Zur „Landpartie Allgemeinmedizin“ kamen am vergangenen Wochenende 30 Studierende von vier medizinischen Fakultäten der Universitäten Würzburg, Erlangen, Augsburg und München mit ihren Professoren nach Bad Kissingen, um sich über Berufschancen und Lebensqualität im Landkreis zu informieren.
Eingeladen hatte die Geschäftsstelle der „Gesundheitsregion plus“ im Landratsamt, die sich die „Vernetzung für die Medizin von morgen“ zur Aufgabe gemacht hat, in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg.
Hausärztliche Versorgung ein drängendes Thema im Landkreis Bad Kissingen
Schon seit Jahren ist die hausärztliche Versorgung ein drängendes Thema im Landkreis. Bei zunehmend älter werdender Bevölkerung fehlt es an medizinischem Nachwuchs. „Die Planungsregion Bad Kissingen ist der Landkreis mit den ältesten Allgemeinmedizinern in Bayern“, bestätigt Andrea Back, Geschäftsstellenleiterin der „Gesundheitsregion plus“.
Viele Hausärzte haben längst ihr Rentenalter erreicht oder stehen kurz davor, finden aber für ihre Praxen keine Nachfolger, da junge Mediziner das unternehmerische Risiko und die Belastung der Selbstständigkeit meiden und lieber in größeren Städten als Angestellte arbeiten wollen.
So gibt es im Landkreis über die Jahre immer weniger Hausärzte, die eine immer größer werdende Patientenzahl zu betreuen haben. Neubürger finden schon heute kaum noch einen aufnahmewilligen Hausarzt in ihrer Nähe.
Bayernweite Initiative zur Förderung des Hausarztberufs
Dieser negativen Entwicklung will die Gesundheitsregion Bad Kissingen mit dem Projekt „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ entgegenwirken, einer bayernweiten Initiative zur Förderung des Hausarztberufs im ländlichen Raum.
Ziel ist es, angehenden Ärztinnen und Ärzten frühzeitig positive Erfahrungen im ländlichen Arbeitsumfeld zu ermöglichen, um sie für eine Tätigkeit außerhalb der Ballungsräume zu gewinnen.
„Unser Landkreis hat mit drei traditionsreichen Kurorten einen hohen Bekanntheitsgrad“, begrüßte Landrat Thomas Bold (CSU) am Freitagabend die jungen Gäste. Doch könne man allein von der Vergangenheit nicht leben. Wichtig sei vielmehr, die künftige ärztliche Versorgung des Landkreises zu sichern.
Zukunftsrelevanten medizinischen Themen
Nachhaltigkeit sei hier ein wichtiges Thema im Bereich der Ökologie, aber auch im Sozialen. Deshalb engagiere sich der Landkreis nicht nur in der hausärztlichen Versorgung, sondern gleichzeitig in anderen zukunftsrelevanten medizinischen Themen wie der Telemedizin.
Vorangiges Ziel sei es, dass Senioren auch im ländlichen Raum möglichst lange in ihrem privaten Umfeld wohnen bleiben können. Bold: „Darin sind wir auf der Höhe der Zeit.“ Der Landkreis Bad Kissingen bietet nicht nur ein vielseitiges kulturelles Angebot und einen Naturraum, der seinesgleichen sucht, sondern auch eine engagierte Ärzteschaft.
„Wir bemühen uns um eine gute Versorgung der Bevölkerung, aber auch um gute Lebens- und Arbeitsvoraussetzungen für Sie“, lud der Landrat, die angehenden Ärztinnen und Ärzte zum Niederlassen in der Gesundheitsregion Bad Kissingen ein. „Sie werden es nicht bereuen.“
Bad Kissingen: Gute Basis für den Berufsanfang
„Die Zeiten haben sich geändert“, ergänzte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD). Früher seien die Metropolen für Berufsanfänger attraktiv gewesen. „Das ist heute nicht mehr so.“ Die Großstädte sind als Wohnorte an ihre Grenzen gekommen.
Bad Kissingen bietet dagegen eine hohe Wohnqualität zu niedrigeren Preisen, mit kurzem Weg zum Arbeitsplatz und schafft mit seinem Gesamtangebot ein „hervorragendes Lebensgefühl“. Mit 17 Rehakliniken, einem Krankenhaus und einer engagierten Ärzteschaft sei eine gute Basis für den Berufsanfang gegeben.
„Wir haben viel zu bieten, das es für Sie zu entdecken gibt“, warb auch er um die jungen Mediziner. In kleineren Gesprächsrunden hatten die Gäste anschließend zusätzliche Gelegenheit, sich nicht nur von Landrat und Oberbürgermeister, sondern von Praxisinhabern und Klinikleitern über die Vorzüge einer Tätigkeit in der Region informieren zu lassen.
Das Programm
Am Samstag standen vormittags der Besuch von zwei Arztpraxen im Landkreis sowie Praxisworkshops auf dem Programm. Am Nachmittag konnten sich die Besucher auf einer Wanderung bei bestem Wetter persönlich von der Schönheit der Rhön und der hiesigen Region überzeugen. Am Sonntag besuchten sie das Bad Kissinger Zentrum für Telemedizin sowie dessen Musterausstellung „Dein Haus 4.0“.
Diese „Landpartie Allgemeinmedizin“ war Folge eines im März durchgeführten sechsten Treffens des landkreisweiten Weiterbildungsverbundes Allgemeinmedizin, in dem zwölf Hausarztpraxen und sieben Kliniken zusammengeschlossen sind.
Ziele des Weiterbildungsverbundes Allgemeinmedizin
Ziel ist das Bemühen um die langfristige Sicherung der hausärztlichen Versorgung im Landkreis, auch durch eine strukturierte Begleitung von Ärztinnen und Ärzten während ihrer Weiterbildung. Im März hatte der Schwerpunkt des Treffens auf konkreten Projekten zur Gewinnung von medizinischem Nachwuchs für die Region gelegen
Wie zum Beispiel der gezielten Ansprache von Schülerinnen und Schülern bei Hochschultagen, einem attraktiven Blockpraktikum für Medizinstudierende im Landkreis sowie der Gründung eines eigenen Netzwerks für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung.
Weitere Zusatzangebote sollen die Gesundheitsregion Bad Kissingen bei angehenden Medizinern als attraktiven Arbeitsplatz und Wohnort erlebbar machen.














