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Lesetipp
„Einatmen – Ausatmen“: Selbstfindungsroman in sanfter Ironie
Einatmen - Ausatmen von Maxim Leo
Einatmen - Ausatmen von Maxim Leo // Verlag Kiepenheuer & Witsch
Landkreis Bad Kissingen – Eine Vorstandsvorsitzende trifft auf einen Coach mit Burn-out. Maxim Leo wirft einen humorvollen Blick auf die Sinnsuche in modernen Zeiten.

Seine Bücher mögen sich zwar inhaltlich deutlich unterscheiden und zwischen Historie und Gegenwart, zwischen Politik und Alltagsleben wechseln. Aber eines haben alle Werke des Schriftstellers Maxim Leo (56) gemeinsam: So ernst das Thema im Kern auch sein mag, schafft er es doch immer, den Sachverhalt in der für ihn typischen Leichtigkeit und gelegentlich auch sanfter Ironie darzustellen. Im Vordergrund steht bei ihm immer der Mensch mit seinen Stärken, meistens aber mit seinen oft unvermeidbaren Schwächen.

Dies gilt auch für seinen im März beim Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlichten Roman „Einatmen – Ausatmen“. Darin geht es um die scheinbar immer schwieriger werdende Suche nach dem individuellen Lebenssinn und Glück als Folge der sich von Generation zu Generation wandelnden gesellschaftlichen Einstellungen, Verhaltens- und Denkweisen.

Vorstandsvorsitzende muss zu Achtsamkeits-Coaching

Die Protagonistin seines neuen Romans, Marlene Buchholz, steht vor ihrem seit Jahren angestrebten Berufsziel, Vorstandsvorsitzende ihres Konzerns zu werden. Doch mangelt es der fachlich kompetenten Managerin an der nötigen Empathie, worauf mehrfache Beschwerden bei der Antidiskriminierungsbeauftragten hinweisen. Deshalb schickt sie der Seniorchef zu einem Achtsamkeits-Coaching. Marlene fügt sich widerwillig und fährt – wie sie es nennt – ins „Umerziehungslager“ zum „Seelentröster“ Alex Grow.

Dumm nur, dass Alex selbst gerade unter Burn-out und Panikattacken leidet und seine bisher so erfolgreiche Academy vor der Insolvenz steht. Sollte er aber im Fall Marlene erfolgreich sein, ist ein rettender Großauftrag des Konzerns zu erwarten.

Eigene Erfahrungen des Autors Maxim Leo eingebracht

Maxim Leo scheint in seinem unterhaltsamen Buch aus dem reichen Fundus eigener Erfahrungen mit diesem Thema geschöpft zu haben, weshalb er sich auch manchen ironischen Seitenhieb erlaubt: Seine Ehefrau ist als Coach tätig, und seine beiden Töchter mahnen beim Vater immer wieder mehr Achtsamkeit an. So beschreibt er nicht nur die Selbstfindungs- und Achtsamkeitskurse sehr plastisch, sondern es gelingt ihm auch, die unterschiedlichsten Menschentypen gegenüberzustellen.

Marlene Buchholz, die nur für ihre Karriere lebt, hat überhaupt kein Verständnis für junge Kolleginnen, die „problematischen Themen aus dem Weg gehen und ihre Ehre als Frau verteidigen, dass für die eigentlichen Arbeitsaufgaben kaum noch Energie übrig blieb.“ Diese „verhuschten Ponyfrauen“ stehen, wenn sie im Job nicht die erwartete Leistung bringen, nur Marlenes Erfolg im Weg.

Begegnungen mit Menschen lösen inneren Wandel aus

Die Antidiskriminierungsbeauftragte Gundula Starkowski fühlt sich in ihrer Aufgabe inzwischen überfordert: „Die Menschen wurden immer dünnhäutiger, waren immer schneller verletzt oder beleidigt. Die Grundidee ihres Jobs … drohte in allgemeiner Jammerlust zu versinken.“

Dann gibt es aber auch den schüchternen Hausmeister Mattissen, der vor Jahren seinen guten Job als Ingenieur aufgab, um lieber ein stressfreies Leben zu führen und sich um seine alte Mutter zu kümmern. Und die 14-jährige Conny aus zerrüttetem Elternhaus, die statt zur Schule zu gehen, ihren Lebenssinn im Umwelt- und Naturschutz sieht. Weniger das Seminar, bei dessen Kursen Marlene kaum mitmacht, sondern die Begegnungen mit diesen beiden Menschen lösen bei ihr den vom Seniorchef gewünschten inneren Wandel aus und machen ihr klar, was wirklich ein erfülltes Leben ausmacht.

Entwicklung der Handlung wenig überraschend

Natürlich gibt es bereits viele Ratgeber zum Thema Sinnsuche und Achtsamkeit – sowohl als Sachbuch als auch als Roman. Wir Leser sollten also inzwischen wissen, worauf man achten sollte. Insofern ist die Entwicklung der Handlung und Protagonisten in „Einatmen – Ausatmen“ wenig überraschend, zumal manche Szene und Figur doch etwas klischeehaft wirkt.

Der Geschichte hätten einige unerwartete Wendungen und etwas mehr Dramatik im Ablauf gutgetan, um für Spannung zu sorgen. So bleibt der Roman ein flüssig erzählter, leicht lesbarer Unterhaltungsroman, der auf psychologisch nicht allzu tiefgehende Art existenzielle Fragen mit Situationskomik und Ironie verbindet. Aber vielleicht ermöglicht genau dies jenen Lesern einen leichten Einstieg ins Thema, die sich vor der Lektüre von Ratgebern scheuen.

Informationen zum Buch:

Maxim Leo: „Einatmen – Ausatmen“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 256 Seiten, Preis: 23 Euro, ISBN ‎978-3462006513

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