Im Büro, zu Hause oder in der Freizeit: Ein medizinischer Notfall kann überall und immer passieren – aber gerade bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt ist schnelle Hilfe lebenswichtig. Nur wie? Wie erkennt man einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt? Wie reagiert man richtig? Ein Neurologe und eine Kardiologin von der Universitätsklinik Würzburg sagen, was man auf keinen Fall tun sollte, und geben Tipps.
1 Schlaganfall: Plötzliche Symptome – sofort reagieren und Notruf wählen!
„Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn“, sagt Dr. Christian Hametner, Oberarzt der Neurologischen Klinik am Uniklinikum Würzburg und Sprecher des Neurovaskulären Netzwerks Unterfranken. Ursache sei der Verschluss eines Blutgefäßes oder eine Hirnblutung. In beiden Fällen werden Nervenzellen nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und sterben ab. In der Folge treten bei den Betroffenen sehr plötzlich Symptome auf. Schnelle Hilfe sei extrem wichtig, erklärt Hametner.
Erkennen: Die wichtigsten Symptome lassen sich mit der BE-FAST-Regel merken.
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Balance (Schwindel): plötzlicher Schwindel, Gangunsicherheit
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Eyes (Augen): Sehstörungen, Doppelbilder
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Face (Gesicht): Hängender Mundwinkel
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Arms (Arme): einseitige Schwäche in Arm oder Bein
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Speech (Sprache): undeutliche, verwaschene Sprache oder Wortfindungsstörungen
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Time (Zeit): Sofort den Notruf 112 wählen!
Reagieren: Beim Verdacht auf einen Schlaganfall sollte man den Betroffenen sofort hinsetzen oder hinlegen, sagt der Neurologe. Bewusstlose Personen bringt man in die stabile Seitenlage. Wichtig ist: Sofort den Notruf 112 wählen! Durch Zögern gehe „wertvolle Behandlungszeit verloren“, erklärt Hametner. Pro Minute würden ein bis zwei Millionen Nervenzellen absterben. Beim Notruf sollte man alle W-Fragen beantworten: Wer, wo, was, wie, wann?
Behandeln: Mit dem Notruf wird die Rettungskette in Gang gesetzt. Der Patient kommt direkt in eine spezialisierte Schlaganfallstation, eine „Stroke-Unit“. „Je schneller dies geschieht, desto besser sind die Aussichten ohne funktionelle Behinderung nach dem Schlaganfall zu leben“, sagt Hametner. Per Bildgebung werde die Ursache des Schlaganfalls festgestellt: Liegt eine Hirnblutung vor, erfolgt die Therapie je nach Ursache. Bei einem Gefäßverschluss können Medikamente eingesetzt werden oder der Verschluss wird durch Thrombektomie mechanisch entfernt.
2 Herzinfarkt: Großflächige Schmerzen – Notruf wählen und nicht allein in Klinik fahren!
„Ein Herzinfarkt entsteht durch den Verschluss oder die Verengung eines Koronargefäßes“, sagt Prof. Anna Frey, Intensivmedizinerin an der Uniklinik Würzburg. Diese Gefäße versorgen den Herzmuskel mit Blut. Verschlechtert sich die Versorgung, spüren die Patientinnen und Patienten Beschwerden. Ohne rasche Hilfe droht der nicht mehr durchblutete Teil des Herzmuskels abzusterben, erklärt die Kardiologin.
Erkennen: Typisch sei „ein Schmerz auf der Brust“, sagt Anna Frey. Die meisten Patienten beschrieben das Gefühl wie „einen Ring, der sich um die Brust zusammenzieht“ oder „einen Stein, der auf der Brust liegt“. Bei Frauen seien kalter Schweiß, Oberbauchschmerzen oder Übelkeit mit Erbrechen häufiger als bei Männern. Die klassischen Symptome:
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drückende, großflächige Schmerzen vorne auf der Brust, die in den linken Arm ausstrahlen
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Luftnot
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Schmerzen im Oberbauch
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kalte Schweißausbrüche
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seltener Übelkeit mit Erbrechen und allgemeine Schwäche
Reagieren: „Direkt den Notruf wählen und möglichst die erkrankte Person nicht allein lassen“, rät die Kardiologin. Da die Gefahr eines Herzkreislauf-Stillstandes droht, sollten Betroffene „auf keinen Fall“ selber mit dem Auto ins Krankenhaus fahren und sich auch nicht von Angehörigen fahren lassen“. Im eigenen Auto sei Erste Hilfe kaum zu leisten. Stattdessen sollte man den Rettungsdienst über die 112 alarmieren, sagt Frey.
Dabei gilt: Ruhig bleiben, alle W-Fragen beantworten und erst auflegen, wenn der Leitstellendisponent sein Okay gegeben hat.
Behandeln: Eindeutig festgestellt wird ein Herzinfarkt im EKG. Danach werden im Herzkatheterlabor die Herzkranzgefäße durchleuchtet. Die Engstelle oder der Gefäßverschluss würden „aufgedehnt und mit einem Stent versorgt“, erklärt Frey. Im Anschluss müssten Patientinnen und Patienten blutverdünnende Medikamente, Blutdrucksenker und Cholesterinsenker einnehmen.













