Gruppentherapie ist Mainstream und das ist wohl auch notwendig. Oft funktioniert die Lebenseinordnung nur gemeinsam im Austausch und im Handeln. Dass dabei Stoff für Theaterstücke, seien es Dramen oder Komödien, entstehen, gehört inzwischen ebenso zu den Selbstverständlichkeiten, die man schlucken oder beklatschen kann. Das Generationen Netz im Landkreis Bad Kissingen e.V., welches das Mehrgenerationenhaus in der Kreisstadt betreibt, hat unter seinem Dach auch die Senioren-Theatergruppe „Die Theatralischen“ beheimatet. Das heißt nicht ganz, denn eine Bühne gibt es dort nicht und auch der Platz für mehr Publikum fehlt.
Für ihr neues Stück hat sich das Team um ihren Spielleiter Walter Spilarewicz-Braun nach einer Idee von Dorothee Höhn eine Art Rätsel einfallen lassen und sich dessen Motive in einige Märchen eingebettet. Mit „Altholz im Wald – (k)ein Märchen“ geht es um Traum und Realität, um Gut und Böse, um Ängste und den Ausbruch aus Konventionen. Ist es bereits Therapie, wenn man für sich selbst nur die Rolle tauscht oder bringt das Umfeld – die Anderen – neue Herausforderungen mit sich und lösen damit einen manchmal quälenden Prozess aus?
Spritzigkeit auf der Bühne
Die insgesamt zehn „Theatralischen“ setzen den therapeutischen Ansatz in einer Revue in Szene, bei der die Zuschauenden in der Edelweiß-Halle in Lauter mitunter von der Spritzigkeit und Spontaneität der Frauen und Männer auf der Bühne überrascht werden.
Es wird getanzt und gelacht, marschiert und gelallt. Der Wolf und die sieben Geißlein, Schneewittchen und die sieben Zwerge oder das tapfere Schneiderlein lassen sich bewusst unschwer erkennen. Doch sind sie anders besetzt als die Gebrüder Grimm sie im neunzehnten Jahrhundert aufgeschrieben haben.
Da gibt es zum Beispiel den friedfertigen Lupo (Wolfgang Rompf), den Sohn von Lupino (der böse Wolf). Lupo ist Veganer und wird zum Liebling und Geschäftspartner der Oma Hedwig (Großmutter). Das Haus im Wald wird zur Imbiss-Bude und das Geißlein aus dem Uhrkasten (Brigitte Riedle) hilft in der Küche mit. Anfangs wirkt die Oma Hedwig (Renate Koch) im liebenswürdigen und noch verständlichen fränkischen Platt hilflos beim sonntäglichen Besuch ihrer Enkelin Schneekäppchen (Sigrid Danz), die mit einem Bocksbeutel immer wieder versucht die Oma abzuzocken. Andererseits schafft es die einfache Frau den gierigen Wolf Lupino (Dieter Moschinsky) als Versicherungsvertreter zu entlarven und samt Assistentin vor die Tür zu setzen.
Siebenhundert Lebensjahre
Da spielt die Königin „Ludovica von Bimsstein“ (Dagmar Meyer) tänzerisch mit dem Spiegel in der Hand. „Muckelpu“, der Kobold und „Schniederle“, das tapfere Schneiderlein sind in Frau Chris Bornkessel vereint. Als Hexe vor, aber meistens als Souffleuse hinter der Bühne agiert Brigitte Wawrzynek.
Gut siebenhundert Lebensjahre sind da auf der Bühne zusammengekommen und lassen das durch den Spielwitz nicht spüren. Vielleicht bei dem Kalauer „wenn Lupo volljährig wird“ merkt man auch die grauen Zöpfe und beim Bühnen-Neonlicht leicht faltige Gesichtszüge. Der Rudeltanz zum Austoben kann noch in fast jeder Disco nachempfunden werden.
Eine heterogene Mannschaft
Alles wird von Frederik, dem charmanten Conférencier (Friedrich Rumscheidt) beobachtet und mitunter kommentiert. Der und damit sind wir wieder im anfänglichen Stuhlkreis, auch den Therapeuten Jakob spielt. Dort sortiert sich die Truppe in extrem lustlos, bösartig provokant bis schüchtern, gleichgültig und hochmotiviert, eben eine heterogene Mannschaft. Jakob versucht dabei in der Rolle des Conférenciers in dreizehn Szenen die Individuen an die Lebenswirklichkeit anzupassen. Ob das gelingt? Sehen sie selbst.
Weitere Aufführungen gibt es am 30. und 31. Oktober um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrsaal in Bad Bocklet, am 28. November (19 Uhr) im katholischen Pfarrsaal Nüdlingen, sowie am 11. Dezember (16 Uhr) im Parkwohnstift Bad Kissingen. Der Eintritt ist überall frei. Um Spenden wird gebeten.












