Im Münnerstädter Stadtteil Großwenkheim (Lkr. Bad Kissingen) sind die Erinnerungen an die Nacht vom 17. auf den 18. Februar derzeit wieder präsent: Vor dem Landgericht Schweinfurt muss sich ein 18-Jähriger verantworten, der seine 55 Jahre alte Mutter in dieser Nacht ermordet haben und danach das Haus in Brand gesteckt haben soll, um die Tat zu vertuschen.
Die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts verhandelt nicht öffentlich gegen den jungen Mann, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war. Der Vorwurf in der Anklage, unter anderem: Totschlag und schwere Brandstiftung.
Angeklagter soll Vorwürfe eingeräumt haben
Auf Nachfrage erklärte Thomas Fenner, Sprecher des Landgerichts Schweinfurt, zum ersten Prozesstag am 8. Oktober, der Angeklagte habe sich gegenüber dem Gericht geäußert und wie schon im Ermittlungsverfahren gegenüber der Polizei „die Tat im Wesentlichen eingeräumt“. Das Motiv für die Tat liegt offenbar in einem familiären Streit zwischen Mutter und Sohn, der nach den Ermittlungen der Polizei nicht in Großwenkheim wohnte, sondern in der Tatnacht zu Besuch war.
Laut Thomas Fenner hat das Gericht am ersten Prozesstag begonnen, unter anderem die ermittelnden Polizeibeamten als Zeugen zu vernehmen. Angesetzt sind bisher drei weitere Prozesstage bis zum 24. Oktober. Ob diese benötigt werden, ist noch offen. „Im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme sollen noch weitere Zeugen vernommen werden und die Sachverständigen haben ihre Gutachten zu erstatten“, erklärte Gerichtssprecher Fenner.
Die Verhandlung hinter verschlossenen Türen schreibt das Gesetz vor. Diese Verfahren sind immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen, um die Privatsphäre des jugendlichen Angeklagten zu schützen. Das Strafmaß – die Höchststrafe im Jugendstrafrecht beträgt zehn Jahre – wird von Seiten des Landgerichts nach dem Prozess veröffentlicht.
Tat wühlte viele Menschen in Großwenkheim auf
Ein besonders spektakulärer Fall, der ebenfalls nicht öffentlich verhandelt wurde, war der Prozess vor dem Landgericht Würzburg gegen einen Jugendlichen aus Lohr, der seinen Klassenkameraden erschossen hatte.
Bei dem Brand in Großwenkheim Anfang Februar waren über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten im Einsatz. In dem Haus in einer engen Gasse im Altort des Stadtteils von Münnerstadt fanden die Einsatzkräfte damals die Leiche einer 55 Jahre alten Frau. Der Sohn der Verstorbenen und jetzige Angeklagte kam an diesem Abend mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.
Bereits nach wenigen Tagen gab die Kriminalpolizei bekannt, dass es einen dringenden Tatverdacht gegen den jungen Mann gebe, der sich im Lauf der Ermittlungen erhärtete. Er kam später in Untersuchungshaft.
Als in der Woche nach dem Brand klar wurde, was die Hintergründe gewesen sein könnten, wühlte diese Nachricht in dem 775-Einwohner-Dorf die Menschen auf. Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl war damals dabei, als die Feuerwehr den Brand in der Nacht löschte. Er sei an dem Abend fest davon überzeugt gewesen, dass es sich um ein Unglück handelte, sagte er im Februar im Gespräch mit dieser Redaktion. „Dass eine Gewalttat hinter dem Brand steckt, hätte ich nicht für möglich gehalten.“
Mehr aus Großwenkheim:











