Dieser Prozess sorgt für Aufsehen in Schweinfurt: Seit diesem Donnerstag wird gegen früheren Anlageberater der Sparkasse Schweinfurt am Landgericht verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 58-Jährigen vor, meist ältere Kundinnen und Kunden davon überzeugt zu haben, Bargeld von ihren Konten abzuheben und es ihm auszuhändigen, damit er es für sie gewinnbringend anlegt. Tatsächlich habe er das Geld zur Finanzierung seines eigenen „luxuriösen Lebensstils“ verwendet.
Angeklagt ist der 58-Jährige wegen Betrugs in Tateinheit mit Untreue. Die Einschätzung der leitenden Ermittlerin der Kriminalpolizei ist deutlich: „Er hat seine Kunden regelrecht gemolken“, erklärte sie am ersten Prozesstag vor Gericht. Es geht um insgesamt 317 Fälle mit einem Gesamtschaden von über 2,1 Millionen Euro, von denen allerdings ein Teil bereits verjährt ist.
Im mit 30 Besuchern voll besetzten Gerichtssaal dauerte alleine die Verlesung der Anklage fast 70 Minuten. Alle Einzelfälle mit Daten, Abhebungen, Summen, die die insgesamt elf Geschädigte betreffen, mussten vorgelesen werden. Die Details sorgten beim Publikum für Kopfschütteln und Verwunderung.
Angeklagter entschuldigt sich, bestreitet aber einen Teil der Vorwürfe
Mehrere der Geschädigten hatten sich nach der Festnahme des Anlageberaters am 26. November 2024 und der Durchsuchung seines Büros in der Sparkasse und seines Privathauses an diese Redaktion gewandt. Die dem Angeklagten vorgeworfenen Handlungen lassen sich bis 2012 zurückverfolgen. Eine Geschädigte sagte gegenüber dieser Redaktion: „Ich hätte natürlich stutzig werden müssen, aber er hatte immer eine Erklärung parat. Ich habe mich auf ihn verlassen.“
Der 58-Jährige äußerte sich zu Beginn der Verhandlung zum ersten Mal. Die Monate in der Untersuchungshaft hätten ihn veranlasst, sein Handeln zu reflektieren. „Ich möchte aufrichtig um Verzeihung bitten und schäme mich zutiefst“, sagte der Angeklagte. Er deutete an, dass seine Scheidung vor 13 Jahren ihm private finanzielle Sorgen bereitet habe.
Verteidiger Christian Mulzer verlas im Namen seines Mandanten eine Stellungnahme zu den Tatvorwürfen. Darin wurden nicht alle Taten zugegeben. Der ehemalige Anlagenberater bestreitet, bestimmte in der Anklage aufgeführte Abhebungen veranlasst und erhalten zu haben.
Intensive Ermittlung inklusive Abhören des Handys und Observation
Ausgangspunkt der umfangreichen polizeilichen Ermittlungen war die Anzeige eines Anwalts eines inzwischen verstorbenen Geschädigten im Zuge eines Zivilprozesses. Die leitende Kriminalbeamtin sprach mit weiteren Geschädigten, schließlich wurde das Abhören des Handys und eine Observierung des Angeklagten genehmigt.
„Schon eine Stunde nach dem Beginn der Überwachung gab es die ersten verdächtigen Gespräche“, berichtete die Polizistin. Einer Geschädigten habe der Angeklagte gesagt, sie solle 2700 Euro abheben und ihm bringen, „weil er gute Papierchen zum Anlegen hätte“. Schließlich wurde der Anlageberater Ende November 2024 festgenommen.
Bei Durchsuchung große Mengen Bargeld, Schmuck, Uhren gefunden
Bei der Durchsuchung seiner Privaträume wurden Bargeld in sechsstelliger Höhe sowie hochwertiges Mobiliar, Schmuck, Uhren und teurer Wein gefunden. Auch sein Appartement in einem Golfhotel im spanischen Marbella wurde durchsucht.
Die Staatsanwaltschaft hat die „Einziehung von Wertersatz“ von 2.149.216,57 Euro beantragt. Die Anwälte gaben an, ihr Mandant arbeite aktiv an der Wiedergutmachung, sowohl sein Wohnhaus als auch das Appartement in Spanien würden verkauft. Der Erlös werde der Staatsanwaltschaft übergeben.
Der Prozess ist mit acht Verhandlungstagen angesetzt und wird an diesem Freitag fortgesetzt. Zahlreiche Geschädigte sollen vor Gericht aussagen.











