94 Stadtratssitzungen hat das Hammelburger Gremium in dieser Wahlperiode schon hinter sich. Der Ablauf: immer gleich. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) geht es los mit der Tagesordnung. Auf die Genehmigung der letzten Niederschrift folgen stets die Bekanntgaben. Die anschließenden Punkte: individuell.
Als sich die Hammelburger Rätinnen und Räte vergangenen Mittwoch auf den Weg in die Februar-Sitzung gemacht haben, hatten sicherlich alle genau diesen Ablauf im Kopf. Doch falsch gedacht: Pünktlich um 18 Uhr stürmte der Elferrat der Ha-Ka-Ge (Hammelburger Karnevalsgesellschaft) gemeinsam mit den Blauen Funken (Garde) und dem Prinzenpaar den Sitzungssaal.
Einen goldenen Hut für die Hammelburger Stadträte
„Seit dem Rathaussturm Anfang Januar haben wir die Macht über das Rathaus und die ganze Stadt, deswegen sind wir jetzt hier“, startet Prinzessin Kerstin die I. von Rock 'n Roll und Jive die Sitzung. Prinz Holger der I. von den 44PS schließt sich sogleich mit einer Rüge an: „Wenn man hier so in die Runde schaut, sieht man, dass ihr schlecht vorbereitet seid.“ Warum? Obwohl es sich um die letzte Sitzung vor dem Faschingswochenende handelt, habe sich niemand verkleidet. „Das ist wirklich reichlich einfallslos“, schimpft er.
Zum Glück können die Blauen Funken schnell Abhilfe schaffen. Für jeden der anwesenden Rätinnen und Räte haben sie einen goldenen Partyhut dabei. „Wer nächstes Jahr in der letzten Sitzung vor dem Faschingswochenende unverkleidet kommt, der muss sofort mit einer Polonaise anfangen“, schlug der Faschingsprinz vor. Anders als bei so manchem Tagesordnungspunkt der vergangenen Jahre ließen die Narren hier nicht wirklich Raum für Diskussion: Der Vorschlag wurde eindeutig angenommen.
Nach knapp 15 Minuten beendeten die Narren die Sitzung und verabschiedeten sich mit dem Auszug der Blauen Funken.
Eine Grundversorgung der Bevölkerung mit Krapfen
Nachdem das also geklärt war, ging es schließlich so richtig los. Die Faschingsprinzessin begann die Sitzung: „Wir eröffnen hiermit die einzig seriöse Sitzung des Jahres – die närrische Stadtratssitzung unserer schönen Stadt mit über 10.000 Seelen, einer alten Volksschule, einem tropfendem Kupsch voller Akten und einem komischen Plakat gegenüber dem Rathaus.“
Tagesordnungspunkt eins: die Grundversorgung der Bevölkerung mit Krapfen. „Bisher leider nicht im Haushaltsplan vorgesehen, ein Skandal – wirklich", mahnt sie an. Doch ohne mit dem Bürgermeister gesprochen zu haben, hört das Prinzenpaar ihn schon jammern. „Ich höre den Armin schon wieder sagen: Wie soll das gehen? Wie sollen wir denn das finanzieren?“, sagt der Prinz. Ein Vorschlag der Narren: in Diebach aufhören zu bauen, die Straße sei ja gerade sowieso wieder offen. „Das ist im Wahlkampf aber glaube ich nicht so optimal“, räumt Prinz Holger ein.
Eine andere Idee: Jeder Stadtrat spendet pro Sitzung 33 Krapfen. Auf das Jahr verteilt käme die Stadt so auf die 10.000 Krapfen, welche für die Bevölkerung benötigt werden. Und: Um auch den optimalen Grad der Hiffenmark-Füllung zu erwischen, werde zusätzlich eine Task-Force gebildet. Fallen Ungereimtheiten auf, seien diese unverzüglich der Verwaltung zu melden. Ohne Diskussion wurde auch dieser Tagesordnungspunkt eindeutig angenommen.
Hammelburger Narren haben noch viele Ideen
Weiter ging es mit dem zweiten, und letzten Tagesordnungspunkt: eine Prüfung für die Stadträte. „Wir wollen mal schauen, wie gut unser Stadtrat seine Bürger kennt.“ Die erste Frage: Wie lautet der wichtigste Satz am Faschingsdienstag in Hammelburg? Auf die richtige Antwort - Gibt's eigentlich noch Krampfen? – kam niemand. „Na ja, wir haben ja noch mehr Runden“, ist der Prinz optimistisch. Die zweite Frage, welche sie stellen: Wie viele Minuten braucht man zu Fuß vom Bleichrasen in die Innenstadt? „Wenn Du die Bürger fragst, ist das immer eine Weltreise“, lacht der Prinz.
Zuletzt überprüft die Ha-Ka-Ge noch die Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl. Wie viele Aktive des Vereins stehen auf einer Liste, fragen sie. Nachdem etliche Zahlen gefallen sind, fiel schließlich die richtige Antwort. Sieben.
„Wir haben noch mehr Ideen für die Zukunft: Erstens jeder Fußgängerweg darf nur als Polonaise überquert werden“, sagt Prinzessin Kerstin. Sollte eine Person alleine vor dem Überweg stehen, müsse man warten bis noch jemand kommt – zumindest in der Faschingszeit. Um der Parkplatznot in der Innenstadt sollen fliegende Teppiche als alternatives Verkehrsmittel eingeführt werden und Beschlussvorlagen sollten ab sofort immer als Reim verfasst werden. „Ab einer bestimmten Temperatur sollten die Sitzungen ins Freie verlegt werden – vorzugsweise ins Eiscafe.“ Und: Nach zwei trockenen Tagesordnungspunkten muss ein Schoppen halbtrocken getrunken oder wahlweise eine Strophe vom Kreuzberglied gesungen werden. "Ansonsten gilt die Sitzung als nicht beschlussfähig“, sagt sie.
Zu guter Letzt macht das Prinzenpaar noch einen Vorschlag: „Einmal im Jahr gibt es eine Stunde im Stadtrat, in der alle Bürger ganz offiziell über den Bürgermeister, den Stadtrat, den Bauhof, das Wetter, die Pflasterverlegung, die Fußballergebnisse oder sonst was jammern dürfen.“
Nach knappen 15 Minuten ist die Stadtratssitzung beendet. Gemeinsam mit dem Auszug der Blauen Funken verlassen die Narren den Saal, doch ein Versprechen lassen sie zurück: „Wir kommen wieder.“













