Mit einer gut besuchten Finissage ist die Ramsthaler Kunstwoche 2026 zu Ende gegangen – und nach Einschätzung des veranstaltenden Vereins Erlebenskunst war sie zugleich die bislang erfolgreichste Auflage. Unter dem Motto „Farben – Formen – Frieden“ verwandelten mehr als 30 regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler, Schulen und ein Kindergarten das Weindorf eine Woche lang in eine lebendige Galerie und einen Ort der Begegnung.
Besonders das Holzbildhauersymposium im Hof der Bäckerei Kemmer verlieh der Kunstwoche erneut ein unverwechselbares Profil. Vier Künstlerinnen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands arbeiteten eine Woche lang unter freiem Himmel an ihren Skulpturen und machten den Entstehungsprozess von Kunst für die Besucher unmittelbar erlebbar. Vom ersten Schnitt mit der Motorsäge bis zu den letzten feinen Details konnten Gäste verfolgen, wie aus mächtigen Eichenstämmen beeindruckende Kunstwerke entstanden. Die Gespräche mit den Künstlerinnen und der direkte Blick auf ihre Arbeit machten das Symposium zu einem besonderen Erlebnis und zu einem Höhepunkt der Kunstwoche.
Eine weite Anreise
Die Teilnehmerinnen brachten dabei nicht nur ihr handwerkliches Können, sondern sehr unterschiedliche Lebenswege und künstlerische Hintergründe mit nach Ramsthal. Die weiteste Anreise hatte Finja Petersen aus Niebüll bei Flensburg. Beruflich widmet sie sich als Floristin dem Anbau ökologischer Schnittblumen, zugleich beeindruckt sie mit einer bemerkenswerten künstlerischen Vielseitigkeit. Für Ramsthal schuf sie eine Figur beim traditionellen Weinstampfen und griff damit eine jahrhundertealte Form der Weinherstellung auf.
Mit Katrin Hubl aus Oerlenbach war eine Künstlerin vertreten, die längst eng mit der Ramsthaler Kunstwoche verbunden ist. Bereits ein früheres Werk von ihr bereichert den Ramsthaler Kunstweg. Auch ihre neue Skulptur mit der Inschrift „Vitum donum Deorum bonum“ – „Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter“ – schlägt eine Brücke zwischen Kunst, Weinbau und der Geschichte des Dorfes und dürfte künftig ebenfalls einen besonderen Platz im Ortsbild finden.
Die in Stuttgart aufgewachsene Sahra Griese absolvierte ihre Ausbildung zur Holzbildhauerin im traditionsreichen Oberammergau und studiert heute an der Kunsthochschule Kassel. In ihrer Arbeit verbinden sich handwerkliche Präzision und künstlerische Experimentierfreude. Mit Bocksbeutel und Weinkelch stellte sie zwei prägende Symbole fränkischer Weinkultur in den Mittelpunkt ihrer Skulptur.
Lea Diehl aus Langenstein im Harz ist Holzbildhauermeisterin und arbeitet normalerweise vor allem mit Miniatur- und Eisskulpturen. Die Bearbeitung der gewaltigen Eichenstämme bedeutete für sie daher eine besondere Herausforderung. Mit ihrer von einer Hand umschlossenen Weintraube schuf sie ein Werk, das Verbundenheit, Wertschätzung und den sorgsamen Umgang mit der Natur symbolisiert. Im Namen aller Künstlerinnen bedankte sie sich für die Gastfreundschaft in Ramsthal.
Kunstweg wird länger
Die Werke sind zugleich Ausdruck einer erfolgreichen Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Dank des Engagements von Schirmherr Dr. Joachim Galuska, der drei Skulpturen finanzierte, wird der Ramsthaler Kunstweg künftig in Richtung Hammelburg erweitert. Die neuen Arbeiten mit dem Leitthema Wein sollen anlässlich des Jubiläums „1250 Jahre Wein in Hammelburg“ im kommenden Jahr aufgestellt werden und den bestehenden Kunstweg um eine weitere Etappe ergänzen.
Zur Finissage waren Hammelburgs Zweiter Bürgermeister Joachim Hockgeiger sowie Tourismusleiterin Theresa Schmid nach Ramsthal gekommen. Hockgeiger bezeichnete die Kunstwoche und die Arbeit des Vereins als „phänomenal“ und dankte Galuska. Dieser zeigte sich begeistert von der „Buntheit der Kunstwoche“ und der Vielfalt der Werke. Kunst sei für viele Künstler weniger Broterwerb als vielmehr Berufung.
Bürgermeister Rainer Morper unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung für das Dorf. Kunst löse Gespräche aus, manchmal kontroverse Diskussionen – genau das mache ihren Wert aus. „Ich bin stolz, dass wir das in Ramsthal haben“, sagte er .
Doch nicht nur die Ausstellungen und das Symposium machten die Kunstwoche zu einem Erfolg. Mit Veranstaltungen wie „Grill & Chill“, „Sip and Paint“, Kabarett und einer Open-Air-Party in Zusammenarbeit mit den örtlichen Weingütern entstand eine besondere Atmosphäre.







