Eine halbe Stunde lang tut sich rein gar nichts. Dann erwischt es doch noch den einen oder anderen, der zu sehr aufs Gaspedal drückt, als er durch Oberlangenstadt fährt. Die Polizei zieht die Raser ein paar Hundert Meter weiter aus dem Verkehr. Auch im nördlichen Landkreis Kronach und in Wallenfels gibt es an diesem Tag solche Geschwindigkeitskontrollen. Stichwort: Blitzermarathon. Das Erfreuliche bei der Aktion in Oberlangenstadt: Die meisten Verkehrsteilnehmer fahren diszipliniert.
Es geht nicht ums Geldeintreiben, sondern um die Sicherheit
Für die Polizeibeamten an der Messstelle bestätigt das den Sinn solcher Blitzeraktionen. Die Verkehrsteilnehmer sollen nicht abkassiert, sondern für das Thema Geschwindigkeit sensibilisiert werden. Deshalb gibt es auch eine gewisse Toleranz bei diesen Kontrollen. "Wir messen auf Sicherheit, nicht auf Masse", erklärt Polizeihauptkommissar (PHK) Matthias Stöcker von der Kronacher Inspektion. Soll heißen: Es geht nicht um die "kleinen Fische", die mal vier, fünf Stundenkilometer drüber sind, sondern um die, die wirklich gefährlich schnell fahren. Ab einer Geschwindigkeit von 64 Kilometern pro Stunde wird es an diesem Messtag ernst für die Fahrer auf der 50er-Strecke.
Doch zunächst wird das Messgerät hinter der Scheibe eines zivilen Kleinbusses in Stellung gebracht und kalibriert. "Das ist der Visiertest", erklärt Stöcker seinem neuen Kollegen Florian Imling, als er das einem Fernglas ähnliche Gerät auf die Straße ausrichtet und einstellt. Imling bereitet derzeit die Messliste vor, auf der alle relevanten Daten eingetragen werden: Kennzeichen, Entfernung, Geschwindigkeit, Fahrzeugtyp und -marke sowie Farbe. Das Gegenstück, das sogenannte Fallblatt, befindet sich bei zwei anderen Kollegen, welche die betroffenen Fahrer dann in einiger Entfernung herauswinken und mit ihrem Vergehen konfrontieren.
"Wenn es den geringsten Zweifel gibt, wird nicht angehalten", versichert Stöcker, dass die Beamten sehr bewusst mit den Ergebnissen der Messungen umgehen. Ebenso wählen sie die Standorte gut überlegt aus. Und warum wurde es diesmal gerade Oberlangenstadt? "Es ist eine innerörtliche Strecke, die gerne unterschätzt wird. Viele nehmen offenbar das Ortsschild nicht richtig wahr", erklärt der Polizist. "Außerdem gibt es einen weiteren Gefahrenherd. Es gibt keine Gehsteige. Wenn die Leute vor die Haustür gehen, stehen sie fast schon auf der Straße."
Stöcker legt das Messgerät wieder an. Es zeigt "61" an. Glück für den Fahrer. Drei Stundenkilometer zu langsam, um an diesem Tag herausgewunken zu werden.
Dafür sind in diesem Fall Polizeihauptmeister (PHM) Markus Jope und Polizeioberkommissar (POK) Michael Hübsch zuständig. Sie sitzen ein paar Hundert Meter entfernt in einem Polizeibus.
Temposünder: Polizei stoppt bei Blitzermarathon die Raser
Die beiden bekommen nach dem ruhigen Auftakt doch noch zu tun. Auffällig: Es trifft zwei Lastwagen und einen Kleinlastwagen. Am Steuer sind jeweils Fahrer aus dem Ausland. Die beiden Beamten spekulieren, dass die deutschen Fahrer momentan bewusster auf den Tacho schauen, weil die Blitzeraktion medial flächendeckend angekündigt war. Davon haben Fernfahrer im Ausland aber nichts mitbekommen.
Mit 72 "Sachen" war der Klein-Lkw unterwegs, den PHM Jope zuerst an die Seite winkt. Schnell wird klar, es braucht eine Übersetzungshilfe, denn der Osteuropäer hinter dem Steuer versteht kein Wort. "Der Google-Übersetzer erleichtert die Sache in so einem Fall schon enorm", erklärt POK Hübsch, der wenig später selbst einen Sattelzugfahrer aus Südosteuropa kontrollieren darf. "You drove 71 kilometres per hour", sagt Hübsch zum am Einsatzwagen stehenden Fahrer. Der versteht glücklicherweise Englisch und gibt reumütig zu: "I know."
Beide geben allerdings an, die 70 beziehungsweise 160 fälligen Euro nicht dabei zu haben. Die beiden Beamten bleiben hartnäckig. Und siehe da: Nach kurzen Telefonaten mit ihren Chefs können die Fahrer ihre Strafen plötzlich per Karte bezahlen. "Das ist ein bekanntes Spiel: Man hat angeblich kein Geld dabei und auch nichts auf der Bank", erklärt Hübsch. Seit die Rechnungen aber nicht mehr ins Ausland nachgeschickt werden müssen, sondern die Polizisten ein Gerät zur Kartenzahlung dabei haben, zieht diese Masche nicht mehr. Wie der Beamte feststellt, gibt es zudem - theoretisch - die Möglichkeit, Wertgegenstände wie Teile der Ladung einzubehalten, wenn keine Zahlung erfolgt.
"Manche kapieren es leider nur über den Geldbeutel"
In aller Regel bleibt die Stimmung zwischen den geblitzten Fahrern und den Polizisten allerdings entspannt. "So richtige Ausfälle hat man eigentlich nicht", stellt Jope fest. Warum, das erklärt Hübsch: "Wir halten ja keine Schwerverbrecher an, sondern haben es hier mit ganz normalen Menschen zu tun. Die meisten reagieren deshalb verständnisvoll." Und die Polizisten selbst sind für diese Gespräche natürlich entsprechend ausgebildet. So gibt es laut Hübsch auch nur ganz selten offizielle Beschwerden über Fehler bei den Kontrollen. "Wenn's bei einem von 100 passiert, dann ist das schon viel."
Derweil meldet Matthias Stöcker den nächsten Lastwagen der zu schnell unterwegs ist. Dass es so wenige sind, die bei dieser Kontrolle negativ auffallen, freut den erfahrenen Polizisten. "Uns ist es lieber, wenn die Leute auf solche Aktionen reagieren", unterstreicht er. Das gilt bei dieser Kontrolle übrigens nicht nur fürs Tempo. Denn die Beamten haben auch ein Auge auf andere Verstöße, wenn sie durchs Messgerät schauen. Ist der Gurt angelegt? Wird am Steuer mit dem Handy telefoniert? Doch insgesamt bleibt es in dieser ersten Stunde der Kontrolle bei einer Handvoll Verstößen. Und die wenigen Betroffenen müssen es halt auf andere Weise lernen, dass ein Bleifuß ein Problem ist. Oder wie Stöcker sagt: "Es gibt auch welche, die es leider nur über den Geldbeutel kapieren."
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