„Eva ... du bist gemeint!“ Damit ist die Liebe zur Philatelie einfach erklärt, nämlich durch die Beziehung zweier Menschen, die zu früherer Zeit weit voneinander entfernt studieren und sich ständig Briefe schreiben. Der Zuruf erfolgte über einen Stapel originalverpackter Bücher hinweg mit an die Wand geworfenen Briefmarken und beschrifteten Umschlägen sowie bebilderten Postgeschichten bei einer besonderen, weil sehr persönlichen Buchvorstellung im Münnerstädter Rathaus.
Ortwin Guhling beschäftigt sich seit früher Jugend mit dem Sammeln und Einordnen Münnerstädter (damit sind auch alle Stadtteile gemeint) Kommunikationshilfen, seitdem es sie gibt. „Gelernt“ hat er, der Reichenbach als seinen Heimatort benennt, das Auffinden und Sortieren von Ansichtskarten, Briefumschlägen, Postwertzeichen, Aufbewahrungs- und Verteilungsorten von seinem Vater Klaus Dieter Guhling. Der langjährige Stadtarchivar besorgt ihm bis heute Informationen.
Reich bebildertes Buch
„Die Postgeschichte von Münnerstadt“ ist eine umfangreiche Recherche über Verbindungen untereinander. Dazu zählen nicht nur Briefwechsel, sondern auch Bus- und Bahnverkehr oder Telegrafentechnik. In dem reich bebilderten Buch wird über die Menschen berichtet, die die örtliche und regionale Kommunikation erst möglich gemacht haben.
Beginnend bei den Fürsten von Thurn und Taxis, die im 18. Jahrhundert mit Postkutschen ein immer ausgedehnteres Netzwerk spannten und dabei den Transport von Menschen sowie Geschriebenem und Verpacktem systematisch professionalisierten.
Der Bau einer durchgehenden Straße von Würzburg nach Meiningen – die spätere Bundesstraße 19 – Ende des 18. Jahrhunderts, machte die Strecke auch hier für einen regelmäßigen Postkutschenverkehr interessant. Es war der Wirt des „Goldenen Löwen“ in Münnerstadt, der sich für eine Posthalterei bewarb.
Ortwin Guhling zitierte genüsslich aus der Stellungnahme der damaligen Postmeisterin derer von Thurn und Taxis in Würzburg, dass „der Antragsteller sehr gut beleumundet sei“. Der Löwenwirt Christoph Franz Mahler bekam 1786 die Poststation und übergab sie dann später seinem Schwiegersohn Ludwig Rambour, einem ehemaligen napoleonischen Offizier, dessen Liebesschwur an die Wirtstochter von ihm in eine Fensterscheibe gekratzt wurde und heute im Hennebergmuseum zu bestaunen ist.
Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte wanderte die Poststation innerhalb des Städtchens anfangs zu anderen Gasthäusern, später wurde eigens ein Postgebäude errichtet. In den Dörfern kamen Postabgabestellen erst viel später dazu. Ab den 1980er-Jahren fand die Poststelle erst am Marktplatz, später im Tintenfässchen bei Marion und Teddy Katzenberger eine Heimstatt. Derzeit ist „die Post“ eine Anlaufstelle in einem Supermarkt.
Geduld und Faszination hauchen einer Geschichte Leben ein
Ortwin Guhling schildert die Geschichte des kommunalen Postgeschehens sehr lebendig und humorvoll. Er erinnert sich, dass Sammelleidenschaft das Familienidyll schon mal strapazieren kann, und dass Geduld und Faszination für die Sache einer Geschichte wirklich Leben einhauchen. Seine Beispiele, die er aus dem Buch vorträgt, sind plastische Abrisse kulturgeschichtlicher Handlungen im Städtchen und den umliegenden Dörfern. Dazu zählen in der Postgeschichte auch Strahlungen und Burglauer, die zum Verteilungsbezirk gehörten.
Es ist der erste Band einer jetzt aufgenommenen Schriftenreihe mit dem Titel „Münnerstadt und seine Stadtteile gestern und heute“.
Großer Dank geht an die Beteiligten
Kulturmanager und Museumsleiter Nicolas Zenzen sowie Zweiter Bürgermeister Andreas Trägner zeigten sich in der dicht besetzten Rathaus-Diele äußerst zufrieden mit dem ersten Ergebnis in dieser neuen Schriftenreihe. Der Dank der beiden ging an die Beteiligten, allen voran an Ortwin Guhling. Dieser hatte bereits 2020 in einer von ihm konzipierten Ausstellung im Heimatspielhaus eine Vorahnung gegeben, wie professionell er an das Thema Postgeschichte und seine Verästelungen in der Kulturgeschichte herangeht.
Die Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken hat die Herstellung unterstützt. Die Stadt Münnerstadt ist der Herausgeber. Erhältlich ist das 386-Seiten-Werk im Buchhandel und bei der Touristen-Info im Deutschordensschloss zum Preis von 50 Euro.










