Ein ungewöhnliches Bild bot sich am Freitagvormittag an der Sinn, nahe der Bad Brückenauer Musikschule: Arbeiter legten eine lange Bahn weißen Vlieses über zwei dicke Stahlrohre, die zuvor im Wildbach platziert worden waren. Rohre und „Stoffbahn" dienen der Erschließung des Areals zwischen zwei Sinnarmen. Es wird Baufeld für ein lang herbeigesehntes Projekt: den Mehrgenerationenplatz.
Die Idee entstand bereits vor fast 15 Jahren, nachdem Betreiber Ottmar Noggler seine Minigolfanlage an gleicher Stelle für immer dichtmachte. Allerdings ging es ursprünglich um einen Spielplatz, als Ersatz beziehungsweise Erweiterung des noch bestehenden Holztürmchens mit Rutsche direkt neben der August-Kömpel-Musikschule.
Als die heutige Altbürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) noch im Amt war, stand der Spielplatz mehrfach im Haushalt und auf der Agenda des Stadtrats - und wurde jedes Jahr meist aus finanziellen Gründen geschoben.
Spielplatzinitiative macht sich für Bau stark
Vor einigen Jahren dann machte sich eine Spielplatz-Initiative um die Stadträte Franziska Kaul (CSU), Florian Wildenauer (SPD) und Heike Greenberg-Kremser (PWG) für das Vorhaben stark.
Das Projekt reifte - und wandelte sich: vom Mehrgenerationen-Spielplatz zum Mehrgenerationenplatz. Das hatte auch mit den Zuschüssen zu tun, die sich die Kommune aus dem Bayerischen Städtebauförderprogramm erhoffte. Und ohne die sie es nicht stemmen könnte. 245.800 Euro wird das Multifunktionsgelände Stand heute kosten; maximal 168.200 Euro davon erhält die Stadt als Zuschuss zurück.
Baumbestand bleibt erhalten
Nachdem ein erster Versuch, den Auftrag zu vergeben, kurz vor dem Jahreswechsel wegen nicht verwertbarer, weil zu teurer Angebote scheiterte, erhielt im Februar die Firma H&M Gartengestaltung aus Maidbronn bei Würzburg den Zuschlag. Ihre Mitarbeiter zogen schon am Mittwoch kleine Gräben in die Grasnarbe des einstigen Minigolfgeländes - als Abgrenzung und Orientierung, wo das Grün wegsoll und wo es bestehen bleibt. Einen offiziellen Spatenstich gab es nicht.
Am Freitag war das Grün an den vorgesehenen Stellen entfernt. Rund um den zentral stehenden Tulpenbaum bleibt es liegen. Überhaupt wird in den Baumbestand beim Bau nicht eingegriffen. Und auch die Erdarbeiten halten sich in Grenzen, so Marcus Markert von der städtischen Bauverwaltung. Bereits in zwei Wochen sollen die Spiel- und Sportgeräte angeliefert werden, heißt es von der Baustelle.
Enger Zeitplan
Der Zeitplan ist sportlich, aber machbar. Die Stadtverwaltung rechnet für den 31. Juli mit der Fertigstellung, die Baufirma sogar eher. Bis zum Stadtfest am letzten Juni-Wochenende wird es aber wohl nichts.
Der Mehrgenerationen-Charakter ist beim Blick auf den Ausstattungsplan des Geländes klar zu erkennen. Auch die Anregungen des Behindertenbeauftragen Andreas Knüttel flossen in die Planung mit ein.
Mehrgenerationen-Charakter deutlich erkennbar
Es gibt nicht nur Spielgeräte für kleine und größere Kinder, wie Nestschaukel, Wackelbrücke und Kletterseilstrecke. Das Boule-Areal ist sicher mehr für ältere Menschen gedacht. Freiluft-Schach und Tischtennis können Kinder, Eltern und Großeltern gemeinsam spielen. Die Picknick-Ecke bietet sich sehr für Familien an.
Der Mehrgenerationenplatz beherbergt auch ein beachtlichen Fitnessbereich - unter anderem mit Geräten zum Dehnen und Rückenstrecken, für Liegestütz, Armzug und Situps.
Aus hygienischen Gründen kein Zugang zur Sinn
Manch Traum konnte nicht verwirklicht werden. So fehlt - auch aus Kostengründen - ein Kletterschiff oder-turm, über die ursprünglich nachgedacht wurde. Auch auf den Zugang zum nahen Hauptarm der Sinn wurde verzichtet. Dies geschah aber „aus hygienischen Gründen", wie Marcus Markert vom städtischen Bauamt mitteilt.
Der Wildbach sei nicht so sauber, dass man Kinder ruhigen Gewissens dort ranlassen könnte. Markert spricht von „natürlicher Belastung des Fließgewässers" und meint damit das Oberflächenwasser und die (erlaubten) Einträge einiger Akteure am Oberlauf der Sinn.
Wer sich fragt, warum dann im Siebener-Park ein Wasserspielplatz möglich ist: Die dortige Pumpe für das Spielgerät ist tatsächlich an die Trinkwasserleitung angeschlossen. Sie speist sich nicht aus dem Mühlbach.
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