die Teacup-Pudel durch die extrem kleine Zuchtform als sogenannte Qualzüchtung und als gesundheitlich oft problembehaftet gelten. Doch heute stolziert Winnie wie ein kleiner Wirbelwind durch die gute Stube. Zumindest so lange, bis sich Frauchen auf die Couch setzt und er sich auf ihren Beinen einrollen kann, ganz eng neben seinen beiden Hundemädels. 

Besitzer der geretteten Tiere finden in Kronach zusammen

Derweil spricht Marina Pompe über eine Gruppe von sieben Besitzern der geretteten Teacup-Pudel. "Wir wollen uns Anfang des Jahres treffen", freut sie sich schon, dass dann acht der ehemaligen, vierbeinigen Leidensgenossen wieder zusammenfinden. Das wird sicher ein tolles Erlebnis für die Hunde, aber auch ihre Herrchen und Frauchen. 


Diese Artikellinks führen zu Berichten über den aktuellen Animal-Hoarding-Fall in Kronach.

Erschreckend findet sie hingegen den neuerlichen Fall des Animal Hoardings in Kronach, der 32 Katzen betroffen hat. Sie schüttelt ungläubig den Kopf, dass nach nicht einmal einem Jahr schon wieder Tiere aus einem Haus gerettet werden mussten.

Leute, die so viele Tiere unter schlechten Bedingungen halten, seien vermutlich krank, spekuliert sie. "Vermutlich lieben sie Tiere sogar, aber irgendwann haben sie dann eine Grenze überschritten." Vielleicht hätten sie auch keinen Blick mehr darauf, was es heißt, die Tiere zu versorgen - und was das kostet. "Da muss man realistisch sein, wenn man Tiere hält. Ein Tierarzt und gutes Futter - dafür muss genügend Geld da sein!", mahnt sie. Wenn nicht, solle man die Finger von vornherein von Haustieren lassen.

In vielen Animal-Hoarding-Tieren steckt eine gute Seele

Viele Tiere, die aus dem Animal Hoarding kommen, haben lange mit den Folgen ihrer schlechten Erfahrungen zu kämpfen. Aber wenn sie Pflege und Zuneigung erfahren, sind sie keine verlorenen Seelen, sondern können sich zu tollen Kameraden entwickeln. Winnie ist das beste Beispiel. Abgesehen von einer rassebedingt etwas aufwendigeren Fellpflege sei er unkompliziert, sagt Marina Pompe. Doch damit nicht genug. Er hat sogar schon besondere Talente entwickelt und sich eine Urkunde verdient. 

Die Betreiberin eines Pflegedienstes hat Winnie mit zu den Kronacher Mantrailern mitgenommen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing - Rettungshundestaffel & Therapiehundezentrum, Manfred Burdich, hat beim Anblick des kleinen Kerls nicht lange gefackelt. Marina Pompe muss lachen, als sie von der schnellen Entscheidung erzählt: "Er hat einfach gesagt: ,Da machen wir gleich die Therapiehunde-Ausbildung mit."

Winnie
Ein Zertifikat zeigt, dass Winnie und sein Frauchen ihre Ausbildung bei der Arbeitsgemeinschaft Mantrailing geschafft haben. // Foto: Marco Meißner

Gesagt, getan. Vor wenigen Tagen haben Frauchen und Hund ihre Urkunde bekommen. Winnie ist jetzt offiziell Bestandteil eines "zertifizierten Mensch-Hunde-Teams für tiergestützte Interventionen". Damit darf er Frauchen bei der Arbeit begleiten, wobei ihm die Rolle des "Dooropeners" zukommen soll. Denn mit seinem Charme knackt Winnie schnell jede Schale und baut Brücken von Mensch zu Hund zu Mensch. Doch für Marina Pompe ist das nur eine Fußnote. Denn für sie ist er vor allem eines: ihr lieber Winnie.

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