Klar scheint bei der Pannen-Sanierung des Mainfranken Theaters Würzburg derzeit nur eines: Es wird immer teurer. Doch wer zahlt am Ende die Zeche? Belastbare Zahlen bleiben Mangelware. Auch die zuletzt genannte Summe von rund 145 Millionen Euro ist wohl nicht das letzte Preisschild.
Im Jahr 2018 hatte der Würzburger Stadtrat die Kosten für das Projekt noch auf 71,65 Millionen Euro festgesetzt. An dieser Summe macht sich bis heute die Förderung des Freistaats Bayern fest: Gefördert wird die Baumaßnahme plus die technische Einrichtung, was 2018 auf 67 Millionen Euro beziffert wurde. Davon bezahlt der Freistaat 75 Prozent – rund 50,3 Millionen Euro.
78,5 Millionen Euro für den unfertigen Theater-Torso
Laut Finanzministerium in München sind davon bisher gut 40,3 Millionen Euro nach Würzburg geflossen. Die Stadt Würzburg wird aber bis Ende 2025 bereits rund 78,5 Millionen Euro für den unfertigen Theater-Torso ausgegeben haben.
Doch steigt mit den Baukosten auch die Förderung des Freistaats? Nicht automatisch. Zwar sieht das Fördergesetz eine Anpassung entsprechend des Baupreis-Index vor. Und die Baukosten sind tatsächlich explodiert: seit 2021 um gut ein Drittel. Damit kann sich die Fördersumme des Freistaats erhöhen – für genehmigte Ausgaben, die tatsächlich teurer geworden sind.
Kostenexplosion: Freistaat sieht sich nicht als Vollkasko-Versicherung
Weitere Zusatzkosten müssten allerdings „nach den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit erforderlich“ sein, um Zuschüsse aus München zu bekommen, erklärt das Ministerium. Denn der Freistaat sieht sich nicht als Vollkasko-Versicherung: Keinesfalls finanziert werden mögliche teure Fehlleistungen von Planern, Architekten oder Baufirmen, mögliche Versäumnisse beim Baumanagement und der Baukontrolle oder auch die teure Baustellensicherung während des Baustillstands. Dafür haftet die Stadt als Bauherrin – und kann allenfalls betroffene Firmen zur Verantwortung ziehen.
Doch könnte nicht die 2019 besiegelte Umwandlung der Spielstätte in ein Staatstheater die Stadt finanziell entlasten? Dieser Schritt ist nach der Vereinbarung zwischen Stadt Würzburg und Freistaat Bayern an die Fertigstellung des Theaters gekoppelt.
Minister will Umwandlung zum Staatstheater von Sanierung lösen
Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) zeigt sich jedoch gesprächsbereit: „Die Umwandlung zum Staatstheater muss vom weiteren Fortgang der Sanierung entkoppelt werden“, sagt Blume gegenüber dieser Redaktion. Er sei mit Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) im Gespräch über den „idealen Zeitpunkt“ dafür.
Derzeit bezuschusst der Freistaat den Theaterbetrieb bereits mit 45 Prozent – 2025 sind das rund 10,4 Millionen Euro. Wäre das Haus Staatstheater, würden Stadt und Freistaat je die Hälfte der Betriebskosten tragen. Dies könnte den städtischen Haushalt immerhin um gut eine Million Euro jährlich entlasten.
Die Gefahr bleibt groß
Trotzdem: Die Gefahr bleibt groß, dass die Stadt Würzburg auf einem Großteil der explodierten Kosten sitzen bleibt. „Stadt und Freistaat haben aber eine gemeinsame Verantwortung für das Theater“, meint der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib. Eine konstruktive finanzielle Beteiligung aus München setze aber völlige Transparenz der Stadt über die Gründe des Baukostenanstiegs voraus, warnt der Haushaltsexperte aus dem Landkreis Würzburg.
Laut Finanzministerium hat die Stadt dem Freistaat bislang „noch keine prüffähigen Unterlagen zu den zwischenzeitlich erheblich höher geschätzten Kosten“ vorgelegt. Offen bleibe damit, „in welchem Umfang diese als zuweisungsfähig anerkannt werden können“. Doch Zeit ist Geld, mahnt Halbleib: „Ich kann der Stadt deshalb nur raten, mit Hochdruck an einer belastbaren Kostenschätzung zu arbeiten.“






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