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Ein weiser alter Mann
Roland Kaiser singt in Schweinfurt vor 10.000 Fans
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Elegant und eloquent: Roland Kaiser begeistert im Schweinfurter Sachs-Stadion 10.000 Fans. // Silvia Gralla
Signet des Fränkischen Tags von Michi Bauer
Schweinfurt
Schweinfurt – „Warum hast du nicht nein gesagt?“ - der Grandseigneur des deutschen Schlagers begeistert im Sachs-Stadion mit Klassikern und frischen Botschaften.

Er ist der Kaiser. Der Roland Kaiser. Der Mister Dreiteiler. Seit 51 Jahren sind dunkler Anzug, Weste und Hemd seine Arbeitskleidung. Und die Frisur sitzt wie am ersten Tag. Okay, etwas kürzer. Ein Mann aus dem Bilderbuch des Schlagers. Einer Musikwelt, die sich die Definition „eingängige, instrumentalbegleitete Gesangsstücke“ gefallen lassen muss.

Und doch viel mehr sein kann. Wenn man eben „den Kaiser“ ran lässt. Der 73-Jährige liefert im Schweinfurter Sachs-Stadion 10.000 Fans eine Vorstellung ab, an der sich die Fußballer des ortsansässigen Drittliga-Aufsteigers messen lassen werden müssen.

Was der Berg der Sonnenhof Aspach, ist dem Kaiser das Elbflorenz. Kaisermania heißen die Konzerte, die Roland Kaiser seit 2003 in Dresden gibt. Mit denen er bundesweit einen Hype ausgelöst hat. Plötzlich ist der Grandseigneur des deutschen Schlagers hip bei alt und ganz besonders jung.

Roland Kaiser wünscht sich in Schweinfurt „Achtung und Respekt“

Der Sänger genießt - das zeigt jeder Ton, jede Geste, jeder Spruch - sein zweites Leben. Wegen einer chronischen Lungenerkrankung erhielt er 2010 eine Lungentransplantation - und startete anschließend erst richtig durch. Seine Tourneen sind ausverkauft. Na, ja, fast. Ein paar leere Stühle stehen herum. Aber die Party, die geht ohnehin vorn ab. Front of Stage. So heißt der Raum, in dem man für mehr Geld nicht sitzen darf - und lieber tanzt.

Über 10.000 Menschen besuchen am Freitag, 11.07.25, das Roland Kaiser Open-Air-Konzert im Sachs-Stadion in Schweinfurt.
Über 10.000 Menschen besuchen am Freitag, 11.07.25, das Roland Kaiser Open-Air-Konzert im Sachs-Stadion in Schweinfurt. // Silvia Gralla

Aber Stopp. Bevor die Herren sich ins Zeug schmeißen, die Damen gedreht werden, oder der Rest alleine vor sich hin hopst, möchte Ronald Keiler - so heißt er wirklich und als dieser macht er solche Ansagen - seine Botschaft loswerden: „In Zeiten, in denen der Ton immer rauer wird, geht der Respekt verloren. Lasst uns heute einen wundervollen Abend miteinander verbringen, voller gegenseitiger Achtung und Respekt.“

Er sagt das nicht nur, um den gleichnamigen Titel anzusagen. Kaiser positioniert sich auf vielen Plattformen als toleranter, weltoffener Mensch. Er zeigt der AfD verbal den Mittelfinger und reicht der Diversität die Hand.

Erinnerungen an die Omas und „den Heck“

„Es gibt eben nicht nur Mann und Frau“, sagt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. „Menschen sind offensichtlich vielschichtiger und haben entsprechend vielschichtige Gefühle und Bedürfnisse – und die müssen wir zulassen. Auch sprachlich.“ Weswegen er sorgfältig gendert.

Auch während des Konzerts. Auf seine Weise. Er versucht kein Sternchen zu intonieren, nimmt sich lieber die Zeit, alle direkt anzusprechen: Freundinnen und Freunde, Zuschauerinnen und Zuschauer. Kein alter weißer Mann, ein weiser alter Mann.

Roland Kaiser singt von Liebe, Respekt und Toleranz
Roland Kaiser singt von Liebe, Respekt und Toleranz // Silvia Gralla

Mit unheimlich viel Energie. Spätestens mit „Ich glaub, es geht schon wieder los“ geht es - los natürlich. Auch nach hinten: In die Achtziger. „Manchmal möchte ich schon mit dir“, „Santa Maria“, „Lieb mich ein letztes Mal“ - herrliche Schunkler aus der Fließentisch-Ära, deren Texte tief im Unterbewusstsein selbst von Menschen gespeichert sein müssen, die gar nicht wissen, dass sie heimliche Schlager-Fan sind.

Erinnerungen an alle Omas, die auf der Samtcouch mit den lustigen Fransenbommeln die Hitparade „mit dem Heck“ angeschaut und kein gutes Wort „am Kaiser“ gelassen haben: „Der singt so unanständiges Zeug“ - wer über 50 kennt diesen Satz nicht? Auch, dass bei Herrentorte mit Schlag der Nachbarin tags darauf gebeichtet worden ist: „Hast du gestern den Kaiser gesehen? Ein fescher Kerl ist er ja.“

Eine Friedensbotschaft und eine gemeinsame Reise

„Kann man das heute noch so singen?“ Kaiser fragt sich und das Publikum, gibt die Antwort mit Musik und eben auch die alten Schmachtfetzen, die von viel Haut und wenig Kleidung berichten. Viele Lieder bekommen ein modernes Gewand, ein bisschen Dancefloor, ein bisschen Rock - und zwischen den Zeilen reichlich Augenzwinkern.

Das neue Material hat ohnehin ganz anderes Potenzial: „Liebe kann uns retten“ sei, so der Künstler, erst durch die Live-Präsentationen zum Hit geworden. Die darin enthaltene Friedensbotschaft („Bald werden wir ganz viele sein“) nimmt die Fans mit auf eine gemeinsame Reise.

Auch auf eine Urlaubskreuzfahrt mit Medleys aus aller Welt. Und mit nach Italien mir einer feinfühligen Übersetzung von Toto Cutugnos „Insieme“, die bei Kaiser „Extreme“ heißt. Mit dem Hochzeitsklassiker „Warum hast du nicht nein gesagt“ endet das reguläre Set, „Sieben Fässer Wein“ rollen in den Zugabenblock, in dem das zwischenzeitlich zu Malle-Party-Mist verkommene „Joana“ seine wahre Strahlkraft offenbart, weil das Publikum ohne die peinlichen Refrain-Nebensätze auskommt. Ganz nach dem Geschmack von Roland Kaiser. Der artig dankt und sagt: „Ihr habt mich gelehrt, das Leben nicht nur zu leben, sondern auch es zu feiern.“

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