Rund 83 Prozent der derzeit rund 630.000 Pflegebedürftigen werden in Bayern zu Hause betreut und versorgt. Meist erfolgen Pflege und Betreuung von pflegenden Angehörigen. Und nur ein Viertel davon erhält Unterstützung durch einen Pflegedienst – das schreibt das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.
Natalie Wagner ist Pflegelotsin in Münnerstadt
Um pflegebedürftige Menschen sowie deren Angehörige zu unterstützen, gibt es das Förderprogramm Gute Pflege in Bayern. Die Stadt hatte sich daher um die Förderung einer Pflegelotsin beworben, die mit 80 Prozent unterstützt wird. Seit einigen Wochen ist nun Natalie Wagner in dieser Stelle bei der Stadt, die erst einmal für zwei Jahre angedacht ist.
Die zweifache Mutter kam 2019 aus Berlin in die Region, arbeitete als Erzieherin in einem Kindergarten bei Hohenroth und leitete diesen auch eine Weile. Als sie die Anzeige zur Stelle der Pflegelotsin in Münnerstadt sah, entschied sie sich, beruflich neue Wege zu gehen. "Das ist etwas Soziales, da kann ich den Menschen helfen. Das hörte sich gut an", sagt Natalie Wagner zu ihrer Entscheidung.
Zusammenarbeit mit Pflegestützpunkt
Zu ihren Aufgaben gehört zum einen die Zusammenarbeit mit dem Pflegestützpunkt im Landratsamt. Sie ist dabei eine in der Stadt ansässige Verbindung zwischen Pflegestützpunkt und den Bürgern. Sie erklärt: "Ich gehe nicht so in die Tiefe der Beratung, sondern ich bin vor allem die erste Anlaufstelle und Vermittlerin bei Fragen." Eine Person vor Ort als Ansprechpartnerin zu haben, falle manchen vielleicht einfacher zu kontaktieren als sich an das Landratsamt zu wenden. Dabei geht es etwa um die Frage, welche Unterstützungen es vom Staat für Pflegebedürftige und Angehörige gibt oder wo dies beantragt werden kann.
"Ich möchte zeigen: Die Menschen können sich mir anvertrauen. Wichtig ist mir auch, eine Bindung zu ihnen aufzubauen." Hierfür war die Pflegelotsin bereits bei Seniorennachmittagen, möchte aber im Herbst noch eine Veranstaltung in der Stadt abhalten, bei der sie sich vorstellt.
Hausbesuche und erkennen von Unterstützungsbedarf
Auch Hausbesuche stehen auf Natalie Wagners Agenda. "Ich komme vorbei, wenn Pflegebedürftige Fragen haben, wie man die Wohnung oder das Haus umbauen kann, damit Hindernisse beseitigt werden können." Doch es muss nicht gleich der Umbau des Hauses sein – mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, mit technischen Geräten oder besonderen Möbeln das selbstbestimmte Leben im Alter zu vereinfachen. Inspiration bietet hier auch „Mein Haus 4.0“ im Landratsamt.
Auch soll die Pflegelotsin Unterstützungsbedarf erkennen und versuchen, zu helfen. „Wenn sich beispielsweise jemand meldet, der auf die alleinlebende ältere Nachbarin aufmerksam macht, dann gehe ich zu den Personen und biete Unterstützung an. Sei es, Menschen zu vermitteln, die helfen können, das Engagieren einer ambulanten Pflege oder die Suche nach einem Pflegeplatz oder betreuten Wohnen."
Angebote für Angehörige, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit
Auch für pflegende Angehörige ist Natalie Wagner da. Sei es die Beratung für finanzielle Unterstützung oder wenn der Vater keine Hilfe annehmen möchte, sie aber eigentlich bräuchte. Ebenso soll sie eine generationenübergreifende Sensibilisierung vorantreiben. In der Demenzwoche im September wird es daher beispielsweise eine Aktion geben, um Kindern altersgerecht diese Erkrankung zu erklären.
Angebote zur sozialen Teilhabe, Öffentlichkeitsarbeit und eine bessere Vernetzung ist bei diesem Thema ebenfalls gefragt. Ein Vorhaben von Natalie Wagner ist, eine Nachbarschaftshilfe aufzubauen. Das gebe es in Teilen im Privaten oder durch Facebook- oder Whatsapp-Gruppen bereits, soll aber ausgebaut werden. Am Ende soll schnell ersichtlich sein, welche Menschen in welchen Situationen helfen können. Auch ein Treff für verwitwete Menschen wäre denkbar, um Einsamkeit zu verhindern. Mit dem Bayerischen Roten Kreuz ist sie im Gespräch, um in einer Veranstaltung den Hausnotruf vorzustellen.
Büro im Rathaus
Als Anlaufstelle für alle Münnerstädter hat Natalie Wagner das Büro von Klimamanager Stefan Richter im Rathaus übernommen. Es befindet sich gleich links nach dem Eingang ins Foyer. "Einen barrierefreien Eingang zum Rathaus gibt es um die Ecke. Eine Stufe ins Büro wird in Kooperation mit dem Hort noch eine Lego-Rampe bekommen. Die Anleitung habe ich schon hier liegen", berichtet Natalie Wagner.
Zudem bietet Natalie Wagner an, Menschen für Beratungsgespräche zu Hause zu besuchen. Wenn Menschen in den Ortsteilen keine Beratung im eigenen Haus wünschen, kümmert sich die Pflegelotsin um einen passenden Raum im Ort.
Bisherige Arbeit
Die vergangenen Wochen nutzte sie, um Mitarbeiter und Struktur der Stadt kennenzulernen, sich in verschiedene Themen einzulesen, Seminare zu besuchen und Kontakt zu Ortssprechern und Institutionen aufzubauen. Auch die Ortsteile der Stadt hat sie schon erkundet. "Bald spreche ich mit den Menschen. Ich höre mir Sorgen und Nöte an und werde da ansetzen, was oft genannt wird und was am brenzligsten erscheint." Ein Wunsch, den sie schon mitgenommen hat: mehr Seniorennachmittage.
Ein Ziel ist auch, dass Menschen so lange wie möglich zu Hause wohnen und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Dies zu unterstützen, ist ihre Aufgabe. "Ich versuche zu erreichen, dass die Menschen zu mir ein Vertrauensverhältnis aufbauen und sich trauen, mit mir zu sprechen, damit ich helfen kann." Zwar komme sie aus dem Bereich der Arbeit mit Kindern, "aber ich denke, es ist wichtig, einfach eine empathische Person und offen zu sein."
Kontakt
Ab dem 23. Juni ist Natalie Wagner in ihrem neuen Büro im Rathaus Münnerstadt (erste Tür links) zu finden.
Sprechzeiten:
- Münnerstadt: Montag 10 bis 11 Uhr und Donnerstag 15 bis 16 Uhr
- Großwenkheim: Dienstag: 10 bis 11 Uhr
- Reichenbach: Mittwoch 10 bis 11 Uhr
Die Sprechzeiten in den Dörfern sollten angemeldet werden. Weiter Sprechzeiten oder Hausbesuche nach Terminvereinbarung.
Kontakt:
- Mail: natalie.wagner@muennerstadt.de
- Telefonnummer: 01515 5664896










