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Engagement
Bad Brückenau: „Zu wenig Angebote für Jugendliche“
Michael Müller und Anna-Sophie Umhöfer eröffnen am 16. Mai den Jugendraum in der Kirchgasse.
Michael Müller und Anna-Sophie Umhöfer eröffnen am 16. Mai den Jugendraum in der Kirchgasse. // Julia Raab
Die 10a am Franz Miltenberger Gymnasium hat viele Ideen für Jugendliche.
Die 10a am Franz Miltenberger Gymnasium hat viele Ideen für Jugendliche. // Julia Raab
Bad Brückenau – Die Klasse 10a vom Franz Miltenberger Gymnasium beschäftigt sich mit der Infrastruktur für Jugendliche. Welche Ideen sie haben und an welche Grenzen sie stoßen.

Fast drei Jahre konnten die Jugendlichen der 10 a vom Franz Miltenberger Gymnasium nicht viel unternehmen. Als die Pandemie anfing, waren sie zwölf bis 13 Jahre alt - ein Alter, in dem sich Jugendlichen normalerweise mit Gleichaltrigen treffen und Neues ausprobieren.

Jetzt sind sie sechzehn und ihnen fehlen Angeboten in der Stadt. „Mitte Mai öffnet der Jugendraum“, sagt Schülerin Mia Engel vom Dreistelz. Nach langer Zeit des Stillstands sei das zumindest ein erster Schritt, findet sie. Mia kommt wie der Großteil ihrer Klasse aus einer der umliegenden Gemeinde. 

Treffpunkt im Zentrum

So gut wie alle Dörfer im Umkreis von zehn Kilometern sind in der Schulklasse vertreten. „Wir würden uns gerne in Bad Brückenau treffen, das liegt zentral für uns alle“, sagen die Jugendlichen, „uns fehlt ein Ort zum Chillen, Billard spielen, shoppen“, fügen sie hinzu.

Die Nachricht von der unsicheren Zukunft der Therme Sinnflut traf die 14 Schülerinnen und Schüler vor einigen Monaten besonders hart. Sie wissen aufgrund von eigenen Recherchen, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Abgesehen vom wichtigen Schulschwimmen war die Sinnflut – auch in den vergangenen Wochen wieder – ein beliebter Treffpunkt.

Zu wenig für Jugendarbeit

„Fällt das Schwimmbad für uns weg, ist die Stadt wirklich tot“, sagen sie mit Nachdruck. Für die Zehntklässler sind mittlerweile Fulda und Bad Kissingen interessanter. Dort gebe es Möglichkeiten zum Ausgehen und Shoppen.

Sie wissen, dass es eine Jugendarbeiterin in der Stadt gibt. Insgesamt sei das aber zu wenig, was die Stadt in die Jugendarbeit investiere. Sie haben das Gefühl, hintenan zu stehen. „Die Stadt gibt nur das Mindestmaß aus und keinen Cent mehr“, betonen sie.

Billard in der Stadt?

Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse möchten aber nicht nur kritisieren. Sie haben vor, sich in den kommenden Monaten mit ihren Ideen für die Stadt zu beschäftigen, die sie in den vergangene Wochen diskutiert haben. Was den Jugendraum angeht, so wünschen sie sich, dass der Raum auch am Wochenende geöffnet hat. Dabei möchten sie auch mehr Verantwortung übernehmen.

In ihren Köpfen ist noch ein anderer Wunsch: „Ein Café als Treffpunkt für uns Jugendliche mit Internetzugang, zum Billardspielen oder andere Freizeitaktivitäten“, sagt Mia Engel. Natürlich wissen sie um die schwierigen Voraussetzungen, und Vorschriften. Vielleicht sei das gemeinsam in Kooperation mit verschiedenen Akteuren in der Stadt möglich.

Leni Herbert kommt aus Motten. Sie sagt: „In den umliegenden Dörfern gibt es ein reges Vereinsleben, oftmals fehle aber auch dort ein Treffpunkt für junge Menschen.“ Bad Brückenau liege zentral, alle Jugendlichen gehen hier zur Schule. „Wir freuen uns auf die Eröffnung des Jugendraums und sehen das als Anfang. Denn dort treffen wir auch auf Jugendliche aus den anderen Schulen. Ich stelle es mir dann nicht schwer vor, eine größere Reichweite zu bekommen.“

Nur für Jüngere

Janina Rest fährt aus Oberbach täglich ins Schulzentrum. Sie weiß, dass es in Wildflecken und Oberbach Jugendräume gibt. Allerdings: Das Angebot richte sich eher an die Jüngeren. Für Bad Brückenau als Treffpunkt sind insbesondere die Abende und Ferien interessant.

Gemeindejugendarbeiterin Anna-Sophie Umhöfer von Pro Jugend hat sich bereits mit den Zehntklässlern getroffen. „Das sind sehr engagierte Jugendliche“, sagt sie. Nach mehreren Jahren Corona-Pandemie gibt es keine feste Jugendgruppe in Bad Brückenau. Umhöfer ist seit Herbst an zwei Tagen in der Woche in der Stadt. „Unser Ziel ist es jetzt, Netzwerkpartner zu finden und unsere Bekanntheit zu steigern“, erklärt Umhöfer.

Studie ist Goldgrube

Zweiter Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) verweist auf die Jugendbefragung aus dem vergangenen Jahr. Damals äußerten sich 126 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 21 Jahren. „Die Ideen und Hinweise aus der Studie sind eine Goldgrube, auf die man zurückgreifen sollte“, sagt Pfister.

Auch die Studie bestätigt das Bild der 10. Klässler, dass es viel zu wenig Angebote für Jugendliche gibt. Insbesondere fehlten Spiel- und Freizeitflächen sowie Ausgehmöglichkeiten für ältere Jugendliche.

Sportreferent David Fronczek (SPD) mahnt an, dass es zu wenig sei, den Jugendraum nur an einem Tag für ein paar Stunden zu öffnen. „Das ist nicht geeignet für die Ansprüche der Jugendlichen“, sagt er. Vielmehr wäre es wichtig, dass sich die Jugendlichen immer den Schlüssel bei der Stadt abholen könnten, um auch unabhängig von kurzen Öffnungszeiten und Betreuung den Raum nutzen zu können.

Wiedereröffnung Jugendraum

Termin: 16. Mai, 16 bis 18 Uhr

Ort: Jugendraum am Kirchplatz 1

Was: Eröffnungsfeier mit Pizza und Cocktails

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