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Nachfolge gesichert
Euerdorf: Hausärztliche Versorgung gesichert
Das Ärzte-Team der Gemeinschaftspraxis in Euerdorf in einem ihrer neuen Behandlungsräume. Hinten: Dominik Lemmerich (links) und Tim Schäfer. Vorne: Johanna Martens (links), Christina Holleber-Sobtzick und Markus Holleber.
Das Ärzte-Team der Gemeinschaftspraxis in Euerdorf in einem ihrer neuen Behandlungsräume. Hinten: Dominik Lemmerich (links) und Tim Schäfer. Vorne: Johanna Martens (links), Christina Holleber-Sobtzick und Markus Holleber. // Milena Meder
Euerdorf – Immer häufiger finden Ärzte keinen Nachfolger mehr und die Praxen werden aufgelöst. Die Euerdorfer hatten Glück, dort ist das nicht so.

Einen Arzt zu finden, ist heutzutage Luxus. Immer mehr Praxen fallen weg – auch bei uns im Landkreis. Kein Wunder also, dass sich unsere Leser im Heimat-Monitor über die Gesundheitsversorgung beklagen. Ein Bürger aus Wartmannsroth ärgert sich: „Einen Hausarzt zu finden, ist schwierig.“

Viele der noch bestehenden Praxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf oder sorgen sich um ihre Nachfolge. Die Forderungen aus dem Heimat-Monitor sind eindeutig: mehr Haus- und Fachärzte, vor allem auf dem Land.

Konzept Gemeinschaftspraxis

Die Hausarztpraxis von Markus Holleber, Christina Holleber-Sobtzick und Dominik Lemmerich hat das geschafft, wovon viele nur träumen können. Fünf Ärzte sowie zwei Assistenzärzte helfen ihren Patienten, wo sie nur können und das an gleich zwei Standorten: in Euerdorf und in Fuchsstadt. Ihr Erfolgsrezept: Teamgeist.

Das Konzept einer Gemeinschaftspraxis gibt es in Euerdorf allerdings noch nicht lange, erst seit 2018. Vorher praktizierten dort zwei voneinander unabhängige Hausärzte: Dr. Jürgen Sobtzick und Peter Bergel. Aber: Mittlerweile sind die Beiden im Ruhestand.

Nachfolge gesichert

Anders als sein Kollege Bergel hatte Sobtzick Glück. Seine Tochter Christina Holleber-Sobtzick war sich sicher: „Für mich war immer klar: Ich möchte Hausärztin werden“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Markus Holleber habe sie sich schließlich dazu entschieden, die Praxis ihres Vaters zu übernehmen.

Hausärztin Christina Holleber-Sobtzick erklärt einer Patientin ihr weiteres Vorgehen.
Hausärztin Christina Holleber-Sobtzick erklärt einer Patientin ihr weiteres Vorgehen. // Milena Meder

Die Räumlichkeiten von Bergel, übernahm dessen Kollege aus der damaligen Kreisklinik Bad Neustadt, Dominik Lemmerich. Gemeinsam entschieden sie sich schließlich für das Konzept einer Gemeinschaftspraxis. „So haben wir es geschafft, zwei Praxen in eine zu führen und die Nachfolge zu sichern“, freut sich Holleber.

Mit den neuen Räumen oberhalb der Apotheke in Euerdorf haben sie nun seit 2019 auch den optimalen Standort für ihre Hausarztpraxis gefunden. Und: Auch Dr. Sigrid Rodemer aus Fuchsstadt ist mit ihrer Praxis ein Teil der Gemeinschaft. „Sie ist trotzdem noch eigenständig, lediglich die Verwaltungsaufgaben laufen über uns“, erklärt Holleber.

Flexibler bei der Terminvergabe

Das neue Konzept sei für alle von Vorteil. „So ist es uns möglich, alles anzubieten, was eine Hausarztpraxis anbieten kann“, sagt der Arzt. Auch bei der Terminvergabe sei man flexibler und könne mehr auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen. Man bekomme bei dringlichen Anliegen auf jeden Fall tagesaktuell einen Termin, wenn auch nicht immer beim jeweiligen Betreuarzt, erklärt er.

Und: Auch für die Ärzte ist das Konzept von Vorteil. Es entstehe die Möglichkeit, sich Freiräume für die individuellen beruflichen Interessen zu nehmen. So praktiziert Lemmerich beispielsweise nebenbei noch als Betriebsarzt, Holleber als Notarzt, während sich seine Frau gerne der Kindermedizin widmet.

Euerdorfer sind zufrieden

Die Euerdorfer scheinen mit diesem Angebot zufrieden zu sein. Im Heimat-Monitor bewerten sie die Gesundheitsversorgung mit sieben von zehn Punkten und landen damit im Landkreisvergleich ganz klar auf dem ersten Platz. Denn: Durchschnittlich wurden nur 4,52 Punkte für das Angebot an Kliniken und Arztpraxen vergeben. Weitere medizinische Angebote wie zum Beispiel Apotheken, Physio und Pflegedienste erhielten 5,01 Punkte. Ein Kissinger beschwert sich: „Der Ärztemangel ist eine reine Katastrophe, zu wenig Fachärzte. Die Praxen schließen, Nachfolge kommt niemand. Auch ist zu bemängeln, dass die Arztpraxen sehr oft über das Jahr verteilt geschlossen sind - meist aus Urlaubsgründen.“

Erste Anlaufstelle der Patienten

Die Praxisinhaberin Holleber-Sobtzick versteht das nachlassende Interesse am Beruf des Allgemeinmediziners nicht. Für sie sei es ein wunderschöner Beruf, der unfassbar abwechslungsreich ist. „Man behandelt die ganz Kleinen, wie auch die älteren Menschen.“ Außerdem seien ihr als Hausärztin die Geschichten vieler Patienten bekannt.

„Früher war der Seelsorger der Pfarrer, jetzt ist es der Hausarzt“, stellt sie fest. Sie selbst sieht sich als Lotsin, denn in vielen Fällen habe nur der Hausarzt einen Überblick über die komplette Krankheitsgeschichte und könne bei Bedarf an weitere Stellen wie Fachärzte oder Kliniken überweisen. Auch ihr Assistenzarzt Dr. Tim Schäfer stimmt da zu. „Der Beruf ist unfassbar vielfältig und die Verbindung zum Patienten ist viel enger als bei einem Facharzt.“

Die Arzthelferinnen der Euerdorfer Hausarztpraxis stehen ihren Patientinnen und Patienten bei Fragen zur Verfügung.
Die Arzthelferinnen der Euerdorfer Hausarztpraxis stehen den Patientinnen und Patienten bei Fragen zur Verfügung. // Milena Meder

Im Team besser

Bei einem sind sich die drei Eigentümer einig: Der Erfolg der Praxis hänge vom gesamten Team ab. „Das ist Mannschaftssport, was wir hier betreiben. Es ist das Team, das es ausmacht“, sagt Markus Holleber. Nur so sei es der Hausarztpraxis überhaupt möglich, ihre Patienten ordnungsgemäß zu versorgen. „Ohne unser Team, wären wir jetzt sicher nicht da, wo wir heute sind“, freut sich auch seine Ehefrau.

 

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