„Ich habe den Geruch bis heute immer noch in der Nase“, sagt Adriana Lamprecht. Auch wenn der Brand und die Rettung aus der Wohnung am 29. September für alle Mieter glimpflich ausging, sitzt der Schock noch immer tief.
„Sobald wir eine Sirene hören, schauen wir überall“, erzählt die 40-Jährige. Ihre Tochter habe sie seitdem nicht mehr alleine in der Wohnung gelassen: „Das steckt einfach noch in den Knochen.“
Während des Brandes reagierte die alleinerziehende Mutter ruhig und überlegt: „Ich mache bei mir auf der Arbeit regelmäßig Brandschutzübungen“, vermutet sie als Ursache. Zunächst habe sie die Tür zum Treppenhaus verschlossen.
Dann setzte sie einen Notruf ab: Die integrierte Leitstelle habe zwar schon Bescheid gewusst, habe das Gespräch aber trotzdem ruhig und mit viel Ablenkung bis zur Rettung weitergeführt.
Handy und Haustiere eingepackt
Vor dem Balkon sei ebenfalls starker Rauch aufgestiegen, zudem sei nach und nach immer mehr Rauch entlang der Heizungsrohre bis in die Wohnung im obersten Stockwerk gezogen.
Also gingen Mutter und Tochter ins Schlafzimmer, zogen sich warme Jacken über und nahmen zumindest das Wichtigste mit: Handy, persönliche Dokumente und Haustiere.
„Die Feuerwehr war schnell vor Ort“, lobt Adriana Lamprecht die Einsatzkräfte. Kontrolliert und ohne Hektik seien sie mit der Drehleiter über das Fenster gerettet worden. „Mia hat gleich Sauerstoff bekommen, das Rote Kreuz hatte eine Sammelstelle eingerichtet.“
Nach der tollen Erstversorgung durch die Sanitäter und Notärzte und einer abschließenden Untersuchung seien sie bei Adriana Lamprechts Mutter ganz in der Nähe untergekommen. Beim zweiten Brand am 4. Oktober konnte die Feuerwehr nicht überall mit der Drehleiter hinkommen, deshalb wurden einzelne Bewohner mit Rettungshaube über dem Kopf durchs Treppenhaus geleitet.
Lob für alle Beteiligten
„Die Kriminalpolizei und die Wohnungsbaugenossenschaft haben sich sehr gut gekümmert“, beschreibt Adiana Lamprecht auch die Tage nach dem Brand: Obwohl die Brandstelle gesperrt war, durften sich Mieter in Begleitung zumindest einige wichtige Dinge wie die Schulsachen der Kinder aus den Wohnungen holen.
„Mit Kleidern haben uns Freunde und Familie ausgeholfen.“ Insgesamt fünf Wochen mussten Mia und Adriana Lamprecht warten, bis sie wieder einziehen konnten. In den Allerheiligenferien war es endlich soweit: „Es haben uns zwar alle toll unterstützt, aber es ist doch was ganz anderes, wenn man wieder in den eigenen vier Wänden Weihnachten feiern kann.“
Gegenstände im Keller sind verloren
Auch wenn relativ wenig Rauch in die Wohnung gekommen sei, habe sie alle Kleider waschen sowie Möbel und Wände abwischen müssen. Vieles ist aber auch ganz verloren: „Was im Keller war, ist jetzt in der Mülldeponie“, sagt die 40-Jährige.
Nur vier Boxen mit Kindersachen und Fahrräder habe sie vorerst bei Bekannten untergestellt, aber: „Das stinkt bestialisch.“ Ob davon noch etwas als Erinnerungsstück zu retten sei, wisse sie nicht. Viele alte Bilder, Möbelstücke, ihre Faschingskostüme und Elektrogeräte seien verloren. Hausratsversicherung habe sie leider keine. Wie groß der Schaden ist und ob sie jemals etwas davon ersetzt bekommt, sei völlig offen.
Zweiten Brand aus der Ferne miterlebt
Fünf Tage nach dem ersten Brand ging es dann am anderen Ende des Wohnblocks in der Hausnummer 2 weiter. „Ich saß bei meiner Mutter auf dem Balkon und habe die Rauchsäule gesehen“, erinnert sich Adriana Lamprecht, und: „Da ging alles von vorne los, man hat sofort alle Bilder wieder im Kopf.“ Insgesamt habe ihre Tochter den Brand „besser als gedacht“ verarbeitet.
„Verflixtes Jahr weggeschossen“
Obwohl sie sonst nicht böllern, hätten sie am Silvesterabend sogar ein paar Wunderkerzen und ein kleines Feuerwerk gemacht. „Wir haben das verflixte Jahr 2022 einfach weggeschossen“, sagt Adriana Lamprecht heute lachend.
Den Schaden an den Gebäuden schätzt Marco Lummel von der Wohnungsbaugenossenschaft auf 250.000 Euro. Den größten Teil übernehme die Versicherung. Einige Arbeiten seien aber auch zusätzlich in Auftrag gegeben worden, etwa der Einbau weiterer Brandmelder und Brandschutztüren im Keller.
Auch bei den Arbeiten an der Fassade und in den Treppenhäusern werde die Genossenschaft vermutlich einige Kosten selbst übernehmen müssen.
Einige Fragen seien aber noch offen: „Es bleibt beispielsweise abzuwarten, wer die Kosten für die Unterbringung der Mieter übernimmt“, sagt Lummel. Die Genossenschaft hatte für alle, die keine andere Möglichkeit hatten, Hotelzimmer gesucht und sei in Vorleistung gegangen. Weil viele Mieter keine Hausratversicherung haben, müsse nun geklärt werden, wer zahle.
Arbeiten ziehen sich bis Ostern hin
Die Genossenschaft hat mittlerweile defekte Wohnungs- und Hauseingangstüren sowie Fenster ersetzen lassen. „Die Kellereingangstüren werden voraussichtlich bis Anfang Februar getauscht“, berichtet Lummel. In der Hausnummer 6 seien die meisten Arbeiten abgeschlossen, unter anderem wurde das Treppenhaus neu verputzt.
Jetzt seien die anderen Treppenhäuser an der Reihe, in dieser Woche werden sämtliche Leitungen im Keller isoliert. „Die einzelnen Kellerabteile werden voraussichtlich im Januar und Februar wieder eingebaut.“ Im März/April kommen dann noch neue Brandschutztüren für den Kellerabgang in den Treppenhäusern. „Somit ist der Keller noch einige Zeit nicht nutzbar“, bittet Lummel um Verständnis.










