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Alternative zum Heim
Ist Tagespflege etwas für mich oder meine Angehörigen?
Fachleute aus Unterfranken zu Tagespflege
Eine Männerrunde im Garten der Tagespflege Buchbrunn (Lkr. Kitzingen). // Sabine Mog
Unterfranken
Unterfranken – Tagespflegen können für einige Menschen eine Alternative zum Heim sein, zumal es in Unterfranken häufig freie Plätze gibt. Doch wie arbeiten sie, was kosten sie, welche Zuschüsse gibt es?

Eine tolle Sache, die leider wenig genutzt wird: Das ist Tagespflege in den Augen von Kerstin Klein, Leiterin des Pflegestützpunktes der Stadt Würzburg. Ihre Kitzinger Kollegin Ute Döblinger ist derselben Ansicht. Beide sind sich sicher, dass Unwissenheit und Ängste die Menschen hemmen. Sie klären auf.

Was ist eine Tagespflege?

Tagespflege ist ein relativ neues Betreuungsangebot, das sich in den vergangenen Jahren in Unterfranken etabliert hat. „Viele denken, das sei so etwas wie ein Kindergarten für Erwachsene. Weit gefehlt“, sagt Ute Döblinger. Die 47-Jährige leitet den Pflegestützpunkt des Landkreises Kitzingen und berät Menschen bei allen Fragen rund um die Pflege.

Sie erklärt: Grundsätzlich handelt es sich bei Tagespflegen um Orte, an denen Menschen gemeinsam essen und ihre Freizeit zusammen gestalten. Das geschieht etwa durch Ausflüge, Singen, Tanzen, Gymnastik, Spiele, auch Gedächtnisspiele, Kochen und vieles andere. Meist gibt es auch Ruhebereiche mit bequemen Sesseln. „Die Menschen wohnen und schlafen in ihrer gewohnten Umgebung daheim, haben aber tagsüber Beschäftigung und werden professionell betreut.“

Warum ist die Tagespflege eine sinnvolle Einrichtung?

„Weil sie die Lebensqualität der Menschen deutlich verbessern kann“, sagt Ute Döblinger. Alleinstehende oder ältere Menschen hätten oft zu wenig soziale Kontakte. „Sie leben isoliert, ihnen fehlt die Ansprache, die geistige Anregung.“

Zu den Pluspunkten der Tagespflege zählt sie auch, dass es dort gemeinsame Mahlzeiten gibt, dass das Personal den Senioren bei allem Erforderlichen hilft und schaut, ob Medikamente ordnungsgemäß genommen werden. So können pflegende Angehörige beruhigt ihrem Tagwerk nachgehen.

„Das Personal in Tagespflegen hat Zeit für individuelle Betreuung“, sagt Kerstin Klein, die Leiterin des Pflegestützpunktes der Stadt Würzburg. „Tagespflege fördert das Wohlbefinden der Menschen, bedeutet Entlastung für die Angehörigen und ist zugleich eine Chance, Versorgungslücken im Pflegebereich zu schließen.“

Fachleute aus Unterfranken zu Tagespflege
Einfach mal ausprobieren: Kerstin Klein rät allen, sich einfach selbst mal eine Tagespflege ihren Geschmacks anzuschauen. // Fred Schwab

Gibt es auch Nachtpflege?

Eine Besonderheit in Main-Spessart ist ein Nachtpflegeangebot für Menschen mit Demenz, sagt Andrea Stiel vom Landratsamt Main-Spessart. Dieses Angebot ermöglicht Angehörigen, wieder mal durchzuschlafen. Die Nachtpflege erfolgt im beschützenden Bereich, sodass ein Beschluss vom Betreuungsgericht erforderlich ist. „Eine Pflegeeinrichtung bietet zusätzlich auch ein Angebot zur Wochenendpflege an“, sagt Stiel.

Nachtpflege in Anspruch nehmen können Menschen auch in Neustadt an der Saale. Dort gibt es in den Räumen des BRK-Pflegeheims ein entsprechendes Angebot.

Im Landkreis Würzburg gibt es eine Tagespflege mit Wochenend-Öffnungszeiten, sagt Kerstin Klein: „Bei St. Gregor haben zwei Tagespflegen im Wechsel an den Wochenenden offen.“

Was kostet die Tagespflege? Wie hoch ist der Eigenanteil?

Ab Pflegegrad 2 steht ein eigenes Budget für die Tagespflege zur Verfügung. Damit können die pflegebedingten Aufwendungen bezahlt werden. „Unterkunft und Verpflegung sowie die sogenannten Investitionskosten müssen immer selbst bezahlt werden“, erklärt Ute Döblinger. Hierfür kann jedoch der Entlastungsbetrag eingesetzt werden. Das Budget der Tagespflege reicht, je nach Pflegegrad, unterschiedlich lange aus.

Mit dem Pflegegrad steigt auch der Zuschuss, den man von der Pflegekasse für die Tagespflege bekommt. „Klar muss man etwas zuzahlen, aber die Tagespflege ist lange nicht so teuer wie ein Heimplatz und es gibt verschiedene Töpfe für Kostenerstattung“, sagt Ute Döblinger.

Ute Döblinger findet es schade, wenn das Angebot der Tagespflegestätten nicht genutzt wird. "Tagespflege ist nämlich eine tolle Sache. Da bleiben Menschen selbstständig."
Ute Döblinger findet es schade, wenn das Angebot der Tagespflegestätten nicht genutzt wird. "Tagespflege ist nämlich eine tolle Sache. Da bleiben Menschen selbstständig." // Diana Fuchs

Wie viel Geld übernimmt die Pflegekasse?

Gerade die medizinischen und pflegerischen Leistungen fallen finanziell ins Gewicht. Besteht ein anerkannter Pflegegrad, übernimmt die Pflegeversicherung diese ganz oder teilweise. Bei Pflegegrad 2 schießt die Pflegekasse aktuell 721 Euro pro Monat zu. Bei Pflegegrad 5, der höchsten Stufe, beträgt der Kassenzuschuss 2.085 Euro. Daneben bleibe Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen oder Pflegegeld bestehen, sagt Ute Döblinger vom Pflegestützpunkt des Landkreises Kitzingen.

Konkret: Wie teuer wäre Tagespflege durchschnittlich für eine 80-Jährige mit Pflegegrad 3?

„Nehmen wir an, die 80-Jährige würde einmal pro Woche die Tagespflege besuchen. Weil sie das möchte, würde ein Fahrdienst sie morgens abholen und abends wieder nach Hause bringen“, sagt Ute Döblinger. „Sie bekäme in der Tagespflege Essen und Trinken, die notwendige Grundpflege wie Hilfe beim Toilettengang, Behandlungspflege, also Medikamentengabe, und soziale Betreuung.“ So kämen für einen Tag 140,50 Euro zusammen, rechnet Döblinger vor. „Die Dame müsste, sofern sie den Entlastungsbetrag noch zur Verfügung hat, nichts zuzahlen.“

Insgesamt könnte die 80-Jährige in dieser Modellrechnung elf Mal pro Monat in die Tagespflege kommen, ohne zu den Pflege- und Fahrtkosten etwas zuzahlen zu müssen. Denn bis 1357 Euro pro Monat trägt die Pflegekasse diese Kosten bei Pflegestufe 3.

Wie stehen die Chancen auf einen Tagespflegeplatz?

Derzeit gibt es fast überall in Unterfranken freie Plätze. Für Menschen, die wegen fehlender Betreuungsmöglichkeit sonst in ein Heim müssten, ist die Tagespflege nach Ute Döblingers Ansicht eine „tolle und sogar kostengünstigere Alternative zur vollstationären Pflege“. Der Umzug in ein Heim könne vermieden oder deutlich hinausgezögert werden.

Kerstin Klein bestätigt das: „Gerade in einer Zeit, in der stationäre Pflegeplätze rar sind und auch ambulante Dienste mit langen Wartelisten arbeiten, kann die Tagespflege ein tragfähiges alternatives Versorgungsmodell darstellen“, sagt die stellvertretende Leiterin der Würzburger Seniorenarbeit.

Angebot nicht ausgeschöpft

Klein findet es überraschend, dass das Angebot bislang nicht ausgeschöpft wird. „Während Pflegeheime und Sozialstationen über knappe Kapazitäten klagen, gibt es allein in den Tagespflegeeinrichtungen im Stadtgebiet Würzburg aktuell täglich zwischen 21 und 27 freie Plätze.“

„Wer einmal schnuppert, der will oft bleiben“, sagt Klein. Ihr Tipp: „Vereinbaren Sie einfach mal ein Beratungsgespräch oder einen Schnuppertag in einer Einrichtung, die Ihnen zusagt. So lässt sich in aller Ruhe testen, ob einem das Beschäftigungsprogramm, die Mahlzeiten und die Gesellschaft taugen.“

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