Die Gewerbetreibenden „Im Gries“ fühlen sich wegen der bevorstehenden Sanierung der Ortsdurchfahrt Marktrodach überrumpelt. Damit verbunden ist eine neun Monate lange Vollsperrung der B 173 in diesem Bereich – und entsprechende Umleitungen. Deshalb haben die Unternehmer vor wenigen Tagen einen Brief an das Staatliche Bauamt Bamberg und an die Gemeindeverwaltung geschickt. Sie appellieren an die Behörden, die beabsichtigten Umleitungen für den Liefer- und Quellverkehr neu zu überdenken. Die Unternehmer im Gries befürchten sonst immense Kostensteigerungen, Lieferengpässe und Produktionsausfälle.
Wie bereits berichtet, soll ab Mitte April bis zum Jahresende die Ortsdurchfahrt an der Bundesstraße B 173 erneuert werden. Die Maßnahme beinhaltet den Ausbau des Streckenzuges von der Rodachbrücke bis zum Kreuzungsbereich „Im Gries“. Der Baubereich erstreckt sich bis zur Einmündung Tankstelle/Klärwerk. Im Bereich der Allee ist eine Oberbauerneuerung geplant, der Kreuzungsbereich der B 303 und „Im Gries“ wird barrierefrei ausgebaut. Zudem wird die Ampelanlage erneuert. Es erfolgt auch eine Instandsetzung des Mühlbach- und Rehenbachbauwerks. Parallel zu dieser Maßnahme verlegt der Wasserzweckverband „Rodacher Gruppe“ Wasserleitungen zwischen Unter- und Oberrodach, ein Zählwerk in der Kulmbacher Straße wird neu errichtet.
Zwei Bauabschnitte unter Vollsperrung
Die rund 3,5 Millionen teure Maßnahme erfolgt in zwei Bauabschnitten und unter Vollsperrung, berichtete vor knapp zwei Wochen der Leiter des Staatlichen Bauamts, Jens Lausmann, bei einem Pressegespräch. Wenn die geplanten Umleitungen im Gries zum Tragen kommen, führt das zu einer Erhöhung der Lkw-Strecken von rund 100 Kilometern einfach, sagt der Geschäftsführer der RVT Process Equipment GmbH, Werner Geipel. Laut Plan sollen die Schwerlast- und Lieferfahrzeuge aus Richtung Bamberg kommend über die Autobahnen A 70 und A9 (Bamberg – Bayreuth – Hof und B 173 Hof – Marktrodach) umgeleitet werden. Das bedeutet viel längere Fahrzeiten und erhebliche Transportmehrkosten.
„Ein Umleitung ausschließlich über die B 173 Richtung Zeyern-Hof können wir nicht akzeptieren“, heißt es in dem Schreiben an das Staatliche Bauamt. „Wir“, das sind die Geschäftsführer der Unternehmen RVT Process Equipment GmbH, REWE, Christian Stöhr, Metallgießerei Marktrodach, Metall Technik Müller, Letsch Transport, Georg Beitzinger, Friedrich Joerg und Fahrzeugservice Eckert.
Die Unternehmer würden es begrüßen, wenn das Staatliche Bauamt die Möglichkeiten schafft, dass das Gewerbegebiet über die B 303 über Seibelsdorf sowohl für den Anlieferungs- als auch für den Versandverkehr während der Bauphase erreichbar ist.
Sie äußerten ihren Unmut darüber, dass sie erst wenige Wochen vor Beginn der Baumaßnahmen informiert wurden. Wie Werner Geipel erklärte, bestehen langfristige Lieferverträge. Zusätzliche Kosten könnten daher nicht an Kunden weitergegeben werden.
Ein betroffener Unternehmer und Marktgemeinderat, Michael Stöhr, spricht von rund 23.000 Euro an Mehrkosten pro Monat für seinen Betrieb, sollte die geplante Umleitung so in Kraft treten. Er verweist darauf, dass es sich bei den im Gries ansässigen Firmen um mittelständische Unternehmen handele, die nicht nur Arbeitsplätze schaffen und Gewerbesteuer bezahlen, sondern auch der Heimat treu verbunden sind. Daher sei es ihm unverständlich, dass sowohl die Unternehmer als auch die Marktgemeinderäte erst vor zwei Wochen über das Vorhaben informiert wurden.
Auch sein Marktgemeinderatskollege Oliver Skall hätte sich Vorgespräche gewünscht. Die Ortsdurchfahrt sei schon einige Jahre ein Thema, erklärt er. In der Vergangenheit sei unter anderem darüber diskutiert worden, ob man für die Fußgänger und Schüler bei der Überquerung der B 173 von Oberrodach nach Unterrodach einen Tunnel oder eine Brücke schafft, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Auch über einen Kreisverkehr an den Kreuzungen habe man gesprochen, um die Verkehrssicherheit an der stark frequentierten Straße (täglich 12.000 Fahrzeuge), zu erhöhen. Skal bedauert, dass den Marktgemeinderäten vor der Informationsveranstaltung über die Baumaßnahme Ortsdurchfahrt B 173 keine Gelegenheit gegeben wurde, über mögliche Alternativen zu reden. „Wir wurden nicht mitgenommen!“ Er sei auch überzeugt, dass Vorabgespräche und -informationen zu einer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung führen.
Neue Zusammenkunft geplant
Die Pressesprecherin des Staatlichen Bauamts, Sabrina Hörl, teilte mit, deshalb habe man auch reagiert und setze sich mit den Unternehmern und Anliegern des Gewerbegebiets Gries zusammen, um die Möglichkeiten für die Umleitungen nochmals zu erläutern. Diese Zusammenkunft ist für Freitagnachmittag geplant.










