Ein einziger Satz weist auf der Homepage des Saaletalbades auf die baldige Schließung des Hammelburger Hallenbades hin: „Am 26. Mai könnt ihr das letzte Mal für diese Saison ins Hallenbad, danach hat das Freibad täglich von 9 bis 20 Uhr für euch geöffnet.“
Keine weitere Erläuterung der Gründe, keine Pressemitteilung dazu und auch die meisten Schulen und Vereine waren gestern nach eigenen Angaben nicht informiert. Im vergangenen Jahr war das Hallenbad trotz Energiekrise parallel zum Freibad bis Ende Juli geöffnet. Weshalb es in diesem Jahr zum ersten Mal eine neue frühere Schließung des Hallenbades gibt, wird auf der Homepage nicht erläutert.
Kritik an der Kommunikation
„Wir wünschen uns mehr Miteinander“, sagt etwa Maria Schubert, die die Geschäftsstelle der TV/DJK Hammelburg leitet. Der größte Sportverein der Region nutzt das Hallenbad jede Woche für fünf Aqua-Gymnastik-Kurse und zwei Schwimmtrainings. Erfahren hat Maria Schubert von der Schließung durch Zufall, von der Stadt oder den Stadtwerken sei keine offizielle Info beim TV/DJK eingegangen: „Wir sind von offizieller Seite noch nicht informiert worden“, betont Schubert am Montag.
Auch der die Ortsgruppe Hammelburg der Wasserwacht hat nur durch Zufall von der Schließung erfahren. „Das ist schade, weil es eh immer schwieriger wird, Kindern sicheres Schwimmen beizubringen“, sagt Sebastian Schlereth, stellvertretender Leiter der Ortsgruppe. Drei Gruppen der Wasserwacht üben derzeit im Hallenbad, zum Teil bis 21 Uhr. Noch nicht geklärt sei auch, welche Zeiten im Freibad überhaupt zur Verfügung stehen, weil es regulär um 20 Uhr und bei schlechtem Wetter zum Teil bereits früher schließt.
Beschluss des Aufsichtsrates
Natürlich habe die Geschäftsstelle sofort Kontakt mit den Kursleitern aufgenommen. Maria Schubert fragte zudem persönlich im Hallenbad nach. Ein Problem: Sowohl Edgar Beck, Leiter des Saaletalbades, als auch Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Metz haben in dieser Woche Urlaub.
Auf Nachfrage begründet Jürgen Weigand von den Stadtwerken die deutlich frühere Schließung als im vergangenen Jahr mit dem Hinweis auf Energiekrise und Wirtschaftlichkeit: „Es macht absolut keinen Sinn, das Hallenbad aufzulassen, wenn parallel das Freibad zur Verfügung steht.“ Das wäre „unverständlich und ein Stück weit unverantwortlich“.
Die Entscheidung zur Schließung ist laut Weigand im Aufsichtsrat der Stadtwerke gefallen, in der Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch werde sie noch einmal bekannt gegeben. Aus Weigands Sicht müssten sich Schulen und Vereine in Zukunft darauf einstellen, ihren Schwimmunterricht auf die Zeit zwischen September und April zu konzentrieren oder eben im Sommer aufs Freibad auszuweichen.
Vom Personal des Saaletalbades will die Entscheidung niemand kommentieren, zu merken ist aber, dass die Schließung nicht bei allen auf Verständnis stößt. Unter anderem hat das Bad eine lange Warteliste für Schwimmkurse, auch weil es im gesamten Landkreis Bad Kissingen nur noch zwei kommunale Hallenbäder gibt. Mit Schließung der Sinnflut im Herbst ist Hammelburg sogar das einzige. Schwimmkurse im Freibad mit Kindern ab fünf Jahren seien vermutlich nicht möglich – oder nur bei idealen Wetterbedingungen.
Etliche Schulen waren nicht informiert
Am Montagvormittag kommt unter anderem die 3. Klasse der Einhard-Grundschule Euerdorf zum Schwimmunterricht ins Hammelburger Hallenbad. „Von einer Schließung wissen wir nichts“, sagt Lehrer Tristan Hillinger. Ob nach den Pfingstferien überhaupt noch Schwimmunterricht für die Grundschüler angeboten wird, könne er noch nicht sagen: „Das ist auf alle Fälle auch vom Wetter abhängig.“
Auch Matthias Ludolph, Leiter des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums, erfuhr erst auf Nachfrage der Redaktion von der geplanten Schließung: „Mir liegt nichts vor, dass das Hallenbad nicht für den Sportunterricht zur Verfügung steht.“ Ludolph kündigte an, mit den zuständigen Sportlehrern, der Stadt und dem Landkreis als Sachaufwandsträger Kontakt aufzunehmen. Nach Möglichkeit will er noch vor den anstehenden Pfingstferien klären, ob und wo es nach den Ferien Schwimmunterricht gibt.
Trotz sonniger Temperaturen ist es im Freibad vor allem am Vormittag noch ziemlich frisch: Bislang kommt die Wassertemperatur im Schwimmerbecken nicht über 18 Grad hinaus. Hinzu kommt, dass mitten durch den Außenbereich die Baustraße zum Erweiterungsbau des Sauna-Bereichs führt. Die Sauna bleibt trotz Schließung des Hallenbades geöffnet, die neue Sauna soll voraussichtlich Mitte Juni offiziell in Betrieb genommen werden.















