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Jugend
Im Landkreis Bad Kissingen bilden Vereine die Basis
Für die Jugend: Ein Pumptrack ist in Wildflecken eröffnet worden.
Für die Jugend: Ein Pumptrack ist in Wildflecken eröffnet worden. // Sebastian Schmitt
LKR Bad Kissingen – Im Landkreis gibt es vielfältige Angebote für junge Menschen. Genaues Hinsehen lohnt sich.

Es fehlt an Spielplätzen, Skaterbahnen, Anlaufpunkten und Programmen für junge Menschen, das haben zahlreiche Leserinnen und Leser haben im Heimat-Monitor zum Ausdruck gebracht.

Wir haben mit Daniel Korn, er ist der Geschäftsführer des Vereins Pro-Jugend im Landkreis Bad Kissingen, über die Situation der Jugendarbeit im Landkreis gesprochen. Korn kommt zu dem Schluss, dass es in vielen Gemeinden schon viele und gute Angebote für Jugendliche gibt, die auch gut angenommen werden. Allerdings gebe es sicherlich auch Gemeinden mit Nachholbedarf.

Keine Konkurrenz zu Vereinen

Vor 13 Jahren wurde der Verein gegründet, mit dem Ziel, in möglichst vielen Gemeinden im Landkreis hauptamtliche Jugendarbeit anbieten zu können. Oberste Prämisse sei es, keine Konkurrenzangebote zu den örtlichen Vereinen, Feuerwehren oder der kirchlichen Jugendarbeit anzubieten.

Die Struktur der Jugendarbeit

Die Jugendarbeit im Landkreis Bad Kissingen sei breit aufgestellt. „Die Basis bilden die Vereine mit ihren Jugendabteilungen, die sich im Kreisjugendring zusammengeschlossen haben.“ Parallel gebe es die gemeindliche Jugendarbeit über den Verein Pro-Jugend in der Stadt Bad Brückenau und den Gemeinden Burkardroth, Euerdorf, Maßbach, Münnerstadt, Nüdlingen, Oberthulba, Oerlenbach und Wildflecken. Die Gemeinden, die sich keine Vollzeitstelle leisten können oder wollen, können sich Gemeindejugendarbeiter stundenweise buchen.

Die Städte Bad Kissingen und Hammelburg haben eine eigene Jugendarbeit. Darüber hinaus gibt es die kommunale Jugendarbeit am Landratsamt, die beratende Funktion habe und unter anderem diverse Freizeiten und Reisen anbiete.

„Jugendarbeit ist freiwillig und offen“

Korn betont: „Jugendarbeit ist immer freiwillig und offen.“ Das heißt, kein Jugendlicher werde gezwungen oder sei verpflichtet an Angeboten teilzunehmen, gleichzeitig stehen sie allen Jugendlichen offen.

„Die meiste Jugendarbeit wird in den Vereinen, tagtäglich im Ehrenamt geleistet. Das wäre über die hauptamtliche Jugendarbeit nicht möglich“, so Korn.

Die Arbeit von Pro-Jugend sei stets als Ergänzung und Unterstützung zu verstehen. So laufe in Wildflecken eine Kooperation mit dem Sportverein. Jugendlichen werden die Angebote vorgestellt, mit dem Ziel, sie im Verein zu integrieren. Dazu sei viel Elternarbeit notwendig, um etwa ausländischen Mitbürgern, denen das deutsche Vereinswesen nicht vertraut sei, die Scheu zu nehmen.

Zusammenarbeit mit der Gemeinde

Ein Schwerpunkt von Pro-Jugend sei die enge Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten. Denn Jugendarbeit stoße an ihre Grenzen, wenn es um bauliche Wünsche geht.

Die Gemeindejugendarbeiter können die Bürgermeister und Gemeinderäte auf die Wünsche und Defizite aufmerksam machen, solche Projekte aber nicht selbst realisieren. Als Beispiele nannte Korn die Pumptracks in Nüdlingen, Oerlenbach und Wildflecken. Auch Skateranlagen stehen ganz oben auf der Wunschliste, hierzu laufen Planungen in Schondra und Euerdorf, umgesetzt wurden Anlagen beispielsweise in Oerlenbach und Bad Kissingen.

Neueröffnung von Jugendräumen

Ein weiterer Schwerpunkt sei der Aufbau und die Begleitung von Jugendgruppen in den Gemeinden, wie dies aktuell unter anderem in Gefäll und Oehrberg geschehe. In Bad Brückenau stehe die Neueröffnung des Jugendraums kurz bevor. „Da läuft Jugendarbeit wieder an“, weiß Korn.

Beratungen sind nachgefragt

Einen großen Bereich umfasse die Beratungstätigkeit. „Die Gemeindejugendarbeiterinnen sind oft die ersten Ansprechpartner vor Ort. Es sind Vertrauenspersonen.“ Die Anliegen reichen von schulischen und privaten Fragen bis hin zu größeren Problemstellungen wie Drogenabhängigkeit oder Schwangerschaftsberatung. „Bei solchen Problemfällen vermitteln wir an die richtigen Stellen.“

Korn zieht ein positives Fazit: „Es werden viele Angebote im gesamten Landkreis für Jugendliche gemacht.“ In Bezug auf die Beiträge im Heimat-Monitor sagt er: „Die Kritik ist teilweise nicht nachvollziehbar.“

350 Angebote in den Ferien

Das sieht auch Philipp Pfülb vom Sozialreferat der Stadt Bad Kissingen so. „Immer wieder wird das Argument gebracht, dass Kissingen die Stadt für alte Menschen ist. Dem ist aber nicht so. Die Stadt leistet sich für Kinder und Jugendliche einiges und es wird für alle Altersstufen immer mehr.“

Pfülb verweist unter anderem auf das „riesige Ferienprogramm“ mit über 350 Angeboten in sechs Wochen, das Jugend- und Kulturzentrum und den Aktivspielplatz. Er habe die Erfahrung gemacht, dass über Jugendliche, die auf einem Skaterplatz Zeit verbringen, schnell gesagt werde, dass sie „eh nur rumhängen“. „Dem ist aber nicht so, das sind wichtige soziale Treffpunkte, und Jugendliche brauchen Orte und Zeiten zum vermeintlichen Nichtstun.“

Dem kann Annalina Hofmann nur zustimmen. Sie und ihre Kollegen Daniel Johnston und Magdalena Krapf sind seit 2021 für die städtische Jugendarbeit in Hammelburg zuständig.

Im Hammelburg gibt es ein Jugendzentrum  

Der Schwerpunkt liege beim Jugendzentrum. „Wir bieten Veranstaltungen und Aktivitäten an. Es gibt kreative Angebote und wir kochen jeden zweiten Samstag zusammen. Wir sind Ansprechpartner für die Jugendlichen“, so Hofmann. „Das Jugendzentrum ist aber auch ein Ort zum unverbindlichen Treffen, zum Abhängen, zum Runterkommen und Entschleunigen.“

Daniel Korn ist überzeugt, dass die meisten Gemeinden verstanden haben, dass gute Jugendarbeit eine wichtige Investition in die Zukunft ist. „Da wo sich Jugendarbeit etabliert hat, da kommen die jungen Menschen oft auch wieder zurück in ihre Gemeinden. Im Idealfall engagieren sie sich in ihren Heimatorten. Mit starker Jugendarbeit wird die Zukunft der Gemeinde gestärkt und gestaltet.“

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