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Schließung
Sinnflut: Mit Wehmut dem Ende entgegen
Betriebsleiter Konstantin Steigerwald zeigt Übungen beim „Gesunden Bewegen“. In den letzten Tagen der Sinnflut kommen noch einmal viele Besucher in die Therme, vor allem in die Sauna.
Betriebsleiter Konstantin Steigerwald zeigt Übungen beim „Gesunden Bewegen“. In den letzten Tagen der Sinnflut kommen noch einmal viele Besucher in die Therme, vor allem in die Sauna. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Kurz vor dem Ende der Therme herrscht Trauer, nicht nur unter den Gästen. Einige Mitarbeiter bleiben etwas länger da.

Die lange Schlange am Empfang: Für Petra Schöberl und Norbert Schneider ist sie nichts Ungewöhnliches mehr. Seit das Ende der Sinnflut naht, kommen mehr Besucher in die Therme, auch viele, die man dort lange nicht zu Gesicht bekam.

Der Andrang zur letzten Damensauna in der Sinnflut war am Dienstag beträchtlich.
Der Andrang zur letzten Damensauna in der Sinnflut war am Dienstag beträchtlich. // Steffen Standke

An diesem Dienstag, kurz nach 13 Uhr, besteht die Schlange fast nur aus Frauen. Logisch, ist dienstags doch „Damensauna“ angesagt. Diesmal die letzte vor der Schließung auf unbestimmte Zeit am 30. September; die Gelegenheit wollen viele noch mal nutzen.

Schließung noch nicht im Kopf angekommen

Die Besucher warten geduldig, ruhig, fast zu ruhig. Wurde vor einigen Tagen noch oft Bedauern über die Schließung ausgedrückt und viel nach der Zukunft der Mitarbeiter gefragt, liegt jetzt eine gewisse Trauer über den Gästen. Soviel, dass Norbert Schneider versucht aufzumuntern: „Lächelt mal alle, bitte.“

Bei Petra Schöberl ist das vorläufige Ende „auch noch nicht angekommen“. Seit 27 Jahren ist sie in der Sinnflut beschäftigt, eigentlich in der „Arche Noah“ genannten Gastronomie. Wegen personeller Engpässe hilft sie seit 2022 am Empfang aus.

Aber wenn die Leute sie fragen, wird ihr schon bewusst, dass bald Schluss ist im Freizeitbad. Die Stadtwerke als Betreiber übernehmen Schöberl für die Monate bis zu ihrer Rente.

Petra Schöberl (links) und Annette Ziegler bieten in der „Arche Noah“ bis Samstag etwas gegen den Hunger.
Petra Schöberl (links) und Annette Ziegler bieten in der „Arche Noah“ bis Samstag etwas gegen den Hunger. // Steffen Standke

Warmes Wetter lockte viele Freibadgäste

Annette Ziegler, auch schon 20 Jahre in der Arche Noah tätig, wird Bad Brückenau nach dem Sinnflut-Ende verlassen. Sie geht in ihre Heimat, einem Ort bei Münnerstadt, zurück. Eine neue Arbeit hat sie auch: ab 2. November bei der Post.

Zuletzt sei vor allem an Wochenenden viel losgewesen, hat Ziegler beobachtet. Das warme Spätsommerwetter habe den Freibadbereich gefüllt. Viele Besucher würden alte Gutscheinkarten einlösen.

Viel weniger Gäste als im selben Zeitraum 2022 und 2019

Laut Stadtwerke-Geschäftsführer Torsten Zwingmann haben von Mai bis August 25.182 Gäste die Sinnflut besucht. Das seien weit weniger als im gleichen Zeitraum 2022 (31.591) und nicht annähernd soviel wie vor der Corona-Zeit (Mai bis August 2019: 40.556).

Das Ergebnis 2023 hänge stark mit den veränderten Öffnungszeiten samt Ruhetag am Montag (seit Mitte Oktober 2022) und Verschiebung der Öffnung ab 13 Uhr (seit Mitte Dezember 2022) zusammen. Für September kann Zwingmann keine Zahlen nennen. Abgerechnet werde erst nach Schließung der Sinnflut. Vom Gefühl her waren es einige mehr als sonst.

Einige Mitarbeiter kommen bei den Stadtwerken unter

Zwingmann sagt, dass von 24 Mitarbeitern nur zwei gegangen sind. Der Rest bleibe bis 3. Oktober, die Befristeten nur bis 30. September. Sechs Mitarbeiter seien bei den Stadtwerken intern untergekommen. Eine Mitarbeiterin gehe zum 1. November in Rente, zwei weitere nächstes und übernächstes Jahr.

Noch keine neue Arbeit gefunden hat Betriebsleiter Konstantin Steigerwald. Er bleibt aber bis Ende November.

Vorkehrungen für die Zeit nach der Schließung

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Maximilian Enders trifft Steigerwald – neben dem normalen Betrieb – Vorkehrungen für die Zeit nach der Schließung. „Die Frage ist: Was müssen wir tun, damit keine Folgeschäden und -kosten entstehen“, so Enders. Das sei gar nicht so einfach, weil niemand wisse, wie lange das Bad geschlossen bleibe und was mit dem Gebäude passiere.

Maximilian Enders wird auch nach der Schließung der Sinnflut ein Auge auf die Technik haben.
Maximilian Enders wird auch nach der Schließung der Sinnflut ein Auge auf die Technik haben. // Steffen Standke

Steigerwald glaubt, dass die Trauer bei den Mitarbeitern, die lange Jahre da sind, besonders groß ist. Davon gebe es viele. „Wir waren ein eingeschworener Haufen; viele verstehen sich privat sehr gut.“ Dies sei auch der Grund gewesen, dass viele bis zum Schluss geblieben seien.

Neuanfang im Skigebiet

Christine Knüttel war seit 22 Jahren in der Sinnflut, machte in der Sauna Aufgüsse und leistete Thekendienst. Auch sie betont den Zusammenhalt in der Belegschaft – und unter den Stammgästen.

Sauna-Mitarbeiterin Christine Knüttel wird ihr berufliches Heil nach dem Ende der Sinnflut wohl in einem Skigebiet der Alpen suchen.
Sauna-Mitarbeiterin Christine Knüttel wird ihr berufliches Heil nach dem Ende der Sinnflut wohl in einem Skigebiet der Alpen suchen. // Steffen Standke

Für die 58-jährige gelernte Hotelfachfrau geht es nach ihrem Abschied Ende Oktober wohl zum Arbeiten in ein Skigebiet. Bewerbungen laufen. „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue.“

Verlosung

Die Saale-Zeitung verlost unter ihren Abonnenten 4 x 2 Eintrittskarten für die Abschiedsparty der Therme Sinnflut am Samstag, 30. September, ab 18 Uhr.   Das Ticket umfasst Eintritt, Nutzung von Bad und Sauna sowie Essen und den Bandauftritt. Bitte schreiben Sie bis diesen Mittwoch, 18 Uhr eine E-Mail an 
redaktionssekretariat@saale-zeitung.de

In der Mail müssen folgende Angaben stehen: kompletter Name, Adresse, Abonummer und Telefonnummer für die Benachrichtigung, dazu das Stichwort „Sinnflut“. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 

 

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