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Wenn sich alles um Sport dreht
Familie Schmitt aus Hammelburg zieht durch
Hanna (links), Vater Heiko (Mitte) und Lena (rechts)
Hanna (links), Vater Heiko (Mitte) und Lena Schmitt (rechts) // Foto: Jürgen Wittrin
Hammelburg – Die Schmitts leben für den sportlichen Wettkampf. Doch wie halten sie die Balance zwischen Ehrgeiz und Familienleben?

Bei Familie Schmitt dreht sich fast alles um Sport.  Vater Heiko und Mutter Simone haben ihre sportliche Begeisterung bereits früh an ihre beiden Töchter, Hanna (22) und Lena (14), weitergegeben.

Die Athletinnen und Athleten verbindet dabei nicht nur ihre Freude am Sport, denn Heiko Schmitt ist gleichzeitig auch der Trainer seiner Kinder. 

Zwei Schwestern auf Erfolgskurs

Hanna und Lena sind in der Volleyballabteilung des TV/DJK Hammelburg aktiv und betreiben Leichtathletik – beides leistungsorientiert. Erst im vergangenen Jahr konnten sie wieder hohe Platzierungen erringen. 

Hanna (links) und Lena (rechts) im Hausgarten
Hanna Schmitt (links) und Lena Schmitt (rechts) im Hausgarten // Foto: Jürgen Wittrin

Hanna belegte unter anderem bei den Bayerischen Meisterschaften im Siebenkampf den ersten Platz. Lena hingegen holte den ersten Platz bei den unterfränkischen und den sechsten Platz bei den süddeutschen Meisterschaften im Diskuswurf. Dafür ehrte sie die Stadt Hammelburg beim Sport-Empfang 2025 mit der Auszeichnung als Sportlerin des Jahres.

Wer wie die Schwestern bereits in jungen Jahren im Leistungssport unterwegs ist, sammelt einiges an Urkunden und Zeitungsartikeln. So kommt es, dass Hanna Schmitt bereits vier volle Ordner besitzt. So viele kann Lena Schmitt zwar noch nicht ausfüllen, aber ihre Schwester hat ja auch zeitlich einen kleinen Vorsprung.

Hanna Schmitt beim Durchblättern ihrer Urkunden- und Zeitungsordner
Hanna Schmitt beim Durchblättern ihrer Urkunden- und Zeitungsordner // Foto: Jürgen Wittrin

Die Athletinnen wurden von ihrem Vater bereits in jungen Jahren an ein breites Sportangebot herangeführt. Lena Schmitt erzählt, dass für sie die Wahl bezüglich des Mannschaftssports auch etwas mit den mangelnden Optionen zu tun hatte. So hätte sie sich zum Beispiel durchaus vorstellen können, Handball mal auszuprobieren. Leider gab es keine entsprechende Frauenjugend. Aus heutiger Sicht ist sie jedoch sehr zufrieden mit der Wahl. 

Wenn der eigene Vater der Trainer ist

Das Geschwisterpaar verbindet ein tiefer Ehrgeiz, ein Ehrgeiz, der von Papa Heiko kommen dürfte. Da ist sich zumindest Hanna ziemlich sicher. „Ich bin schon sehr ehrgeizig“, pflichtet Heiko Schmitt bei.

Er hat früher Zehnkampf betrieben und lange parallel Fußball gespielt. Zusätzlich hat es ihn auch mal für eine Saison zum Volleyball spielen nach Bad Kissingen verschlagen.  Heute beschränkt er sich selbst aufs Tauchen, das Coachen seiner Töchter und seine Band. Beschränken ist da bei genauerer Überlegung wohl doch eher das falsche Wort. 

Es gibt auch mal schwierigere Momente

Bis vor einigen Jahren war Heiko Schmitt auch noch Trainer beim TV/DJK Hammelburg, bis er sich entschied, sich ganz auf das Training seiner Töchter zu konzentrieren. Für die ältere Tochter stellte das keine allzu große Umstellung dar, denn sie kannte ihren Vater bereits als Vereinstrainer. Für sie ist es mittlerweile Normalität geworden, auch wenn sie sich der Außergewöhnlichkeit der Situation bewusst ist. 

Natürlich gibt es aber auch mal schwierigere Momente. „Er ist immer da und im Haus verschmelzt das schon mal“, sagt Lena. Da wird beispielsweise auch mal zwischendrin das eine oder andere Rekordvideo geteilt und mit Hinweisen versehen. 

Für die Sportlerinnen ist das jedoch nicht weiter schlimm. Letztlich ist es ihr eigener Ehrgeiz, der sie antreibt. Leistungsdruck von außen gibt es kaum bis gar nicht, denn Heiko Schmitt war von Beginn an vor allem eins wichtig: dass seine Kinder Spaß haben.

Hanna (links), Heiko und Lena Schmitt (rechts) bei den Süddeutschen Meisterschaften 2024 in Koblenz
Hanna (links), Heiko und Lena Schmitt (rechts) bei den Süddeutschen Meisterschaften 2024 in Koblenz // Foto: Heiko Schmitt

Eine gesunde Rivalität unter Geschwistern

Wenn die eigene Schwester denselben Sport ausübt, kommt man vielleicht gar nicht umher, sich von Zeit zu Zeit zu vergleichen.  Darauf angesprochen äußert Hanna: „Man fragt sich schon manchmal, wo ist mein Alleinstellungsmerkmal.“ So hätten beide „einen ähnlichen Look, treiben dieselben Sportarten und sind mittlerweile fast gleich groß“. 

Kleine Sticheleien gehören da natürlich dazu, aber wer kennt solche geschwisterlichen Kabbelein nicht.  

Dennoch haben die Schwestern eine tiefe Verbindung und unterstützen einander. Das kommt auch im Gespräch mit den Beiden immer wieder durch. Es sind kleine Bemerkungen zwischendrin, die allerdings von beidseitiger Unterstützung zeugen. Als Vater Heiko beispielsweise gerade erklärt, dass er Lena langfristig für den Weit- und Hochsprung alle Türen öffnen möchte, schaltet sich Hanna ein: „Talent bringt sie auch mit.“ 

Spannend könnte es hingegen in ein paar Jahren werden, wenn beide altersbedingt in der gleichen Volleyballmannschaft spielen.

Hanna (links) und Lena (rechts) auf Meisterschaft in Oberasbach 2024
Hanna Schmitt (links) und Lena Schmitt (rechts) auf Meisterschaft in Oberasbach 2024 // Foto: Uwe Schönmeyer

Wenn der Sport im Vordergrund steht

Trotz des Ehrgeizes und der Leitungsorientierung betont Hanna, dass es ein Hobby ist – wenngleich ein sehr zeitintensives. Sie studiert mittlerweile Mathematik und Sport in Würzburg und wohnt auch dort. Zwischen Sport und Studium pendelt sie regelmäßig nach Hause oder zu ihrem Freund nach Coburg. Das alles war zu Beginn eine starke Umstellung, mit der sie sich jedoch mittlerweile arrangiert hat. 

Zeit für Freunde nimmt sie sich, wo sie kann. Doch eins steht sowohl für sie als auch für Lena fest: Der Sport geht vor. Für die jungen Frauen ist die Verbindlichkeit ein wichtiges Element. Bereits in jüngeren Jahren lehnten sie beispielsweise Geburtstagseinladungen ab, wenn diese in ihre Trainingszeiten fielen. Dafür haben nicht alle Menschen Verständnis.

Die meisten Freunde sind Sportlerinnen und Sportler

Mitunter führte das dazu, dass die Freundeskreise der Schwestern eigentlich nur aus Sportlerinnen und Sportlern bestehen. Auch Hannas fester Freund ist Leistungssportler, was das gegenseitige Verständnis fördert.  Sowohl sie als auch ihr Vater betonen, wie wichtig es ist, dass „der Partner, die Partnerin dir den Rücken freihält und Verständnis zeigt“.

Auch im Urlaub steht der Sport an vorderster Stelle. Bei ihrem alljährlichen Urlaub am italienischen Gardasee wagt man, als Außenstehender, schon fast gar nicht mehr von Urlaub zu sprechen. So folgt auf das morgendliche Frühstück erstmal Training. Das bedeutet für Hanna und Lena Steigungsläufe, Weitwurf und weiteres. Das mitgebrachte Equipment und die Übungen ziehen ab und an sogar einige Schaulustige an. 

Mittlerweile fährt Hanna auch mal alleine mit ihrem Freund in den Urlaub. Doch selbst dort gibt es keine Trainingspause für sie, denn die Konkurrenz schläft nicht. „Die Gegner trainieren auch, du kannst nicht einfach zwei Wochen nichts machen.“

Kleines Volleyball Match im Garten / Video: Jürgen Wittrin

Unterstützung aus dem Elternhaus

Ohne die Unterstützung ihrer Eltern hätten die Geschwister laut Hanna „keine Chance“, ihr Sportlerleben so durchzuführen. Und tatsächlich, Heiko Schmitt verbringt viel Zeit damit, seine Töchter zu unterstützen. Das gilt ebenso für Mutter Simone. Wenn das Hobby mit der eignen Familie so verwoben ist, „muss der Partner mitziehen“, sagt Heiko.

Simone Schmitt hat bisher immer alles mitgetragen. Dazu zählen auch die Übernachtungen im Rahmen der Wettkämpfe. 

Sie selbst ist jahrzehntelanges Mitglied beim TV/DJK Hammelburg und dort als Übungsleiterin im Bereich Aerobic/Stepaerobic tätig. Die eigenen Töchter „unterstützt sie im Sportbetrieb auch immer mental und körperlich. Wenn kleineren Verletzungen auftreten, sind insbesondere ihre Tapekünste gefragt“, verrät Ehemann Heiko. 

Doch auch das Finanzielle spielt eine Rolle. Um Leistungssport zu betreiben, benötigt man entsprechendes Equipment – und das kostet.  Eine Last, die ohne die Eltern nicht zu stemmen wäre. 

Von Zeit zu Zeit braucht es Improvisation 

Heiko Schmitt scheint die Not zur Improvisation vollkommen verinnerlicht zu haben. Wer den Garten der Familie betritt, dem dürfte sofort das Volleyballfeld ins Auge springen. Die Bodenmarkierungen mäht er selbst mit dem Rasenmäher in den Boden und auch die Spannkonstruktion für das Netz stammt von ihm. So lässt sich dieses mithilfe von am Haus angebrachten Seilen über eine Kurbel spannen. 

Volleyballfeld im Hausgarten der Familie Schmitt
Volleyballfeld im Hausgarten der Familie Schmitt // Foto: Jürgen Wittrin

Wie für viele Menschen, in vielen unterschiedlichen Situationen, war die Corona-Pandemie auch für die Hammelburger Familie herausfordernd. „Es war eine sehr prägende Zeit, die wir allerdings gut genutzt haben“, sagt Hanna Schmitt. Ohne die nötige Improvisation des Vaters hätten sie ihr Training allerdings nicht so umsetzen können. 

Er funktionierte den Hausgarten entsprechend um und nutzte auch die Straße vor dem Haus als Trainingsplatz – mit dem Gullydeckel als Markierung. 

Organisation ist alles

Die Planung rund um die Wettkämpfe übernimmt weitestgehend Heiko Schmitt. In seinem Kalender ist alles bestens terminiert. Und das ist auch notwendig, um den Spagat zwischen seinen Töchtern, Familienleben und der Musik zu schaffen.  

Aber der zweifache Familienvater möchte es auch gar nicht anders. „Ein Wochenende, wo nichts ist, fühlt sich falsch an“, meint Schmitt.  Es ist die Art von Energie, die man der ganzen Familie anmerkt. 

Lena beim Diskurswurf in Hösbach bei den Bezirksmeisterschaften 2024
Lena Schmitt beim Diskurswurf in Hösbach bei den Bezirksmeisterschaften 2024 // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schönmeyer
Lena beim Diskurswurf in Hösbach bei den Bezirksmeisterschaften 2024
Lena Schmitt beim Diskurswurf in Hösbach bei den Bezirksmeisterschaften 2024 // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schönmeyer
Lena beim Diskurswurf in Hösbach bei den Bezirksmeisterschaften 2024
Lena Schmitt beim Diskurswurf in Hösbach bei den Bezirksmeisterschaften 2024 // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schönmeyer
Collage von Lena Schmitt bei den Bezirksmeisterschaften 2024 in Hösbach
Collage von Lena Schmitt bei den Bezirksmeisterschaften 2024 in Hösbach // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schönmeyer
Familie Schmitt
Bayerische Mehrkampfmeisterschaften am 29. & 30.07.2023 in Regensburg // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schwarzbach
LeichtathletikFamilie Schmitt
Hanna Schmitt / Bayerische Mehrkampfmeisterschaften am 29. & 30.07.2023 in Regensburg // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schwarzbach
Familie Schmitt
Hanna Schmitt beim Hürdenlauf in Gelnhausen // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schwarzbach
Familie Schmitt
Hanna Schmitt beim Kugelstoßen // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schönmeyer
Familie Schmitt
Hanna (links) und Lena Schmitt (rechts) bei den Meisterschaften in Oberasbach 2024 // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schönmeyer
Bayernliga-Mannschaft (Hammelburg I) aus der Saison 2025
Collage: Bayernliga-Mannschaft (Hammelburg I) aus der Saison 2025 (oben), Hanna Schmitt (links), Lena Schmitt (rechts) // FOTOGALERIE
LeichtathletikFamilie Schmitt
Bayerische Mehrkampfmeisterschaften am 29. & 30.07.2023 in Regensburg // FOTOGALERIE Foto: Uwe Schwarzbach
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