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Schwerer Schicksalsschlag
Rückzug ohne ein Wort: Sozialarbeiter erklärt Abschied
Der ehemalige Jugendsozialarbeiter Eric Kerker berichtet von seinem Schicksalsschlag.
Der ehemalige Jugendsozialarbeiter Eric Kerker berichtet von seinem Schicksalsschlag. // Julia Raab
Der ehemalige Jugendsozialarbeiter Eric Kerker berichtet von seinem Schicksalsschlag.
Der ehemalige Jugendsozialarbeiter Eric Kerker berichtet von seinem Schicksalsschlag. // Julia Raab
Bad Brückenau – Eric Kerker erlebt im vergangenen Jahr einen schweren Verlust. Jetzt findet er die Kraft, seinen abrupten Abschied von der Jugendarbeit in Bad Brückenau und Wildflecken zu erklären.

Eric Kerkers Zeit als Jugendsozialarbeiter in Bad Brückenau und Wildflecken – sie war kurz: Anfang 2024 stellte sich der damals  44-Jährige in den Rathäusern und bei den Jugendlichen vor, machte eine Umfrage zum Bedarf der jungen Leute und zeigte schnell Gesicht. Dann, nur kurze Zeit nach Fasching, war er plötzlich von der Bildfläche verschwunden.

Sozialpädagoge Eric Kerker arbeitet seit Anfang 2024 in Bad Brückenau und Wildflecken
Eric Kerker ist neuer Jugendsozialarbeiter in Bad Brückenau und Wildflecken. // Julia Raab

Vor wenigen Tagen kam Kerker, der im oberen Sinntal wohnt, auf die Saale-Zeitung zu. „Es ist mir ein grundlegendes Bedürfnis zu erklären, warum ich ohne ein Wort des Abschieds gegangen bin“, betont Kerker heute. Gewollt sei das auf keinen Fall gewesen. Ein Schicksal ist dafür verantwortlich, das nur schwer in Worte zu fassen ist. 

Trotz Solidarität fehlte die Leichtigkeit für die Arbeit

Kerker lebte zu dieser Zeit im Jahr 2024 mit seiner jungen Familie in Oberbach. „Leider passierte im Februar desselben Jahres das für mich Unvorstellbare. Meine jüngste Tochter Evelyn ist plötzlich im Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt verstorben.“ Das Mädchen hatte das Down-Syndrom und litt unter Atemwegsproblemen. „Dennoch hatten wir mit so etwas nicht gerechnet und ab diesem Zeitpunkt war alles anders“, erinnert er sich an die dunkelste Zeit. 

Trotz großer Solidarität aus seinem Umfeld habe er es von da an nicht mehr geschafft, die nötige „Coolness, Leichtigkeit und Kreativität für die Arbeit in der Offenen Jugendarbeit an den Tag zu legen.“ Auch privat zerbrach seine Familie. 

Auszeit und Neustart waren nötig

Er versuchte zunächst weiterzumachen, doch der schwere Schicksalsschlag forderte seinen Tribut. Um eine Auszeit, einen Neustart und sogar eine „Neudefinition meiner ganzen Person kam ich nicht herum“, beschreibt er seine Situation. Bis dahin war Kerker gerade mal fünf Wochen in Bad Brückenau und Wildflecken gewesen. Er konnte nicht weitermachen, wie bisher. 

„Schon lange hatte ich vor, nach meinem abrupten Abgang aus der Offenen Jugendarbeit wenigstens ein paar Abschiedsworte zu formulieren, um die Enttäuschung, Erwartungen und Fragezeichen in den Köpfen der Bürger ein wenig abzufangen“, sagt Kerker. Insbesondere, nachdem er seinen Start in Bad Brückenau als unbeschwert in Erinnerung hat. „Leider war ich bisher nicht stark genug, um mich damit zu befassen.“ 

Kampf zurück ins Leben

Kerker wohnt nach wie vor in der Region, ist auch immer wieder in Bad Brückenau. Kürzlich hielt er den Flyer zu „1 Stunde Kultur“ in der Hand, das war der Auslöser für diesen Schritt. „Ich konnte ich nicht anders, als diesen Weg in die Öffentlichkeit endlich zu gehen.“ Nicht zuletzt, weil er eben an diesem Format als Jugendsozialarbeiter in Brückenau in seinem Schicksalsjahr 2024 auch beteiligt war und obendrein noch die Ukulele – welche dieses Jahr im Mittelpunkt steht – sein Hauptinstrument ist.

Auch heute noch kämpft sich Kerker zurück ins Leben. Für seine ältere Tochter Ronya. Beruflich habe er sich verändert, arbeitet nicht mehr mit Jugendlichen zusammen. Dafür arbeitet er jetzt in Bastheim mit Erwachsenen in prekären Lebenssituationen. Auf seine Art setzt er sich dadurch mit dem Schicksalsschlag und den damit verbundenen Gefühlen auseinander. Für die Zeit in der Gemeindejugendpflege in Bad Brückenau und Wildflecken möchte Kerker Danke sagen. 

 

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