Den 29. September 2022 werden Adriana Lamprecht (40) und ihre Tochter Mia (10) so schnell nicht vergessen. „Ich bin an dem Tag eher von der Arbeit gekommen“, erinnert sich die 40-jährige alleinerziehende Mutter.
Kurz nach 16 Uhr habe es einen lauten Knall im Haus gegeben. „Als ich die Tür zum Treppenhaus aufgemacht habe, kam nur ein Schwall schwarzen Rauchs rein“, erzählt sie. Der Rauchmelder in der Wohnung habe sofort Alarm geschlagen.
Erst später stellte sich heraus, dass es sich um den ersten von zwei mutmaßlich von einem Nachbarn gelegten Bränden im Keller des Wohnblocks der Hammelburger Wohnungsbaugenossenschaft in der Adolf-Kolping-Straße handelte.
Zweiter Brand nach fünf Tagen
Nur fünf Tage nach dem ersten Brand im Keller der Hausnummer 6 heulten am 4. Oktober erneut die Sirenen: In der Hausnummer 2 kam es im Keller zu einem noch größeren Brand. Unter anderem schmorten sämtliche Stromleitungen durch, der gesamte Wohnblock Kolping-Straße 2 bis 6 mit insgesamt 18 Wohnungen wurde unbewohnbar.
Nur wenige Tage später meldete die Staatsanwaltschaft Schweinfurt einen Fahndungserfolg: Ein Bewohner des Wohnblocks wurde festgenommen.
Verdächtiger weiter in U-Haft
„Der Verdächtige sitzt weiterhin in Untersuchungshaft“, teilt die Staatsanwaltschaft Schweinfurt auf Nachfrage mit, und: „Der Beschuldigte bestreitet weiterhin die Täterschaft.“ Bislang seinen die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Die Wohnungsbaugenossenschaft hat mittlerweile gehandelt, auch im Interesse der Nachbarn: „Unabhängig von einer gerichtlichen Verurteilung haben wir mit dem Tatverdächtigen eine Lösung gefunden“, berichtet Marco Lummel, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft Hammelburg: Das Mietverhältnis sei zum 31. Dezember 2022 einvernehmlich beendet worden. Angehörige würden aktuell die Wohnung räumen, in der zweiten Januarhälfte werde sie übergeben.
Vertrauen in die Justiz
Über diese Entwicklung ist auch Adriana Lamprecht froh. „Ich kannte ihn gar nicht“, sagt die 40-Jährige über den Bewohner des Nachbarhauses. Sie wolle ihn auch nicht vorverurteilen, die Aufarbeitung liege jetzt bei Staatsanwaltschaft und Justiz.
Sobald die Brandstelle freigegeben war, machte sich die Wohnungsbaugenossenschaft an die Arbeit: Zunächst konnten die Bewohner der Hausnummer 4 wieder einziehen, weil es im mittleren Gebäude nicht gebrannt hatte, sondern dort nur Schäden durch den Rauch entstanden, nach rund drei Wochen wurden die Wohnungen der Hausnummer 6 wieder freigegeben, Mitte November dann auch die des am stärksten beschädigten Gebäudes Hausnummer 2.
„Die Reinigungsarbeiten sind vollständig abgeschlossen“, fasst Lummel den aktuellen Stand zusammen. Zentimeter für Zentimeter seien alle Wände und Rohre eingesprüht und abgesaugt worden.
Die Arbeiten an der zum Teil verrußten Fassade wurden laut Lummel noch vor Weihnachten beendet. „Die Elektroversorgung im Kellerbereich und in den Treppenhäusern wurde nahezu vollständig erneuert und der Anschluss an das TV-Netz sowie dem Internet wiederhergestellt“, berichtet der geschäftsführende Vorstand weiter. Weitere Arbeiten ziehen sich bis Ostern hin.










