Es ist die Leidensgeschichte des Jesus von Nazareth. Aber eine andere, eine aus der Sicht der römischen Soldaten, die ihn gefoltert und gekreuzigt haben. Was ein Ensemble der Sömmersdorfer Passionsspieler in dieser Fastenzeit vor Ostern in verschiedenen Kirchen als Theaterstück „Die Legionäre“ zeigt, das geht unter die Haut.
Lautes Gebrüll, hämisches Gelächter, aber auch bohrende Fragen werfen die vier Legionäre in dem 45-Minuten-Stück einander an den Kopf. Es geht dabei vordergründig um Gehorsamsverweigerung und Autoritätshörigkeit, zumal der junge Soldat Marcus im Gefängnis sitzt, weil er sich weigerte, Jesus zu geißeln.
Aber es geht in dem Gespräch zwischen ihm, seinem Bewacher Proculus und seinen Kameraden Octavius und Lupus auch um große Fragen wie Schuld, persönliche Verantwortung, um Feigheit und Mut, um Menschlichkeit und Verrohung, um Offenheit für Neues und blindes Festhalten am Althergebrachten – Themen, die allgegenwärtig sind.
Garderobenraum ersetzt große Halle für die Theaterproben
Eine große Fläche brauchen die vier Darsteller nicht für ihr Kammerspiel. Lediglich ein aus Lanzen gefertigtes Gitter, zwei Hocker und das Hoheitszeichen des römischen Weltreichs bilden die Kulisse, mit der die „Legionäre“ auf Tour gehen. Deshalb laufen derzeit die Proben auch nicht in der großen Robert-Seemann-Halle am Sömmersdorfer Passionsspielgelände, sondern im Garderobenraum des Bühnenhauses.
An diesem Abend haben sich die vier Männer zum ersten Mal mit Soldatenkostümen aus dem Fundus ihres Fränkischen Passionsspiels eingekleidet. Dabei stellen sie fest, dass keiner von ihnen bisher zu dieser Truppe gehörte. Marius Mergenthal, der den jungen, unerfahrenen Legionär Marcus gibt, stand schon als Satan, als Jünger Johannes oder auch als Abenteurer Robin Hood auf der Freilichtbühne. „Ich bin der Jüngste hier, was zur jetzigen Rolle passt“, meint er. „Und mir ist es wegen meines Beinbruchs ganz recht, dass ich mich hinter dem Gitter nicht viel bewegen muss“, grinst er.
Den altgedienten, abgeklärten Legionär Proculus, der den Gefangenen bewacht, gibt Marius‘ Vater Dieter Mergenthal, zugleich Co-Vorsitzender des Vereins. Vor über 40 Jahren spielte er schon einmal bei den „Legionären“ mit.
Robert König inszeniert Passionsspiel neu
„Es ist einfach ein faszinierendes Stück“, erklärt Robert König die Wiederaufnahme nach zehn Jahren Pause. Zwischen 1982 und 2015 tourte er selbst als Legionär Proculus mit drei Mitspielern durch die Region. Der 73-jährige Ehrenvorsitzende des Vereins kennt das Stück von Eva Rechlin genau, weshalb er sich auch bereit erklärte, jetzt Regie zu führen, unterstützt von Tobias Garbe. „Diese ungewöhnliche Sicht und die Auseinandersetzung der Legionäre mit dem Geschehen, das ist ein anderes Passionsspiel, aber genauso eindringlich“.
Als römischer Soldat wollte Tobias Selzam eigentlich mal „auf die andere Seite wechseln“, meint der dreimalige Darsteller des Jesus in der Sömmersdorfer Passion. Jetzt aber spielt er mit Octavius, dem Freund des eingesperrten Marcus, einen Legionär, der den Perspektivwechsel ins Stück bringt. Er ist nämlich der Nachdenkliche, der Nachfragende und der Zweifler an der Geißelungsaktion. „Er ist der Anwalt Jesu“, bringt es Robert König auf den Punkt.
Mit glaubhafter Bosheit verkörpert schließlich Christan Schömig seine Rolle des Legionärs Lupus, der schon länger in der römischen Besatzungsarmee in Judäa seinen Dienst leistet. Entsprechend abgebrüht und abgestumpft zeigt er sich bei den Grausamkeiten und der Kreuzigung Jesu. Er ist der Zyniker, der Spötter, der brutal zuschlägt, wenn es ihm befohlen wird.
Passionsspiel zeigt Verurteilung Jesu vor der Residenz
Vier Soldaten, vier Charaktere, vier Schicksale erwarten die Zuschauer bei den „Legionären“. Ihr besonderer Blick auf die Passion, die Leidensgeschichte Jesu, wird auch beim Deutschen Katholikentag im Mai in Würzburg präsentiert. Dann spielen die Sömmersdorfer nicht nur dieses Theaterstück auf der Hauptbühne vor der Residenz. Sie ergänzen es auch mit 60 weiteren Spielern um zwei Szenen aus ihrem großen Passionsspiel: die Geißelung und die Verurteilung Jesu.
Die Termine
- Waigolshausen: 15. März, 19 Uhr, Kirche
- Euerbach: 21. März, 19 Uhr, Neue Kirche
- Rottershausen: 22. März, 19 Uhr, Kirche
- Würzburg: 28. März, 19 Uhr (Kirche steht noch nicht fest)
- Gochsheim: 29. März, 19 Uhr, katholische Kirche
- Sömmersdorf: 4. April (Karsamstag), 19.30 Uhr
- Freilichtbühne; Würzburg Katholikentag: 14. Mai, 14 Uhr, Hauptbühne vor der Residenz.














