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Braukunst in Wallenfels
„Meisterdieb“ und „Scharfschütze“
Brauer Rob Smith setzt in seiner Malz-Schmiede auf Handarbeit.
Brauer Rob Smith setzt in seiner Malz-Schmiede auf Handarbeit. // Maria Löffler
Wallenfels – Bier aus der „Malz-Schmiede“ in Wallenfels punktet auch mit originellen Etiketten. Brauer Rob Smith erweitert in Kürze sein Sortiment um den „Bäuerin Bock“.

Rob Smith ist in der Nähe des Sherwood Forest aufgewachsen – in der Grafschaft Nottinghamshire. Also genau da, wo einst die Sagengestalt „Robin Hood“ angeblich ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Der Engländer grinst verschmitzt, als er das erzählt. Dann spricht er über seine Heimat, die er vor rund 17 Jahren mit einem klaren Ziel verlassen hatte: sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Nun verkauft er selbst gebrautes Bier in Flaschen mit originellen Etiketten und nennt es beispielsweise „Holzmacher“, „Floßmeister“ oder „Druide“.

Der 35-jährige Engländer, der auf dem Land groß wurde, fühlt sich wohl in seiner Wahlheimat Wallenfels, in der er mittlerweile tief verwurzelt ist. Vielleicht auch, weil er sich bereits seit 1991 immer mal hier aufgehalten hat, Schüleraustausch, Ferienjob und Praktikum – Oberfranken hat es ihm einfach angetan. Und dann erzählt er, wann es bei ihm endgültig „Klick“ gemacht hat. Nun muss er selbst lachen. „Also, ich hatt dou mol a Schlüsselerlebnis“, erzählt er in feinstem Wallenfelserisch. Dann wechselt er ins Hochdeutsche: „Ich hab ein Praktikum beim Wallenfelser Bauhof absolviert. Da gab es einen Rohrbruch und die Arbeiten, bis aufs Asphaltieren, hat alle der Bauhof selbst erledigt. Davon war ich so fasziniert, dass ich dachte: Das ist die fränkische Mentalität – gefällt mir.“

Malzschmied: Kein Bier von der Stange

Für diese Einstellung musste er in seinem Geburtsland sogar mal teuer bezahlen. „Ich habe in der Schulmannschaft Fußball gespielt – im Deutschlandtrikot. Daraufhin wurde ich mehrmals unsanft gefoult.“ Zurückschauen mag er jetzt aber nicht mehr. Viel lieber konzentriert sich der 35-Jährige auf die Gegenwart und die Zukunft.

Sein Blick schweift dabei über seine kleine, aber feine Biermanufaktur. Dass es hier eher steril und zweckmäßig zugeht, liegt wohl in der Natur der Sache. Bier von der Stange sucht man bei Rob Smith aber vergeblich. Er macht sich nämlich nicht nur einen Kopf, was in die Flasche kommt, sondern auch, was außen draufsteht. „Weil sich im Bier Wissenschaft und Kunst vereinigen.“ Für ihn ist dieses Getränk „nicht einfach nur Bier“, sondern ein Produkt, auf das er stolz sein möchte. „Was macht es denn für einen Sinn, wenn man mit kleinsten Mengen Eiweiß, dem Kohlensäuregehalt und bestimmten Aromakomponenten spielt und dann einfach nur ,Bier‘ draufschreibt.“

Der Ferrari unter den Bieren

Dabei blickt er so verständnislos, dass man beinahe schon Mitleid hat. Rob Smith hat vielmehr den Anspruch, den „Ferrari unter den Bieren“ zu brauen. Ok, Bier ist wirklich kein Thema, bei dem er Spaß versteht. Vielleicht auch, weil es – wenig überraschend – natürlich sein Lieblingsgetränk ist.

In seiner Malzschmiede ist Handwerksarbeit gefragt. Seine Etiketten klebt er von Hand und auch sonst legt er Wert auf „analog statt digital“ – zumindest was seine Brauerei betrifft. Aber wo nimmt er sie denn her, seine Ideen fürs Pils, den Bock, das Weizen oder das Märzen? Googeln ist für ihn schon mal keine Option. „Ich sitze mit Stift und Zettel an meinem Schreibtisch, notiere meine Ideen, tüftle mit Komponenten und am Ende entsteht daraus eine Biersorte.“

Gesamtkunstwerk namens Bier

Ah ja, so einfach also? Nein, natürlich nicht. Die Herkunft der Zutaten, die er verwendet, also Hopfen, Malz, Wasser und Hefe, stehen am Ende im Zusammenhang mit den Berufen, die sich auf dem Etikett wiederfinden. Und selbst der Farbton des Bieres hat etwas mit seiner Bezeichnung zu tun. Damit schafft er quasi ein „Gesamtkunstwerk“.

Der Brauer versucht, Kreativität zu perfektionieren. Doch warum? „Ich heiße Smith, was übersetzt ,Schmied‘ bedeutet. Bei der Namensfindung für meine Brauerei war ich nicht so kreativ, wie man vielleicht denkt. Aber das gleiche ich mit meiner Arbeit wieder aus.“

Auch über die Namen seiner Biersorten zerbricht sich Rob Smith den Kopf.
Auch über die Namen seiner Biersorten zerbricht sich Rob Smith den Kopf. // Maria Löffler

Doch woher nimmt er die Ideen für seine Bildmotive und die Namen der Biere? „Wie gesagt, ich sitze mit Stift und Notizblock.…“ Tatsächlich aber nicht nur. Er geht förmlich auf die Jagd nach alten Bildern, sobald er weiß, was er sucht – nämlich Menschen bei der Arbeit. Mit Vorliebe sucht er sich traditionelle Handwerksberufe, die es teilweise in der heutigen Zeit so gar nicht mehr gibt. Zumindest der „Druide“ dürfte ausgestorben sein.

Smith schmiedet „flüssiges Gold“

Zwei- bis dreimal jährlich erfindet er eine neue Biersorte. In Kürze kommt sein „Bäuerin Bock“ auf den Markt und es wird – wie all seine anderen Biere – mindestens vier Hopfensorten enthalten. Hopfensorten mit leichten Tabaknoten oder einfach nur würzig. Das neue Bockbier jedenfalls ist am Ende bernsteinfarben und enthält Naturhopfen aus Wallenfels.

Smith, der von sich selbst behauptet, dass er „aus besonderem Malz sein eigenes, flüssiges Gold schmiedet“, schmiedet allerdings gerne auch Pläne. Zum Beispiel, wie er expandieren kann. „Ich würde gerne noch mehr Supermärkte und Gaststätten beliefern.“

Bierkalender

Floßmeister: Eisig-weiches Frankenwaldwasser trifft auf frischen Hopfen. Gewidmet ist es den Wallenfelser Flößern und erhältlich das ganze Jahr.

Holzmacher Helles: Für ein echtes „Waldfeeling“ wurde Halltertauer Herkules verwendet, das dem Bier ein harziges Aroma verleiht. Erhältlich ist es ebenfalls ganzjährig.

Meisterdieb Ale: Hommage an Robin Hood. Verfeinert wird das Bier mit Target Hopfen und spezieller Nottingham-Hefe. Farbtöne dunkler Eichen und Aromen von Waldfrüchten sollen den Genuss noch erhöhen. Erhältlich ist es ebenfalls das ganze Jahr über.

Wirt Weizen: Eine Hommage an die oberfränkische Wirtshauskultur. In dem Weizen trifft feinporiger Schaum auf das Aroma süßer Früchte und einer leichten Karamellnote. Ganzjährig erhältlich.

Flaschnermeister Festbier: Gewidmet ist es den „Blechlamachern“. Das kalt gehopfte Festbier soll ein Abenteuer für den Gaumen sein. Erhältlich ist es ab der Sommersonnenwende bis in den Herbst hinein.

Schuhmacher Zwickel: Das Zwickel ehrt den Schuhmacher mit Farbtönen aus braunem Leder. Sein Aroma ist blumig-pfeffrig. Es gibt das Zwickel vom ersten Advent bis zum März.

Druide: Frankenwaldhanf soll hier die Kräuter und Pflanzen ersetzen, die normalerweise in den Zaubertrank gehören. Der Hanf wird im Wallenfelser Ortsteil Wolfersgrün angebaut. Erhältlich ist es von September bis März.

Scharfschütze: Dieses Festbier gibt es ausschließlich zur Freischießenzeit.

Von Rauchfleisch bis Waldhonig und Karamell

Bier ist nicht gleich Bier: Die Zahl der unterschiedlichen Biersorten ist schon beinahe unüberschaubar geworden. Von hell bis dunkel, von süß bis herb, mit dezenten Fruchtnoten und zünftigen Aromen ist alles dabei. Bier ist halt einfach Geschmackssache. Hier seine Auswahl der bekanntesten Marken:

Guinness gehört wohl zu den bekanntesten Marken weltweit. Das irische Stout ist sehr dunkel und verfügt über eine cremige Schaumkrone.

Lagerbier wird mit untergäriger Hefe gebraut und vor dem Trinken gelagert.

Kölsch kommt aus Köln und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Stout-Bier kommt aus England und Irland, ist obergärig und hat eine beinahe schwarze Farbe.

Wer etwas Neues ausprobieren möchte, kann es mal mit Craft Beer versuchen. Es ist unkonventionell und klassisch.

Ale und Co stammt von den britischen Inseln, wird aber auch in Deutschland immer beliebter.

Märzen zeichnet sich durch die Verwendung von verschiedenen Malzsorten aus. Es muss im kalten Lagertank sehr lange reifen.

Ein Pilsener ist hopfenbetont, zum Teil bitter und steht so gut wie auf jeder Getränkekarte.

Rauchbier ist dunkel und hat einen Hauch von Rauchfleischgeschmack.

Craft Beer zeichnet sich durch neue Aromahopfensorten aus, die auch alkoholfreiem Bier mehr Geschmack verleihen.

Dunkles Bier hat feine Röstaromen, einen süßlichen Malzgeschmack und Noten von Karamell, Waldhonig und Schokolade.

Bockbiere sind als Starkbiere überall in Deutschland beliebt – vor allem im Winter und im Frühling.

Kellerbier oder Zwickelbier liegt mit süffig milden Sorten voll im Trend.

Weißbier ist auf der ganzen Welt bekannt und selbst in Amerika oder China beliebt.

Helles ist untergäriges Lagerbier und vor allem in Deutschland zu Hause.

Eisbock ist eine Bierspezialität, bei deren Herstellung dem Bier durch Gefrieren Wasser entzogen wird.

Schwarzbier ist ein sehr dunkles Bier mit Geschmacksnoten von süß bis rauchig.

Zoigl ist seit 2018 bundesweites immaterielles Kulturerbe.

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