Ein Käfer im Schaufenster, ein Sarg in PopArt und Anzüge mit Engelsflügeln – in Joachim Hungers Galerie in Bad Brückenau wird alles zur Leinwand. Jetzt gibt’s dort nicht nur Kunst, sondern auch Maßanzüge der besonderen Art.
Bereits seit einigen Jahren ziert der Volkswagen Käfer, Baujahr 1969 das Schaufenster in der Ludwigstraße 17. Das ursprüngliche blau der Wagenfarbe ziert nur noch spärlich, an wenigen Ecken das Blech der luftgekühlten Ikone des deutschen Automobilbaus.
Strasssteine umrahmen die Scheinwerfer, „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, zitieren die Seitenwände des Wagens den Dichter Hermann Hesse. Auf der Motorhaube unscheinbar die kleine Zeile „und jede Jugend dem Alter weicht.“ Eine Drehung um die eigene Achse und der Blick wandert vom Volkswagen weg.
Alles wird bemalt
Auf einen Sarg, ebenso künstlerisch gestaltet, mit Sonne, Blättern und Kerzen im selben knalligen, neonbunten PopArt-Stil. Es wirkt unangebracht, aber man befindet sich ja in einer Kunstgalerie, nicht in einem Bestattungsinstitut. „Leinwände sind schön und gut, aber es wird alles bemalt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.“
Dass Joachim Hunger das ernst meint, ist in seiner Galerie zweifelsfrei zu erkennen. Metallene Totenköpfe, Golfbälle, Motorradhelme. Die Bandbreite an umgesetzten Projekten ist ähnlich unerschöpflich wie die Auswahl der bisher verarbeiteten Motive.
Auch seine Wahlheimat Bad Brückenau hat der gebürtige Bad Harzburger (Niedersachsen) schon mehrfach auf verschiedenste Arten und Weisen porträtiert.
„Your style rocks“: Einzelstücke fürs Leben
Als das Brückenauer Herrenmode-Outlet Ferkinghoff im vergangenen Jahr die Pforten schloss, war das nicht nur für die Inhaber ein Einschnitt. Auch für Hunger bedeutete es eine Veränderung. „Ich habe meine Anzüge dort immer gekauft, auch als sie noch den Fabrikverkauf hatten. Das war in der Qualität einfach gut, vergleichbar mit Boss“, blickt der ehemals langjährige Regena-Direktor weit zurück.
Hunger bot an, die Restbestände in seiner Galerie anzubieten. Doch einfach nur unter die Textilhändler zu gehen, würde nicht zu ihm passen. Freilich bekäme jeder, der das möchte, auch jetzt noch die Anzüge, Sakko und Westen in ihrer Ursprungsform bei ihm, doch was läge näher, als sich bei dieser Gelegenheit ein Einzelstück fürs Leben anzuschaffen.
Möglicherweise auch etwas individueller, als man beim Gedanken an einen Anzug zunächst denken mag. „Your style rocks“ nennt Hunger das Motto, das schon in den vergangenen Wochen einige Interessenten angelockt habe, die sonst eher keine klassischen Anzugträger seien, wie der Schüler, der einen Anzug für die Abschlussfeier suchte.
Alles ist möglich
Von nur dezenten Veränderungen, wie beispielsweise einem künstlerisch gestalteten Innenfutter, bis hin zu auffälligen Anpassungen wie großen Rückendekorationen mit Engelsflügen oder auch ärmellosen Jackets sei eigentlich immer alles möglich.
„Eine ältere Dame hat sich von mir ihren Gehstock in einem punkigen Muster bemalen lassen“, nennt Hunger ein Beispiel für Personen, die auch mal um des eigenen Spaßes halber etwaige vermeintlich vorgegebene Stile brechen. „Lass dir von keinem erklären, was man anzuziehen hat.“
Wer also klassische Maßmode sucht, aber jenseits ausgetretener Pfade Neues entdecken möchte, könnte in der Galerie von Joachim Hunger fündig werden.
Geöffnet ist die Galerie immer samstags von 9 bis 13 Uhr oder nach telefonischer Verabredung unter 0170 247 7486.













