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Sanierung und Altlasten
Bürgerspital und Sandgrube: Finanzielle Hürden drohen
Bürgerspital
Das Kronacher Bürgerspital // Foto: Marco Meißner
Signet des Fränkischen Tags von Veronika Schadeck
Kronach – Kronach will im Spital Wohnraum schaffen und muss Altlasten aus der Sandgrube loswerden. Ob und wie diese Millionenprojekte für die Spitalstiftung zu stemmen sind, darüber teilen sich die Meinungen.

Im Bürgerspital Kronach sollen kleine, bezahlbare Ein- bis Zwei-Zimmer-Appartements entstehen. Ergänzt werden sollen sie durch Platz für soziale Nutzungen. Berichten zufolge befindet sich das Projekt in der Leistungsphase drei, das heißt, die Kosten werden ermittelt. Aber wird das Projekt Realität oder bleibt es nur, nicht zuletzt wegen der Finanzierung, ein Wunsch?


In diesem Artikel finden Sie folgende Stimmen zum Bürgerspital und zur Sandgrube:


Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann erklärt den Sachstand

Während Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) in der Jahresabschlusssitzung des Stadtrats Mitte Dezember davon gesprochen hat, dass alles aufgearbeitet sei, ging ZKCB-Fraktionsvorsitzender Martin Panzer von enormen finanziellen Belastungen aus, zumal das Bürgerspital und die Sandgruben bei Birkach im Besitz der Spitalstiftung Kronach sind und durch die Stadt verwaltet werden. Bei den Sandgruben laufen Untersuchungen wegen belasteten Materials, das die Stadt eventuell entsorgen muss. 

Bürgerspital
Das Bürgerspital als Eingangstor zur Kronacher Innenstadt. // Foto: Marco Meißner

Wie ist denn nun der Stand der Dinge an der Grube? "Im Einvernehmen mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt wurden weitergehende Untersuchungen durch Baggerschürfe und Tiefbohrungen vorgenommen", sagt Bürgermeisterin Angela Hofmann. Hierfür lägen nun für einen Teil der Sandgrube Messdaten vor. Die restlichen Ergebnisse würden wahrscheinlich in der Stadtratssitzung im März der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden. Wie es insgesamt am Gelände weitergeht, sei nun mit den Behörden abzustimmen. Daher lasse sich weder konkret zu den Maßnahmen noch zu den Kosten beziehungsweise Förderungen Genaueres sagen. Grundsätzlich gebe es für Altlastensanierungen jedoch Fördermöglichkeiten.

Beim Bürgerspital werden laut der Bürgermeisterin nach Abschluss der Leistungsphase 3 – diese soll im ersten Quartal 2026 beendet sein – Förderkulissen für den Städtebau- und Wohnraum geprüft. 

Sabine Gross spricht von "einer einzigen Katastrophe"

Die SPD-Landtagsabgeordnete und Stadträtin Sabine Gross spricht von einer Differenzierung zwischen „neuer“ und „alter“ Sandgrube. Bei der „neuen“ sei eine Verfüllung mit Schadstoffmaterial festgestellt worden. Sie spricht von weiteren notwendigen Untersuchungen, beispielsweise dahingehend wie viel von diesem Material tatsächlich eingebracht wurde. Für die „alte“ Sandgrube stehe eine Beprobung noch aus. Es sei jedoch sicher, dass dort stärker belastetes Material verfüllt worden sei.

Bezüglich der Kosten für eine Beseitigung der Altlasten bei den Sandgruben und der Frage, ob die Spitalstiftung diese aufbringen könne, sei noch keine verlässliche Summe zu nennen. Denn es stehe noch nicht fest, wieviel Material zu beseitigen sei.

Für Gross ist jedoch klar, dass die Stiftung die geschätzten Kosten für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Sanierung des Bürgerspitals in Höhe von rund zehn Millionen Euro nicht werde aufbringen können. Es müsste ihrer Ansicht nach auf jeden Fall eine Kreditaufnahme erfolgen. Sie erinnert daran, dass man im Jahre 2020 das Spital noch mit dem eigenen Bauhof ertüchtigen wollte und die Kosten auf 500.000 Euro geschätzt wurden. Auf keinen Fall sei bezahlbarer Wohnraum mit einer Miete von bis zu zehn Euro pro Quadratmeter wirtschaftlich realisierbar. Sie spricht von „fröhlichen Hirngespinsten“, denen nachgejagt werde. Auch gebe es keine realistische Chance auf Wohnraumförderung, weil die Bewilligungsbehörde auch die Wirtschaftlichkeit eines Projekts prüfe. Zwar seien Städtebauförderungen möglich, aber die gebe es nur für eine Generalsanierung und nicht für den Bau von Wohnungen. „Das ganze Projekt ist eine einzige Katastrophe“, sagt Gross.

Jonas Geissler sieht bei Spitalprojekt verpasste Chancen

"Die Kosten für die Beseitigung von Altlasten in den Sandgruben können noch nicht abgeschätzt werden, da noch weitere Untersuchungen folgen müssen", erklärt der CSU-Bundestagsabgeordnete und Stadtrat Jonas Geissler.

Ob die Spitalstiftung beide Projekte, nämlich die Beseitigung der Altlasten und neue Nutzung des Bürgerspitals, tragen könnte, ist für ihn fraglich. Sollte der schlimmste Fall eintreten, habe die Stiftung ein Problem, sagt er.  Die Stadt Kronach habe in der Vergangenheit einige historische Fehler gemacht. Sie hätte bei der Schließung des Bürgerspitals im Jahr 2014 zusammen mit dem Caritas-Kreisverband das Projekt „In der Heimat wohnen“ realisieren sollen. Dann hätte das Spital im Rahmen der Förderoffensive Nordost-Bayern saniert werden können, ist seine Meinung. Auch unter Bauminister Hans Reichhart habe es bis 2019 die Chance gegeben, eine Sanierung des Spitals anzugehen.

Jürgen Baumgärtner rechnet mit Kosten in Millionenhöhe

Der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner vermutete, dass in der neuen Sandgrube Material eingebaut wurde, das nicht den Richtlinien entspricht. Diese Einschätzung habe sich bewahrheitet, stellt er fest. Schon vor Jahren habe er um eine Prüfung gebeten, ob das Material dort verbleiben kann. Dem Wunsch konnte allerdings aus rechtlicher Sicht nicht entsprochen werden. Jetzt gehe es darum, dass das Gesamtvolumen des eingebauten Materials von rund 265.000 Tonnen zum größten Teil aus der Sandgrube herausgenommen werden müsse.

Für ihn stellt sich die Frage, ob das belastete Material für Straßenbauprojekte verwendet werden könne. Dann käme die Stiftung mit rund 2,5 Millionen Euro an Transport- und Beprobungskosten noch günstig weg. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, sei ein Transport auf eine Deponie unumgänglich. Dann müsste man mit mehr als zehn Millionen Euro -ohne Transportkosten - rechnen.

Für die Stadt Kronach bedeute das eine enorme Belastung. Hinzu komme noch das Problem mit der „Schlangenburg“. Dabei stehe die Stadt vor Herausforderungen, Altlasten zu sanieren, die die jetzige Entscheider-Generation nicht zu verantworten habe. Welche Folgen das Ganze für eine Sanierung des Bürgerspitals habe, könnten nur die Stadträte beantworten. Fakt sei, dass die Sanierung der Sandgruben und des Spitals aufgrund der Konstellation mit der Spitalstiftung insgesamt bewertet werden müssten.

Harald Meußgeier nennt Vorgang ein "politisches Tamtam"

Für den AfD-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Harald Meußgeier ist das alles ein „politisches Tamtam“. Er verweist auf Untersuchungen, die noch laufen.

Das sagt das Landratsamt Kronach zu den Untersuchungsergebnissen

Aus dem Landratsamt wird bestätigt, dass der Untersuchungsbericht für die „neue Sandgrube“ vorliegt. Bei den insgesamt acht Schürfen und drei Kernbohrungen seien zudem chemische Untersuchungen durchgeführt wurden.

Das Ergebnis zeigt demnach, dass aus abfallrechtlicher Sicht ausschließlich Material der Einstufung "ZO" hätte eingebaut werden dürfen – in diesem Fall wäre dies reines Bodenmaterial.

Die Ergebnisse zeigen laut dem Landratsamt jedoch, dass die ZO-Werte in allen Proben überschritten sind. Insofern müsste das Material an den Entnahmestellen entfernt werden. Um ein abschließendes Ergebnis zu erhalten, müssten großflächig auf Basis eines von der Stadt vorzulegenden Probeentnahmeplans Baggerschürfe vorgenommen und der Erdaushub beprobt werden. Erst dann könne das komplette Ausmaß des erforderlichen Aushubes ermittelt werden. Es wird von schätzungsweise 265.000 Tonnen Materialumfang gesprochen. Für den Bereich „alte Sandgrube“ steht der Bericht noch aus.

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