Selbst mit dem Wissen, dass es nur eine Übung ist, sind die Bilder schockierend: Ein Zug steht auf offener Strecke, alles dunkel, von innen klopfen Menschen gegen die Scheiben, leuchten mit dem Handy.
Kurz nach 23 Uhr in der Nacht auf Freitag beginnt das Übungsszenario: Ein Zug fällt aus, der Lokführer setzt einen Notruf ab, wird aber kurz danach bei Löschversuchen selbst schwer verletzt. Weitere Notrufe folgen, rund ein Dutzend Menschen, darunter eine Gruppe der Lebenshilfe, ist im Zug eingeschlossen.
Dieses Video vermittelt einen Eindruck vom Einsatz:
Feuerwehrübung auf der Saaletalbahn zwischen Hammelburg und Diebach
Walter Emmert als Erstes am Einsatzort
Feuerwehrmann Walter Emmert war der erste am Zug. „Ich habe schon viel gesehen, aber noch nie so einen Massenanfall an Verletzten“, fasst der erfahrene Zugführer nach der Übung die Situation zusammen.
„Maßlos überfordert“ sei er gewesen. Das Szenario sei aber realistisch: „So etwas kann ja jederzeit passieren.“
Unterstützung von der Erfurter Bahn
Vorbereitet hat die Übung Stefan Ruppert von der Hammelburger Feuerwehr und Kreisbrandmeister Elmar Eisenmann. Viel Unterstützung kam von der Erfurter Bahn: „Solche Übungen sind in unserem Sicherheitsmanagement-System verankert und im Eisenbahngesetz gefordert“, berichtet der örtliche Betriebsleiter Chris Antosch.
Auf der Saaletalbahn habe es im Sommer überhaupt die erste Großübung gegeben, damals im Bad Kissinger Bahnhof. Das jetzige Szenario eines brennenden Zuges auf offener Strecke sei ganz neu und nur nach Ende des Zugbetriebs mitten in der Nacht möglich.
Freigabe muss per Fax vorliegen
Vor Ort war auch Notfallmanager der DB-Netz, der sich eng mit dem Einsatzleiter und Hammelburger Kommandanten Michael Ohmert austauschte. Drei solcher Notfallmanager gibt es in Unterfranken, innerhalb von 30 Minuten sollen sie vor Ort sein.
Wichtig sei im Ernstfall: Rettungskräfte dürfen erst auf die Schiene, wenn die Leitstelle der Bahn in München schriftlich per Fax der Rettungsleitstelle bestätigt, dass die Strecke gesperrt ist.
Realistisch geschminkte Opfer
Für ein realistisches Übungsszenario sorgten auch Mitarbeiter des Roten Kreuzes und der Med-3-Group, die die Darsteller schminkten und betreuten.
Der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth informierte sich direkt vor Ort und war beeindruckt vom Einsatz der mehr als zehn Wehren aus der Region.
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