Der Name des inzwischen bekanntesten Abts von Maria Bildhausen – Nivard Schlimbach (1747–1812) – wird in diesem Jahr wieder genutzt, um an dessen letzten Wirkungsstätte auf dem Rindhof nahe Maria Bildhausen der Kunst einen geeigneten Raum zu bieten. Der Galerist Thomas Pfarr, dessen Förderung für regionales Kunstschaffen bereits legendär ist, hat sich diesmal mit dem Bildhauer und Keramiker Robert Sturm (1935–1994) auseinandergesetzt. Die Ausstellung Nivard VI: „Robert Sturm – Retrospektive ‚Fragmente‘“ ist noch bis zum 7. Juni, jeweils dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Zeichen für Gebrochenheit der Welt
Robert Sturm galt nach übereinstimmender Meinung mehrerer Beobachter seines Lebenswerkes als Einzelgänger, der seinen künstlerischen Weg als zu einem – noch nicht bekannten – Ziel führend betrachtete und ihn in Stationen aufgegliedert sehen wollte. Er studierte Malerei an der Städelschule in Frankfurt am Main und Bildhauerei in der Meisterklasse der Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Ab 1971 war er bis zu seinem plötzlichen Tod 1994 Professor an der Fachhochschule Fulda.
Die Ausstellung im Rindhof, deren Realisierung von der Eigentümerfamilie Weigand wieder wohlwollend unterstützt wurde, trägt den Titel „Fragmente“. Für Robert Sturm ist „das Fragment Zeichen für die Gebrochenheit der Welt, in der wir leben“. So ist es schriftlich in seinen Stationsbeschreibungen festgehalten, die vereinzelt in der Ausstellung in Kopie zu sehen sind.
Die damals von Robert Sturm getroffene Aussage ist für Thomas Pfarr „heute genauso wie gestern aktuell“. „Das Heute“ wird jedoch durch die in sich geschlossene Einheit dieses besonderen Kunsthauses umrahmt, mit seiner Ursprünglichkeit sowie seinen Kuben mit raffinierter Lichtführung und weißen Wänden.
Festredner Stefan Hofmann aus Bamberg befand in seiner Laudatio, dass gerade die Lebensspuren, die im Nivard-Haus zu erkennen sind, mit den Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen korrespondieren und in den ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsräumen eine einzigartige Energie gewinnen.
So wenig der junge Künstler Robert Sturm Energie für die Vermarktung seiner noch nicht in Lehm gefassten und gebrannten Objekte investierte – außer einigen Gruppenausstellungen –, umso mehr gelang es ihm in den siebziger Jahren herum, mit der „Entdeckung“ seines Wunschmaterials Ton weitere Stationen seines Künstlerlebens zu bestreiten.
Das fand Anerkennung, wie an der Académie Internationale de la Céramique in Genf (Schweiz) oder in der Stadt Höhr-Grenzhausen, die ihm für eine keramische Plastik den ersten Preis bei der Ausstellung „Deutschen Keramik ’89“ verlieh, sowie in Zagreb (Kroatien), wo er den Ehrenpreis der „Triennal Exhibition of Small Ceramics“ erhielt.
Die Retrospektive gibt mit rund 90 Klein- und Großplastiken sowie etwa 30 Grafiken einen umfassenden Überblick über Robert Sturms Lebensstationen. In einem Raum kann man den Künstler auf einem Video bei der Arbeit zuschauen.
Thomas Pfarr gibt zu, dass es nicht immer einfach sei, diese Arbeiten zu „konsumieren“. Doch das gelinge bei näherer und intensiver Betrachtung fast immer, wenn man das Fragment als solches anerkenne und es in Gedanken gewissermaßen fertigbaue.
Kaum Farbe, aber intensive Formen
Bemerkenswert ist der sparsame Umgang mit Farbe bei sehr intensiver Formgestaltung. Dazu passt der Hinweis des Künstlers: „Ein Dialog ist nur möglich, wenn Fragen entstehen. In einem Kunstwerk sollte nicht alles ausgesprochen werden. Es soll angestoßen, Möglichkeiten für Fragen offengelassen werden.“
Stefan Hofmann zufolge, der Leben und Werk des Künstlers mit dem Umfeld der Ausstellung verglich, hat Robert Sturm seine Werke nicht als „Wandzeitungen“ charakterisiert, sondern als Werke, die nicht zu lesen seien, deren Energie und Wahrheit aber klingen würden.
Das Spannende wird sein, ob das die Besucherinnen und Besucher spüren können. Am Eröffnungstag bei strahlendem Frühlingswetter waren jedenfalls viele da.












