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Sind die Straßen in Kronach ruhig oder zu ruhig?
Bus und Bahn statt unnötiger Autofahrten: Nach Startschwierigkeiten in Corona-Zeiten nimmt das Mobilitätskonzept für den Landkreis Kronach an Fahrt auf, was deutlich steigende Ticketkäufe belegen.
Bus und Bahn statt unnötiger Autofahrten: Nach Startschwierigkeiten in Corona-Zeiten nimmt das Mobilitätskonzept für den Landkreis Kronach an Fahrt auf, was deutlich steigende Ticketkäufe belegen. // Marco Meißner
Kronach – Die Ergebnisse des Heimat-Monitors zeigen: Die Kronacher schätzen die niedrige Verkehrsbelastung. Bessere Straßen möchten sie aber auch.

Es gibt kaum ein Thema im Landkreis Kronach, bei dem die Meinungen in unserer Umfrage so weit auseinander gedriftet sind, wie beim Verkehr. Das Gute ist: Auf die Frage nach der Verkehrsbelastung und der Lärmbelästigung schneidet der Landkreis Kronach sehr gut ab. Mit 6,31 Punkten liegt er im gesamten FT-Verbreitungsgebiet auf Rang 2 und klar über dem Durchschnittswert (5,91). Nur der Kreis Haßberge (6,43) kann ein besseres Ergebnis vorweisen.

Warum sich dann die Geister an diesem Thema scheiden? Weil neben den recht guten Noten immer wieder auch mehr oder minder punktuelle, kritische Fragen im Heimat-Monitor aufgetaucht sind. Der (noch fehlende) Anschluss an das Autobahnnetz wurde ebenso thematisiert, wie beispielsweise eine Umgehung für Pressig, die Verkehrsbelastung durch den Fernverkehr in Marktrodach oder stellenweise die Busverbindungen im Landkreis.

Baustelle, Umleitungen und Leserfragen

Im Laufe der Woche werden wir uns mit verschiedenen dieser Themen auseinandersetzen. Den Anfang macht dabei die zur Zeit aufwendigste Baumaßnahme auf den heimischen Straßen. Am heutigen Montag hätten die Arbeiten an der Bundesstraße 173 durch Marktrodach beginnen sollen, nun startet sie allerdings erst am 27. April. Die Maßnahme ist deshalb so einschneidend, weil sie die direkte Ost-West-Verbindung zwischen Kronach und Hof kappt und auf monatelange Sicht für große Umwege sorgen dürfte. Wir werden uns zunächst mit der Situation vor Ort befassen und wie die Menschen auf der Straße, aber auch im Ort darauf vorbereiten. In einem weiteren Artikel möchten wir einen Service bieten und aufzeigen, wie es um die geplanten Umfahrungen bestellt ist.


Neben diesem konkreten Bauvorhaben soll es beim Thema Verkehr allerdings auch in die Breite gehen. Wir leiten deshalb Ihre Anregungen aus dem Heimat-Monitor an die entscheidenden Personen weiter. Für den kommenden Samstag erhoffen wir uns dann Antworten auf die drängendsten Fragen. Doch bis es soweit ist, soll es noch eine kleine Bestandsaufnahme zur Verkehrssituation im Landkreis Kronach geben.

Fernverkehr im Landkreis Kronach ohne Autobahn

Der Landkreis wird durchzogen von vier Bundesstraßen. Auf 46,9 Kilometern rollt der Verkehr über die B 85 durch den Kreis. Die B 173 erstreckt sich über 30,2 Kilometer. 19,7 Kilometer weit führt die B 303 durch die heimische Region. Nur ein 3,6 Kilometer langer Zipfel der B 89 streift den Landkreis. Einen ausgebauten Autobahnanschluss gibt es noch nicht. Doch die Arbeiten daran haben begonnen. Er soll auf der B 173 vierspurig von der Landkreisgrenze in Richtung Lichtenfels führen.

Öffentliche Verkehrsmittel

Die Bahn meldete gerade erst, dass sie ihre IC-Kapazitäten für den Landkreis Kronach aufstocken will. Ab Dezember sollen in beide Fahrtrichtungen täglich fünf Intercitys Halt machen. Neben Kronach wird dann auch in Ludwigsstadt gestoppt.

Vor drei Jahren führte der Landkreis Kronach unter Federfürung von Landrat Klaus Löffler ein Mobilitätskonzept ein. Die Verbindungen mit Bus und Bahn sollten optimiert, das Angebot ausgebaut und der Individualverkehr dadurch verringert werden. Wie Löffler erst in der vergangenen Kreistagssitzung einräumte, forderte das komplexe Konzept am Anfang seinen Tribut. Der Teufel in den Details traf mit der Distanzproblematik durch die Pandemie zusammen. Denkbar schlechte Bedingungen. Inzwischen sieht der Landrat das Mobilitätskonzept, an dem weiter beharrlich gefeilt wird, auf einem sehr guten Weg.

Einen Beitrag dazu soll auch der erst vergangene Woche beschlossene Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) leisten. „Das ist eine Win-Win-Situation“, ist Löffler überzeugt, dass der Beitritt nach der Ablehnung im Jahr 2013 nun perfekt ins Konzept passt. „Das einzige, das Sie aufgeben müssen, ist die Tarifhoheit“, versicherte Geschäftsführer Andreas Mäder vom VGN dem Kreistag, dass sich der Beitritt für den Landkreis am Ende lohnen wird. Denn es sollen im Gegenzug viele neue Möglichkeiten und Verbesserungen durch den VGN einfließen.

E-Mobilität steckt in Kronach noch in den Kinderschuhen

Grünen-Kreisrätin Edith Memmel sprach sich jüngst dafür aus, dass der Landkreis ein dichteres Netz an öffentlichen Ladestationen für E-Mobile benötigt. Dass der Bedarf steigt, zeigen die Zulassungszahlen für elektrisch betriebene Autos (inklusive Hybridfahrzeuge). Diese steigen nämlich stetig an, von 761 (2020) über 1441 (2021) auf zuletzt 2278 (2022) pro Jahr.

Allerdings: Bei den Verbrennern (inklusive gasbetriebene Fahrzeuge) gab es in den vergangenen drei Jahren ebenfalls einen leichten Anstieg: 55.596 – 55.700 – 56.134.

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