Melanie Grom ist aufgeregt, noch ein bisschen mehr als sonst vor Auftritten. Gleich darf die Trompeterin eine persönliche Premiere erleben: ein „Gesamtspiel” mit knapp 200 Blasmusikern, die so noch nie miteinander musiziert, geschweige denn geübt haben. Der Ort: das „Woodwindow der Blasmusik”. Dieses zweitägige Festival hat der Waldfensterer Musikverein am Wochenende aus der Taufe gehoben. Es hat vollends überzeugt.
55-jähriges Bestehen feiert der Musikverein heuer – und wollte dieses kleine Jubiläum ganz anders begehen als andere, so der Stellvertretende Vorsitzende Christian Metz: kein üblicher Festzug durchs Dorf und anschließendem Kommers und Festreden. Sondern ein Festival, dass nonstop Blasmusik auf die Ohren bietet.
Anleihen an weit größeres Festival
Der Name „Woodwindow” lässt bewusst mehrere Deutungen zu. Zum einen ist er eine augenzwinkernde Übersetzung des Veranstaltungsortes Waldfenster ins Englische. Zum anderen schlägt es den Bogen zum legendären Woodstock-Festival, speziell zum „Woodstock der Blasmusik”, das vom 2. bis 5. Juli im oberösterreichischen Ort im Innkreis stattfand.
Neun Bühnen, über 150 Bands, 110.000 Besucher – das konnte der Musikverein im kleinen Waldfenster natürlich nicht aufbieten. Aber er lud sich immerhin 14 Blaskapellen mit insgesamt rund 400 Musikern ein, zwölf aus der unmittelbaren Umgebung. Und mit „Meeblech” von der Volkacher Mainschleife und Klingend B-lech mit Musiker aus der Kreuzberg-Gegend reisten die „Hauptacts” des Samstag- und Sonntagabends ein paar Kilometer mehr an.
„Wir wollen lokalen Blaskapellen eine Bühne geben und die Blasmusik komplett aufleben lassen”, beschrieb Metz am Samstag das Festivalkonzept. Dank zweier Bühnen, die abwechselnd bespielt wurden, riss der musikalische Strom an beiden Tagen ab 11 Uhr bis weit in den Abend fast nie ab. Außer vor dem Gesamtspiel, zu dem sich die Musiker einzeln oder in Gruppen am Samstagnachmittag zusammenfanden. Auch Melanie Grom.
Es ist nicht so, dass die 54-Jährige keine Bühnenerfahrung vorweisen kann. Seit 20 Jahren lebt die Stangenrötherin in Waldfenster. Zu ihrem 50. Geburtstag vor vier Jahren erfüllte sie sich einen Kindheitstraum – und kaufte sich eine Trompete. „Mit Blasmusik hatte ich vorher nichts zu tun”, sagt sie. Drei Jahre lang nahm Grom privat Unterricht; dann wagte sie den Schritt in den örtlichen Musikverein.
Ihr erster Auftritt in Waldfenster folgte schon im Mai 2025; einen Monat später wirkte sie beim Original-Egerländer-Festival in Köln mit rund 5000 Teilnehmern mit. Aber jetzt das Gesamtspiel daheim in Waldfenster – das fasst Melanie Grom extrem an, sagt sie. Wegen des Flair. Und wegen der vielen fremden Musiker, die gleich gemeinsam vor der „Wiesegrund”-Bühne spielen werden.
Die Organisatoren vom Musikverein machen es den Teilnehmenden des Gesamtspiels einfach. Auf der Playlist stehen nur Stücke, die jeder gescheite Blasmusiker parat haben dürfte: das Frankenlied von Richard Stegmann und „Auf der Vogelwiese” von Josef Poncar, um nur zwei von fünf zu nennen.
Mehr Bilder vom Gesamtspiel und dem Woodwindow-Festival finden Sie hier:
Geschickt werden kurze prägnante Festreden von der Bühne aus eingestreut – vom Vereinsvorsitzenden Sebastian Schlereth, von Burkardroths Bürgermeister Daniel Wehner, von Landrat Mario Götz (beide CSU), von einem Vertreter des Nordbayerischen Musikbundes. Der Landkreis Bad Kissingen unterstützte das Festival aus seiner Kulturförderung mit 1000 Euro.
Nach dem Gesamtspiel recken alle Beteiligten ihre Instrumente gen Himmel. Auch für einen Nicht-Blasmusik-Fan war ihr Zusammenwirken erhebend. Und eine gelöste Melanie Grom findet es „mega und unbeschreiblich, mit so vielen Trompeterkollegen, de man nicht kennt, zusammenzukommen, sich zu unterhalten und zu spielen”. Das Lampenfieber habe sich schnell gelegt; sie sei immer noch hin und weg. „Musik verbindet eben.”
Ein besonderes Gemeinschaftsgefühl und großen Zusammenhalt empfand auch Michaela Voll aus Stangenroth, die mit ihrer Querflöte am Festival teilnahm. „Jeder Verein kommt zum Zug; jeder trägt etwas dazu bei. Es macht Gänsehaut, wenn man das mal erlebt hat, im Großen wie im Kleinen”, sagt die Frau, die am Wochenende zuvor am Woodstock der Blasmusik teilgenommen hatte.
Die Bilanz des Organisators
Cheforganisator Christian Metz war mit dem Festival vollkommen zufrieden. „Wir haben noch nie soviel positives Feedback bekommen, sowohl von den Musikern als auch aus dem Dorf.”
Auch die Besucherzahl habe, trotz der Hitze, jeweils ab Mittag angezogen. „Klingend B-lech waren begeistert, dass am Sonntagabend noch so viele Zuschauer da waren. Das ist nicht selbstverständlich.”, so Metz. Die Erwartungen würden steigen, dass ein solches Event in Waldfenster bald wieder stattfinden solle.
Die lokalen Blaskapellen im Einzelnen: Arnshäuser Musikanten, JBO Scholz Geroda, Musik- & Heimatverein Katzenbach, Musikverein Edelweiss Lauter, Musikverein Stangenroth, Rhönmusikanten Waldberg, Musik- & Sportverein Modlos, Spielgemeinschaft Schönderling/Schondra, Steinacher Musikanten, Musikkapelle Stralsbach, Premicher Musikanten, Spielgemeinschaft
Frauenroth/Gefäll.













































