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Windpark-Planung
Glasindustrie am Rennsteig will eigene Anlagen
Die Debatte um die Windkraftanlagen für den Rennsteig wirft lange Schatten. Die Industrie sah sich bisher als treibende Kraft und fürchtet nun der Verlierer des Projekts zu werden.
Die Debatte um die Windkraftanlagen für den Rennsteig wirft lange Schatten. Die Industrie sah sich bisher als treibende Kraft und fürchtet nun der Verlierer des Projekts zu werden. // Symbolbild: Marcus Brandt, dpa
Kronach – Am Rennsteig sollen 15 Windräder auf dem Gebiet von Ludwigsstadt, Tettau und Steinbach am Wald errichtet werden. Die örtlichen Betriebe sehen ihre Hoffnungen in diesen Windpark jetzt am Platzen.

Die Glasindustrie im Landkreis Kronach ist auf bezahlbaren grünen Strom angewiesen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nicht zuletzt deshalb wurde ein Wind- und Wasserstoffpark am Rennsteig seitens der Unternehmen befürwortet. Nun sind aber aktuell die energieintensiven Betriebe außen vor. Was ist passiert?

In der Kreistagssitzung am 23. Oktober referierte der Projektleiter der Betreiberfirma CPC-Germania, Gerd Ketelhake, über den Windpark. Er sprach unter anderem von einem überwältigenden Votum seitens der Bevölkerung der beteiligten Kommunen für die Errichtung eines Wind- und Wasserstoffparks.

Vier Anlagen in kommunaler Hand

Vier von insgesamt 15 Windkraftanlagen würden durch eine kommunale Projektgesellschaft in den Eigenbetrieb der Kommunen gehen, erklärte er. Die Industriebetriebe hätten die Möglichkeit, zusammen mit den Kommunen, diese eigenwirtschaftlich zu betreiben. Die Option zum direkten Bezug günstiger elektrischer Energie aus dem Windpark würde dabei Arbeitsplätze in der Region sichern.

Der Kreisrat und Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach, Hans Rebhan, erklärte, dass das so zwar am Anfang angedacht gewesen und auch bei der Bürgerbefragung so suggeriert worden sei, es aber nicht zutreffe. Die Glasindustrie, ergänzte Angela Wiegand, habe keinerlei Nutzen vom Windpark am Rennsteig.

Wunsch der Glasindustrie am Rennsteig

Wie der Seniorchef der Heinz-Gruppe, Carl-August Heinz, auf Anfrage erklärt, hätte die Glasindustrie gerne Windräder in Eigenregie betrieben, um somit wenigstens einen kleinen Teil grünen Stroms selbst produzieren zu können. Das wiederum würde die Kosten für den Kauf von CO2-Zertifikaten senken. Zudem hätte man damit ein Zeichen setzen können, dass man gewillt sei, einen weiteren Beitrag hin zur Klimaneutralität zu leisten. Wie er weiter sagt, werde im Kleintettauer Werk bereits seit Jahren Glas ausschließlich durch Elektroschmelzwannen produziert. Am Standort in Thüringen sei man bestrebt, die noch vorhandene gasbetriebene Glasschmelzwanne durch eine elektrische zu ersetzen.

Enttäuscht ist der Geschäftsführer der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe, Nikolaus Wiegand. In der Bürgerbefragung im vergangenen Jahr sei suggeriert worden, dass durch den Bau von Windkraftanlagen die Arbeitsplätze in der Region gesichert werden. „Ich verwahre mich gegen diese Aussage, weil es einfach nicht stimmt!“, betont er. Und weiter stellt er fest: „Die Glasindustrie profitiert nach dem aktuellen Status quo in keinster Weise von den Windrädern am Rennsteig.“

Anlagen in Eigenregie betreiben

Wiegand weist darauf hin, dass Wiegand-Glas gerne Windräder in Eigenregie betrieben hätte. Es wäre möglich, den durch Windkraft erzeugten grünen Strom mittels einer Leitung direkt nutzen zu können.

Er spricht davon, dass es sich bei der Herstellung von Glas um besonders energie- und wärmeintensive Prozesse handele. Um die ehrgeizigen Klimaziele Bayerns (Klimaneutralität bis 2040) beziehungsweise Deutschlands (Klimaneutralität bis 2045) erfüllen zu können, plane die Wiegand-Glas Unternehmensgruppe für den Standort in Steinbach am Wald einen Wechsel der Schmelztechnologie.

Die bestehenden, konventionell beheizten Schmelzwannen sollen im Rahmen der nächsten Wannenerneuerungen durch vollelektrische beziehungsweise hybride Schmelzkonzepte ersetzt werden. Nikolaus Wiegand räumt aber auch ein, dass die bei Wiegand-Glas benötigten Anlagegrößen derzeit auf dem Markt noch nicht verfügbar sind. Das bedeute, dass parallel noch Forschungsarbeiten notwendig sind.

Elektrifizierung der Schmelzwannen

Durch die Elektrifizierung der Wannen werde sich der Gasverbrauch reduzieren und der Stromverbrauch erhöhen. Die „Scope I“-Emissionen (direkte Treibhausgas-Emissionen von Unternehmen) würden durch die Elektrifizierung der Wannen reduziert. Nicht zuletzt deshalb habe Wiegand-Glas Interesse daran, Windräder vor Ort zu betreiben, das wäre ein kleiner Baustein für die Erreichung der Klimaziele.

Kreisrat Hans Rebhan regt nun an, zu prüfen, ob die geplanten 15 Windräder am Rennsteig nicht um weitere fünf für die Industrie ergänzt werden könnten. Fünf zusätzliche Windräder würden es der lokalen Industrie ermöglichen, sich mit einem eigenen Beitrag zeitgemäß und zukunftsgerichtet aufzustellen. Die Beteiligungsformen für die Industrie müssten planbar sein. Ausgewählte Windräder sollten ganz der Industrie zur Verfügung stehen, denn nur so könne der Energiebezug in der Industrie prozessorientiert abgebildet werden. Eine Aufteilung zwischen Bürgern und Industrie an einem Windrad sei energetisch nur bedingt sinnvoll. Denn um Glasschmelzwannen auf Strom umzubauen, gehe es um viele, langfristige und verlässliche Investitionen.

Perspektive: Es bleibt bei 15 Windrädern

Es wird bei 15 Windrädern bleiben, sind sich die drei Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Ludwigsstadt, Tettau und Steinbach am Wald, Timo Ehrhardt, Peter Ebertsch und Thomas Löffler, einig. Sie sprechen davon, dass die Glasindustrie hätte besser mit der Betreiberfirma CPC verhandeln müssen. Für sie geht es um den Verbleib von Wertschöpfung in der Region und dass die Bürger einen Nutzen von den Windrädern haben.

Peter Ebertsch sagt: „Die Bürger haben uns in der Bürgerbefragung einen Vertrauensvorschuss gegeben, und den müssen wir wahren!“

Die Glasindustrie habe im Gegensatz zu den Kommunen keinen Trumpf in der Hand, entgegnen Carl-August Heinz und Nikolaus Wiegand. Im Klartext: Die Kommunen hätten, falls die Betreiberfirma nicht in den Vertrag eingewilligt hätte, ihr gemeindliches Einvernehmen und auch den Antrag an den Planungsverband Oberfranken-West für die Teilfortschreibung eines Windvorranggebietes verweigern können.

Weitere Gespräche geplant

Doch wie geht es nun weiter? Es werden noch Gespräche stattfinden. Diese seien aber, so Gerd Ketelhake, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Er sagt aber auf Anfrage, dass es bei den 15 Windrädern am Rennsteig wohl bleiben werde. Vier davon gingen in kommunale Hand.

Er wies weiter darauf hin, dass die CPC-Germania in der Nähe der Glashütten-Standorte im benachbarten Thüringen nach Flächen für Windkraftanlagen sucht. Mittlerweile seien auch in Thüringen einzelne Politiker gegenüber Windkraftanlagen toleranter geworden. In diesem Zusammenhang spricht er von vielen Kalamitätsflächen und einem notwendigen Waldumbau. „Dafür benötigt man Geld, und man muss schnell handeln.“

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