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Spitzenplatz Krebsforschung
Wie weit ist das Nationale Tumorzentrum in Würzburg?
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Hämatologe Prof. Hermann Einsele von der Uniklinik Würzburg ist Motor und Sprecher des neuen Standorts des Nationalen Tumorzentrums. // Daniel Peter, UKW
Signet des Fränkischen Tags von Andreas Jungbauer
Würzburg
Würzburg – Die ersten Studien sind angelaufen, Krebspatienten profitieren von Fortschritten in der Therapie. Wo die Medizin vorankommt und wie es um den Neubau steht.

Es war ein echter Coup für die Krebsforschung in Würzburg: Nicht die beiden Münchner Exzellenz-Unis wurden im Herbst 2020 neuer Standort des Nationalen Tumorzentrums (NCT), sondern die Uniklinik Würzburg – im Verbund „WERA“ mit den Uniklinika Erlangen, Regensburg und Augsburg.

Die Studien mit Krebspatienten sind angelaufen, das neue Zentrum wächst. Zehn Millionen Euro gab es dafür in diesem Jahr, ab 2026 sind es jährlich 14,5 Millionen Euro – zu 90 Prozent finanziert vom Bund, zehn Prozent kommen vom Freistaat.

Krebsbehandlung: Personalisierte Immuntherapie

Der Motor des WERA-Verbundes sitzt in Würzburg, in Person von Professor Hermann Einsele. Er hat das Konzept erarbeitet, er ist Sprecher des neuen NCT-Standortes, einer von deutschlandweit sechs. „Würzburg hat sich viel Respekt verschafft“, sagt der renommierte Hämatologe.

Seit Jahren setzt er zur Krebsbehandlung vor allem auf die personalisierte Immuntherapie. Früher als hoffnungslos geltende Fälle, so Einsele, könnten heute geheilt werden - oder man erreiche eine deutliche Lebensverlängerung. Von überall her kommen Patientinnen und Patienten nach Würzburg. „Es ist ein tolles Gefühl, Menschen auf diese Weise helfen zu können.“

Wissen von Patienten einbeziehen

Wichtiger Ansatz bei den Studien: Die Expertise, die Erfahrungen der Patienten einzubeziehen. Betroffene werden so zu Partnern, zu Mitgestaltern. Ein Patientenforschungsrat wird gerade aufgebaut. Je nach Fachrichtung laufen die Studien an einem WERA-Standort, manche werden auch an allen vier Uniklinika durchgeführt. Durch den großen Einzugsbereich lassen sich genügend Patienten für hochspezielle Studien gewinnen.

Beispiel: eine Car-T-Zell-Studie bei soliden Tumoren. Mit ihr sollen das Nebennierenrindenkarzinom, Eierstock-, Lungenkrebs oder besonders aggressive Formen von Brustkrebs behandelt werden. Geplant ist ferner eine neue Studie zum Multiplen Myelom und zum Nierenzellkarzinom. „In einer nächsten Stufe hoffen wir, auch bestimmte Hirntumore mit Car-T-Zellen behandeln zu können“, sagt Einsele.

Wissenschaftler aus aller Welt am Würzburger Tumorzentrum

Er holt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt ans Würzburger Tumorzentrum: Über 80 Mediziner, Forschende und Verwaltungsleute sollen hier einmal arbeiten – etwa 20 tun dies bereits, allerdings nicht unter einem Dach. Bis der avisierte Neubau auf dem Klinikcampus in der Nähe des Herzzentrums steht, werden Räume angemietet – so bereits in einem Bürogebäude am Würzburger Europastern, Laborflächen im Technologie- und Gründerzentrum kommen hinzu.

Ein Spatenstich für den NCT-Neubau könnte Ende 2026 erfolgen, vielleicht auch später. Es drücken die Baukosten: 90 Millionen Euro hatte das Bayerische Wirtschaftsministerium für das Gebäude zugesagt. Doch nach verfeinerter Planung drohen sich die Kosten nahezu zu verdoppeln. „Wir müssen Abstriche machen“, so Einsele, „und spätere Erweiterungen offenhalten.“

Neubau auf dem Klinikcampus geplant

Er geht es pragmatisch an, konzentriert sich auf das Mögliche. Denkbar auch, dass nicht der Freistaat selbst baut, sondern über eine Baugesellschaft private Investoren ins Boot holt. Eine Option, die auch für die große Erweiterung der Uniklinik im Gespräch ist.

Rückenwind bekamen Einsele und das Tumorzentrum zuletzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Sie hat zwei Sonderforschungsbereiche (SFB) an der Uni zur Immuntherapie mit einer millionenschweren Förderung verlängert. Zum einen geht es um Stammzelltransplantationen und die Frage, wie Abstoßungsreaktionen und Rückfälle zu verringern sind.

Im zweiten SFB (“let‘s immun“) werden Immunzellen so verändert, dass sie Krebs noch wirksamer bekämpfen. Einsele freut sich, dass diese Forschung weiter angeschoben wird: „Das passt wunderbar zum Nationalen Tumorzentrum.“

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