Es herrscht wieder Betrieb an der ehemaligen Kissinger Hütte (Lkr. Rhön-Grabfeld). Noch sind es keine Wanderer und Übernachtungsgäste, die auf dem Feuerberg unterwegs sind. Erst einmal rollen Baufahrzeuge über das Gelände. Seit dieser Woche sind Bagger im Einsatz, denn der Wiederaufbau des im März abgebrannten und so beliebten Ausflugsziels hat offiziell begonnen.
„Wir sind im Zeitplan. Am 1. Juli 2026 soll alles stehen“, sagt Manfred Egert, Vorsitzender des Rhönklub-Zweigvereins Bad Kissingen, selbstbewusst. Während er die ersten Schritte des Wiederaufbaus beobachtet, ergänzt er: „Wir treiben das hier mit aller Gewalt voran.“
Als Eigentümer der Hütte trauerten die Verantwortlichen des Zweigvereins dem Brandunglück nicht lange nach. „Als an jenem Märztag um 6 Uhr morgens der Anruf kam, dass die Hütte brennt, habe ich erst einmal geschimpft wie ein Rohrspatz. Aber dann dachte ich: Das kann auch eine Chance sein“, berichtet Egert. Rund acht Monate später stehen der Vorsitzende und die beiden Architekten Michael Rüth und Johannes Messerschmitt mit fertigen Bauplänen da – für den Wiederaufbau der Kissinger Hütte.
Architekt: Deadline 1. Juli „sportlich, aber machbar“
Die Arbeiten für diese Neuauflage begannen nun mit dem Ausheben der Grube für den Keller. Das Untergeschoss und die Bodenplatte sollen bis Weihnachten betoniert sein, das erachten die Verantwortlichen als entscheidend für die pünktliche Fertigstellung.
„Wir wünschen uns das sozusagen als Weihnachtsgeschenk“, sagt Messerschmitt, der den Zeitplan etwas weniger enthusiastisch als Egert insgesamt als „sportlich, aber machbar“ bezeichnet. Ähnlich sieht es Horst Karl, Kassier des Zweigvereins: „Wenn es im Dezember nicht minus 20 Grad werden und uns der Betonmischer zufriert, werden wir ganz normal arbeiten können.“
Nach einer genauen Vermessung der Bodenplatte werden laut Plan im Januar und Februar die Holzelemente für die Wände der neuen Hütte gefertigt. In dieser Zeit ruht die Baustelle. Bei wieder passendem Wetter sollen die Holzelemente etwa Ende Februar verbaut werden. „Das gemütliche Hüttenflair soll erhalten bleiben. Wir wollen kein Hotel haben. Daher werden wir mit viel hellem Holz arbeiten“, gibt Messerschmitt Auskunft. Zudem wird eine Natursteinwand aus Rhöner Basalt eingebaut.
Rhönklub muss rund 500.000 Euro zusammenkratzen
Weil die Brandversicherung dem Rhönklub nur die Kosten für die Wiederherstellung des Ursprungszustands erstattet, fehlen Egert und Co. für zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen rund 500.000 Euro.
Unter anderem soll der Neubau barrierefrei sein und eine Photovoltaikanlage soll auf dem Dach errichtet werden. Dazu wird es kein Matratzenlager mehr geben. Stattdessen werden sechs neue Gästezimmer und eine Wohnung für die neue Pächterfamilie errichtet. Eine neue Löschwasserzisterne ist schon fertig. Neben Zuschüssen werden Spenden benötigt, um diese Maßnahmen finanzieren zu können.
Egert: Sprunghafter Kostenanstieg unwahrscheinlich
Entsprechende Aktionen laufen bereits seit Monaten. „Es stört mich, dass alle immer sagen, dass die Rhön nicht zusammenhält. Wir beweisen gerade das Gegenteil“, findet Egert. So wird etwa bei einem mehrtägigen Benefiz-Festival im Juni die Kultband „Rhöner Bluat“ ihr Comeback feiern.
Die Gefahr einer möglichen Kostenexplosion sehen Egert und Karl nicht auf den Rhönklub zukommen. „Wie beim Zeitplan haben uns die Baufirmen zugesagt, dass wir mit unseren veranschlagten Kosten im Rahmen sind“, berichtet Egert. Karl merkt an: „Ich kann noch gut schlafen.“














