Wegen des plötzlichen Todes von Gemeinderat Hubert Bähr wurde am Mittwochabend die außerordentliche Marktgemeinderatssitzung in der Rodachtalhalle abgebrochen.
In der Zusammenkunft war es um die bevorstehende Sanierung der Ortsdurchfahrt Marktrodach B 173 zwischen dem Gewerbegebiet Gries bis zur Brücke über die Rodach in Unterrodach sowie des Knotenpunktes B 173/B 303 gegangen. Dass diese Baumaßnahme mit einer gewissen Brisanz verbunden ist, zeigte die nahezu voll besetzte Rodachtalhalle. Rund 250 Bürger hatten sich eingefunden, um sich zu informieren beziehungsweise um Fragen zu stellen. Letztendlich kamen wegen des traurigen Ereignisses nur wenige Bürger zu Wort.
Der Leiter des Straßenbauamtes, Jens Lausmann, stellte zu Beginn der Sitzung den Sanierungsplan vor (siehe Infobox). Und er erklärte: „Hier planen Menschen für Menschen mit Menschen – wir sind keine Roboter!“ Ihm sei bewusst, dass bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt nicht die Bautechnik im Vordergrund stehe, sondern wie der Verkehr auf der B 173 innerörtlich abgewickelt werden könne.
An den Ausführungen von Jens Lausmann wurde deutlich, dass die Maßnahme eine Herausforderung sowohl für die Planer wie auch für Verwaltung, Anwohner und Verkehrsteilnehmer bedeutet. Rund 12.000 Fahrzeuge fahren täglich durch Marktrodach, der Anteil des Schwerlastverkehrs liegt bei rund zwölf Prozent.
Großräumige Umleitung
Lausmann erklärte, dass seine Behörde dafür sorgen musste, ein geeignetes Straßennetz für die Umleitung zu finden. Daraus ergab sich eine offizielle Strecke mit einer großräumigen Umleitung für den Durchgangsverkehr und kleinräumige Umleitungen für Anlieger, die teilweise einseitig befahrbar sind. Sowohl seine Behörde als auch die Gemeindeverwaltung seien sich bewusst, dass in Marktrodach das Leben während der Bauphase weitergehen müsse. „Wir wollen niemanden abhängen – aber einen Durchgangsverkehr brauchen wir nicht!“
Wichtig sei, dass die Bürger vor Ort wissen, wie sie von A nach B kommen, dass der Liefer- und Quellverkehr sowie der Schulbus- und Linienverkehr – immerhin durchqueren täglich 70 Busse die Gemeinde – aufrechterhalten werde und wie die Rettungsdienste zu ihren Einsätzen kommen können. Lausmann ließ aber keinen Zweifel daran, dass die Marktrodacher in den kommenden Monaten mit Einschränkungen werden leben müssen. Der Verkehr werde langsamer laufen, der Zeitaufwand größer und es wird zu Staus kommen.
Bürgermeister Norbert Gräbner sprach von einer „Mammutaufgabe“, die das Staatliche Bauamt zu bewältigen hat. Bereits seit mehr als 15 Jahren beschäftige sich der Marktgemeinderat mit der Thematik B 173. Er bezeichnete die Ortsdurchfahrt als eine „wichtige Lebensader“. Wegen der vielen Zwangspunkte, Leitungen und Einrichtungen sei die Planung nicht einfach gewesen. Gräbner wies darauf hin, dass bei der Planung mehrere Baumaßnahmen verschiedener Bauträger erfasst worden seien, die jeweils Vollsperrungen auf mehrere Jahre verteilt erforderlich gemacht hätten. Mit den Umleitungsplänen werde versucht, die Erschwernisse auf das notwendige Maß zu reduzieren.
Er habe Informationen im Vorfeld der Planungen vermisst, so Gemeinderat Oliver Skall. Warum gibt es keinen Kreiselverkehr an den Kreuzungen in Oberrodach und am Knotenpunkt Rewe/Gewerbegebiet? Was spricht gegen Lärmschutzwände? Warum fasse man keine Überbrückung beziehungsweise Unterführung ins Auge, fragte er.
Je stärker der Verkehr, desto länger werden an einem Kreisel die Wartezeiten von den abgeleiteten Ästen wie in die B 303 oder Ortsdurchfahrt Unterrodach, antwortete Jens Lausmann. Hinzu komme der Grunderwerb. Gegen eine Unterführung spreche unter anderem ein hoch anstehendes Grundwasser und Gasleitungen. Die Lärmbelästigungen versuche das Staatliche Bauamt mit einem Straßenbelag mit „höchst lärmmindernden Eigenschaften“ und einem angeordneten Geschwindigkeitsniveau von 50 km/h zu reduzieren.
Jochen Reif kritisierte, dass die Werte für Lärmbelästigungen nicht gemessen, sondern am Computer berechnet werden. Zudem hielt er es nahezu für ausgeschlossen, dass der Schwerlastverkehr die großräumige Umleitung in Anspruch nehmen werde, um Rodachtalgemeinden beliefern zu können. Auch konnte er die Ausweisung als Hochschutzwassergebiet in seinem Wohnumfeld nicht nachvollziehen.
Johanna Zinner sprach im Namen der Anwohner aus der Louis-Dietrich-Straße. Sie kritisierte, dass bezüglich Lärmschutzmaßnahmen – obwohl dies seit Jahren versprochen wurde – bisher noch nichts passiert sei. Vor ihrem Anwesen seien innerhalb von zehn Minuten 40 Lkws vorbeigefahren. „Es ist nicht lustig, da zu wohnen.“ Angesprochen wurde der Kreuzungsbereich „Gries“. Wegen des Bebauungsplans, der derzeit ausgelegt ist, sollen Verkehrssicherheitsmaßnahmen für Schüler und Fußgänger noch ein Jahr zurückgestellt werden.
Appell an die Bürger
Letztendlich meldete sich der Planer Roland Daum zu Wort. Er appellierte an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer der umliegenden Ortschaften, Marktrodach während er Bauphase möglichst zu vermeiden. Auch wurde an die Bürger appelliert, sich regelmäßig über den Sachstand der Baumaßnahme auf der Homepage des Straßenbauamtes, der Gemeinde und in der Presse zu informieren.
Was die Umleitungspläne betrifft, so sollen diese wegen möglichen verstärkten Verkehrsaufkommens nicht veröffentlicht werden. „Wenn der Durchgangsverkehr die großräumigen Umleitungen nicht nutzt, dann bricht der Verkehr zusammen“, so Lausmann. Jedoch werden die Marktrodacher Bürger über die innerörtlichen Umleitungen rechtzeitig informiert, so die Leiterin des Bauamts, Katja Wich.
Das Projekt
Straßensanierung Die Bauarbeiten in Marktrodach finden auf einer Länge von 1,4 Kilometern statt. Das Staatliche Bauamt erneuert zusammen mit der Gemeinde und dem Zweckverband „Rodacher Gruppe“ die Ortsdurchfahrt. Komplett erneuert wird der Asphaltoberbau der Bundesstraßen B 173/B 303. Geplant ist zudem der Ausbau des Streckenzuges von der Rodachbrücke bis zum Kreuzungsbereich „Im Gries“. Der Baubereich erstreckt sich bis zur Einmündung Tankstelle/Klärwerk. Im Bereich der Allee wird eine Oberbauerneuerung durchgeführt. Der Kreuzungsbereich der B 303 soll barrierefrei ausgebaut werden. Die Ampelanlage wird komplett erneuert. Weiterhin erfolgt eine Bauwerksinstandsetzung des Mühlbach- und Rehenbachbauwerks. Im Kreuzungsbereich „Im Gries“ wird ebenfalls die Technik der Ampelanlage erneuert, so dass der Verkehrsfluss verbessert wird. Der Linksabbiegerstreifen wird verlängert.
Wasserleitung Parallel dazu verlegt die „Rodacher Gruppe“ Wasserleitungen im Kreuzungsbereich zwischen Ober- und Unterrodach. Auch der Neubau des Zählwerks im Bereich Kulmbacher Straße steht vor der Umsetzung.
Gesamtkosten rund 3,5 Millionen Euro.












