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Neuerung in der Landwirtschaft
Pelletmaschine: Fast wie eine Matratzenfabrik für Kühe
Gemeinsam für mehr Tierwohl (von links): Sebastian Zabok (Fahrer der Pelletpresse), Daniel Renner (Landwirt), Matthias Renner (Landwirt aus Tiefenklein), Rudolf Renner (Landwirt) und Thomas Tübel von der Pellet-rofi GmbH).Corinna Tübel
Gemeinsam für mehr Tierwohl (von links): Sebastian Zabok (Fahrer der Pelletpresse), Daniel Renner (Landwirt), Matthias Renner (Landwirt aus Tiefenklein), Rudolf Renner (Landwirt) und Thomas Tübel von der Pellet-rofi GmbH. // Foto: Corinna Tübel
Tiefenklein – Eine mobile Pelletmaschine verarbeitet in Tiefenklein Stroh direkt nach der Ernte zu saugfähiger Einstreu. Wie die Methode funktioniert.

Schon von Weitem duftet es nach Stroh. Ein dumpfes, gleichmäßiges Brummen ist zu vernehmen. Einer der vielen Mähdrescher, die in diesen Tagen auf den Feldern im Landkreis Kronach unterwegs sind, mag man zunächst denken. Doch je näher man an das Gerät herankommt, das da in Tiefenklein brummt, desto deutlicher wird: Hier arbeitet etwas anderes.

Ein Traktor zieht eine große Maschine hinter sich her, deren langgestreckte Form beinahe an eine Rakete erinnert. Unermüdlich „frisst“ sie die goldgelben Strohschwaden und „spuckt“ am Ende kleine, feste Pellets aus. Darüber freuen sich später Tiere und Landwirte.

Druck und Hitze sind das Geheimrezept der Maschine in Tiefenklein

Die Rede ist von einer Pellet-Presse. Erst vor ein paar Jahren wurde diese entwickelt. Seitdem verarbeitet sie das Stroh als „Schwad“ direkt auf dem Feld zu kleinen, festen Pellets – und das, ohne Kleber oder andere Bindemittel zu benutzen.

Ab Herbst können auch Strohballen pelletiert werden. Automatisch werden dann zunächst die Schnüre entfernt, und das Stroh wird mit vielen Messern zerkleinert. „Dann folgen die zwei Matritzenwalzen, das Kernstück der Pellet-Maschine. Unter einem unglaublich hohen Druck werden die Pellets dann gepresst. Gleichzeitig entsteht Hitze, wohl um die 80 Grad, wodurch auch viele Keime unschädlich gemacht werden“, erklärt Thomas Tübel von der Pellet-Profi-GmbH aus Hof an der Saale. Die Firma ist mit ihrer Maschine direkt bei den Landwirten im Einsatz.

Strukturpellets können für mehr Tierwohl sorgen.
Strukturpellets können für mehr Tierwohl sorgen. // Foto: Corinna Tübel

Auch im Landkreis Lichtenfels macht das Unternehmen Halt, um Stroh unmittelbar nach der Ernte vor Ort zu pelletieren. So entfällt der Transport des voluminösen Materials zu einer stationären Anlage – stattdessen entstehen die Pellets von rund 16 Millimetern Durchmesser direkt auf dem Acker und können anschließend unkompliziert abtransportiert oder eingelagert werden.

Das freut auch Franz Rieger, Landwirt aus Mainroth bei Burgkunstadt. Seit einem halben Jahr nutzt er dieses Angebot für seine rund 200 Kühe auf dem Hof. Sein Ziel: „Ich wollte damals trockene Liegeflächen für die Tiere haben, das ist die Hauptsache. Die habe ich nun.“ Das ist geglückt – oder vielmehr das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung und technischer Entwicklung.

Das Besondere an diesen Pellets ist ihre Struktur: Durch das Zerkleinern und anschließende Verdichten des Strohs entsteht ein saugfähiges Material mit einer großen Oberfläche. Sie können das Vierfache ihres eigenen Volumens an Feuchtigkeit wie Tierurin oder -kot aufnehmen und binden, wodurch die Liegeflächen länger trocken bleiben. Gleichzeitig werde die Ammoniakbelastung deutlich reduziert.

Sauberkeit und Hygiene sind die Stichwörter

Für die Kühe bedeutet die trockene Einstreu mehr Komfort im Liegebereich. Die Erfahrung zeigt: Die Tiere legen sich öfter und länger hin. Das fördere das Wiederkäuen, was wiederum die Milchbildung anregt. Gleichzeitig bleibt auch das Euter weitgehend sauber und keimfrei. Der Bayerische Rundfunk hatte kürzlich gar von „Spa-Matratzen für Kühe“ gesprochen. „Ganz so ist es bei uns nicht“, lächelt Rieger. Das sei mit den Boxen auf seinem Hof kaum möglich. „Aber die Tiere fühlen sich wohl und sind definitiv auch sauberer.“

Das bestätigt ein Blick in den Stall. Die Felle und Beine glänzen, als wären die Tiere gerade erst gebürstet worden. Fast so wie Pferde. Diese profitieren ebenso von den Pellets. Die Pellet-Profi-GmbH versorgt beispielsweise auch Reiterhöfe, Schweinemastbetriebe, Hühnerhalter und andere landwirtschaftliche Betriebe mit Pellets. Nachhaltig ist das Verfahren vor allem dann, wenn das Verhältnis zwischen Energieaufwand, Maschineneinsatz und Nutzen passt.

Tiere: Sauberere Tiere dank Strukturpellets, wie hier auf dem Hof von Franz Rieger in Mainroth.
Sauberere Tiere dank Strukturpellets, wie hier auf dem Hof von Franz Rieger in Mainroth. // Foto: Corinna Tübel

Das Verfahren hat natürlich seinen Preis. Zwar wäre es kostengünstiger, lediglich das lose Stroh vom Feld als Einstreu für die Tiere zu nutzen. Langfristig machen sich jedoch der geringere Bedarf an Stroh, weniger Mist und weniger Arbeitszeit zugunsten des Tierwohls bezahlt. „Und das ist es vielen Landwirten wert“, so Thomas Tübel.

Ähnlich denkt auch Matthias Renner, Landwirt aus Tiefenklein im Landkreis Kronach. Er hat sich für die Pelletnutzung entschieden, da das bisherige Kalk-Strohgemisch für die rund 80 Kühe auf seinem Hof einen hohen Arbeitsaufwand mit sich brachte. „Und wenn ich das gegenrechne, wird da kein großer Unterschied sein“, überlegt er. 

Die Pelletpresse auf dem Feld ist also mehr als nur eine technische Besonderheit: Sie steht für den Versuch, landwirtschaftliche Kreisläufe zu schließen und aus vorhandenen Rohstoffen einen praktischen Mehrwert zu schaffen.

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