Bald gehört sie ganz den Bürgern: Anfang Mai wird die „Neue Mitte“ in Mitwitz eröffnet. Die Eröffnung am Samstag ist auch was für Holzliebhaber, denn Besucher dürfen selbst etwas bauen. Der neue Holzpavillon im Herzen von Mitwitz macht nicht nur was her, sondern ist auch nachhaltig. Er wurde aus recyceltem Käferholz konstruiert. Am Samstag um 14 Uhr soll das moderne Gebilde mit musikalischer Untermalung der Band Lizharmonic, einem symbolischen Baumstammsägen und dem Zusammenbau eigener Mini-Pavillons eingeweiht werden.
Eine „Stadtreparatur“
Studenten der Hochschule Coburg haben das Projekt vollendet. Markus Schlempp, Studiengangsleiter im „Master Design“ und im „Bachelor Architektur“ sieht zwei Lehr-Schwerpunkte in dem Projekt vereint: „Zum einen handelt es sich aus architektonisch städtebaulicher Sicht um eine Stadtreparatur, die am vorhandenen Potenzial anknüpft und die Attraktivität in der Ortsmitte erhöht.“ Dadurch würden baukulturelle Werte und Heimat geschaffen. „Zum anderen zeigt das Projekt, wie die Zukunft des Holzbaus, aber auch des Handwerks an sich aussehen muss.“
Nach dem Abriss eines alten Hauses war im Ortskern von Mitwitz eine Lücke geblieben. Heute steht dort eine neue Markthalle in Form eines Pavillons auf einem modernisierten Dorfplatz. Er ist nicht nur multifunktional, sondern verbindet auch die regionale Holzbautradition mit nachhaltigem, modernem Holzbau, der sich beinahe nahtlos in die umliegenden, rustikalen Gebäude einpasst. Der leicht vergrößerte Abstand der Markthalle zum Nachbargebäude schafft eine neue Wegverbindung in die Natur und zu zukünftigen Bauprojekten in Mitwitz. Die Hauptstraße erhält ihre Bedeutung als Marktstraße zurück.
Treffpunkt geschaffen
Das Ganze sei ein Beispiel für gewinnbringende Zusammenarbeit von Hochschule, lokalen Betrieben und Markt-Gemeinde. So wird auch an der Hochschule gelehrt, versichert Schlempp: „In unserer Lehre haben die eins-zu-eins Projekte einen ganz besonderen Stellenwert, da der Lerneffekt durch das Begreifen, wie das Wort schon innehat, am effektivsten ist und den Studierenden eine praxisnahe Ausbildung sichert.“
Regionale Betriebe stärken
Den Startschuss hatte es ein Symposium des Studiengangs Architektur zum Thema nachhaltiger Holzbau im Wintersemester 2021/22 gegeben. Die Frage lautete, wie in der industriellen Verarbeitung ein sparsamerer Einsatz von Holz möglich ist, um vor allem regionale Unternehmen zu stärken. Mit der Marktgemeinde Mitwitz wurden Entwürfe für einen nachhaltigen Holzbau erarbeitet.
Kaum ein anderer Rohstoff im Bausektor wird im Moment so gefördert wie das Holz. Es erlebt als nachwachsender Baustoff derzeit eine Renaissance, sogar beim Bau mehrgeschossiger Wohnungen. Da der gesamte Bausektor für rund ein Viertel des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, werden besonders hier neue Wege zum Umweltschutz und der Schonung von Ressourcen gesucht.
Kleiner, flexibler
Auch vonseiten der Politik muss sich etwas tun, fordert Professor Schlempp: „Das Handwerk vor Ort muss wieder gestärkt werden. Große, industrialisierte Handwerksbetriebe sind zu schwerfällig, unflexibel und oft zu weit weg, um angemessene Lösungen im Bestand zu erbringen. Es braucht nachhaltige, ressourcenschonende und partizipative Ansätze, um mit den Leuten und den Materialien vor Ort, einfache und erschwingliche Gebäude zu erstellen, die an der traditionellen Baukultur im ländlichen Raum anknüpfen und vertraute Werte schaffen.“
Im Wintersemester 2022/23 erstellten Studierende die ersten Modelle. Ein regionaler Betonfertigteilhersteller und ein Zimmerermeister erledigten die Grundarbeiten. Die Fundamente mussten sie im Nachgang nochmals genau vermessen werden, um den Abbund millimetergenau darauf anzupassen. Das geschah in einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang digitale Denkmaltechnologien der Hochschule Coburg in Kooperation mit der Universität Bamberg. So konnten passgenaue Pläne entwickelt werden.
In den Semesterferien, nachdem die Ausführungsplanung von dem Prüfstatiker freigegeben und das Holz im Sägewerk begutachtet worden war, konnten die Studierenden mit dem Zimmerermeister den Abbund des Holzes für den Pavillon beginnen.
Rohbau nach einer Woche
Im März 2023 wurden die Bauarbeiten für die Platzgestaltung durch das Gartenbauunternehmen abgeschlossen. Nach Ostern 2023 begannen die Studenten und Zimmermeister Samuel Friedrich mit der Montage der abgebundenen Holzkonstruktion. Mit Hilfe des Zimmerermeisters Harald Gräf aus Mainleus und des Krans der Zimmerei Kögel stand der Rohbau innerhalb einer Woche. Am 3. Mai wurde das Richtfest gefeiert.
Mitte August 2023 wurde ein Unterdach aus Polycarbonatplatten montiert, wonach die Dach- und Fassadenelemente aus heimischer Lärche, die die Studenten an der Hochschule vorgefertigt hatten, montiert wurden. Nun sind alle Arbeiten abgeschlossen, nur die Eröffnung steht noch aus. Das Projekt wird von der Bayerischen Städteförderung unterstützt.












